Was ist da los? „Rasta – ist das eine Sekte?“, fragte verstört die Lokalzeitung in Vechta im Juni 1979. Unter „S.C. Rasta Vechta“ hatte sich eine Gruppe junger Männer ins Vereinsregister des Amtsgerichts eintragen lassen. Von wegen Sekte. Es waren Jungs, die im Gymnasium in einer Basketball-AG Gefallen am Spiel auf die 3,05 Meter hoch hängenden Körbe gefunden hatten. Nach dem Abitur wollten sie gerne in einem Verein spielen, aber kein Klub hatte Interesse. Fußball, Handball, na klar. Basketball? Könnt ihr vergessen, hieß es.
Also gründeten sie selbst einen Verein. Gut 34 Jahre später ist dieser Klub in der Bundesliga angekommen – und spielt am Sonnabend erstmals in der O2 World gegen Alba (19 Uhr). Mit einem Sieg würden sich die vorzeitig für das Play-off qualifizieren. Der Aufsteiger aus Vechta steht auf dem letzten Tabellenplatz, Punkte gegen den drohenden Abstieg dürfte die Mannschaft von Trainer Pat Elzie wohl gegen andere Klubs holen müssen. „Ich bin enttäuscht“, sagt Elzie, „wir hatten uns mehr vorgenommen.“
Doch das alles hat die Begeisterung in Vechta mit seinen etwa 32.000 Einwohnern, 60 Kilometer südlich von Oldenburg gelegen, nicht abebben lassen. Gut 1200 Fans werden mit nach Berlin kommen. Nur einmal waren in Albas Geschichte mehr auswärtige Anhänger in Berlin dabei: In der Saison 1989/1999 im fünften Finalspiel gegen Bonn unterstützten 1800 Rheinländer ihre Mannschaft.
Die Rasta-Fans sind stolz auf ihr Team – und sie sind stolz darauf, dass ihr Klub in Basketball-Deutschland inzwischen Kult ist. Rasta Vechta wurde 2013 von der sonst so steifen „FAZ“ sogar zur „Lieblingsmannschaft des Jahres“ gekürt. Die Geschichte ist ja auch zu schön: Sie dreht sich um Rasta, um Reggae, um Jamaika, um ein Lebensgefühl. In einer Chronik heißt es: Es trafen sich „ein Haufen spiel-, trunk-, toast- und sportsüchtiger junger Menschen, deren Lebensmotto sich in den Liedern von Ian Dury, Nina Hagen, Ideal oder – besonders wichtig – Bob Marley widerspiegelte“. Besagter Haufen waren die Vereinsgründer. Als sie einen Namen suchten, habe im Hintergrund Marleys Hit „Rastaman Vibration“ gedudelt, so die Geschichte. Ob bewusstseinserweiternde Hilfsmittel im Spiel waren, ist nicht überliefert.
Mit Elzie kam der Ehrgeiz
Lange dümpelte der Klub in niederen Klassen herum. Doch dann kam im Dezember 2009 Elzie eigentlich als Übergangstrainer zum Drittligisten nach Vechta. Er blieb, tüftelte 2011 einen Dreijahresplan aus, den er dem Präsidenten und Mäzen Stefan Niemeyer vorstellte: Aufstieg in die Bundesliga in drei Jahren. „Er hat mich für verrückt gehalten“, erinnert sich Elzie. Niemeyer ließ sich dennoch überzeugen: 2013 stieg der Klub auf, stemmt nun einen 1,5 Millionen Euro hohen Etat, unterstützt vom Futtermittel-Unternehmer Niemeyer.
„Diese verrückte Geschichte von Rasta, Reggae und Basketball finden die Leute einfach gut“, sagt auch Jan Pommer, der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL). Das Image wird gepflegt. Gespielt wird im „Rasta Dome“, das Maskottchen, ein Löwe, trägt Dreadlocks und heißt „Bob“, die Cheerleadertruppe sind die „Marleys“. Natürlich wird in der Halle auch Reggae gespielt. „Rasta ist eher eine Marke“, sagt Elzie. „Es ist ja nicht so, dass hier Reggae-Jungs rumlaufen.“ Der Name sei eben „anziehend“. Den Hype, der in den Medien um den Klub gemacht wird, findet er jedenfalls ein bisschen übertrieben.
Und die Musik? Er habe zwar selbst ein paar Bob-Marley-CDs zu Hause, „ich höre aber auch gern andere Musikrichtungen“, erzählt Elzie. Mit Blick auf das Spiel in Berlin sagt er: „Natürlich wollen wir gewinnen, aber das wird schwierig.“





