Basketball

Johannes Herber - Eine Karriere zwischen Himmel und Hölle

Der frühere Alba-Profi Johannes Herber hat ein unterhaltsames Buch über seine Jahre auf dem Feld geschrieben. Bereits mit 29 Jahren hatte er nach vielen Verletzungen mit dem Leistungssport aufgehört.

Foto: imago sportfotodienst

Die Liebe zum Basketball ist bei Johannes Herber, 31, geblieben, auch wenn er im Sommer 2012 seine Karriere als Profi beendet hat. Mit 29 Jahren, in einem Alter, in dem viele noch auf ihre Karrierehöhepunkte zusteuern. Für Herber, von 2006 bis 2010 bei Alba, dann noch jeweils ein Jahr in Tübingen und Frankfurt unter Vertrag, war Schluss. Es war in ihm nicht das Feuer erloschen für das Spiel, aber er hatte gemerkt, dass sein Körper nach zwei Kreuzbandrissen, nach Bandscheibenvorfällen und Fersenproblemen es nicht mehr zuließ, auf höchstem Niveau weiterzuspielen.

Ich spiele nicht mehr, doch das Spiel hat mich nicht verlassen. Manchmal, wenn ich an der Bushaltestelle stehe oder einfach die Straße entlanglaufe, fange ich plötzlich an, einen unsichtbaren Ball zu dribbeln. Beim Joggen umkurve ich Spaziergänger, als wären sie Gegenspieler. Wenn ich die Augen schließe, kann ich mich noch immer spielen sehen. Ich hoffe, dass sich das niemals ändern wird.

Dies schreibt Johannes Herber in seinem gerade erschienenen Buch „Almost Heaven – Mein Leben als Basketballprofi“. Er nimmt darin den Leser mit auf seinem Weg, der den Jungen von der Bergstraße vom Fußball (Fan von Eintracht Frankfurt) zum Spiel auf die 3,05 Meter hoch hängenden Körbe führt. Erzählt von den Jahren am College in West Virginia, seiner Zeit als Profi, den Spielen in der Nationalmannschaft. Faszination und Schattenseiten, Triumphe und Enttäuschungen. Herber brauchte keinen Ghostwriter. Er kann sehr gut beobachten und schreiben, das demonstriert er seit Jahren in Fachzeitschriften, in denen seine kurzweiligen Kolumne „Herber geht’s nicht“ erscheint. Er zeigt großes Sprachgefühl, beleuchtet Innenansichten, fängt seine Gefühle ein während dieser Achterbahnfahrt, der seine Karriere gleicht. Mal ironisch, mal nachdenklich.

Die Vergangenheit wird wieder lebendig

Der erste Dunking ist ein Schlüsselerlebnis, das man herbeisehnt, ähnlich wie den ersten Sex. Danach kann man mitreden. Ich war 15 Jahre alt, als mir dieses Kunststück zum ersten Mal gelang.

Das Buch taucht ein in die Basketball-Welt, deren Teil Herber war. Sicher wendet es sich schwerpunktmäßig an Basketballfans. „Nicht jeden kann ich damit einfangen“, weiß er selbst. Während der Jahre am College hat er angefangen, Tagebuch zu führen. „Das Erinnern hat Spaß gemacht.“ Auf einmal wurden die vergangenen Zeiten wieder lebendig, die Bilder ganz frisch.

Ein Wurf gegen die seitliche Brettkante fällt gefühlsmäßig in die Kategorie offener Hosenstall. Besonders dann, wenn der Ball von der Kante unkalkulierbar wegspringt, auf der Kamera des Fotografen landet oder im Gesicht einer Cheerleaderin.

Dem eher unbeschwerten Leben am College, das er mit dem Bachelor in Politikwissenschaften abschloss, folgen die Jahre in der Bundesliga bei Alba.

Mit dem Geld als Profi steigt der Druck

Seit ich mit Basketballspielen Geld verdiente, glaubte ich, dass mehr von mir erwartet wurde. Ich musste Resultate liefern – Siege, Punkte, gute Statistiken. Spiel für Spiel wollte ich unserem Manager Marco Baldi beweisen, dass ich jeden Cent wert bin, den er mir zahlte. „Relax, Joe“, sagte ich mir dann manchmal selbst.

Man lernt in Herbers Buch viel über zwischenmenschliche Prozesse innerhalb einer Gruppe, man erfährt, wie routinierte Alba-Profis wie Sven Schultze oder Patrick Femerling ticken. Und wie es ist, mit Serben im Team zu stehen.

Sie fluchen wie die Kesselflicker, und bei einem schlechten Pfiff spucken sie angewidert aufs Parkett. Die meisten Serben wirken etwas grimmig, aber wenn sie lächeln, geht mir das Herz auf. Zur Begrüßung rumpeln sie nicht grob mit den Oberkörpern aneinander wie die Amerikaner, sondern lächeln sanft und küssen sich dreimal auf die Wangen.

74 Spiele hat Herber für die deutsche Nationalmannschaft bestritten. Oft gemeinsam mit dem NBA-Superstar Dirk Nowitzki. Es hat ihn beeindruckt und schockiert zugleich, was für einem Hype der beste deutsche Basketballspieler aller Zeiten ausgesetzt ist.

Viele Spiele im Nationalteam an der Seite von Nowitzki

Als ich sah, mit welcher Ehrfurcht die Menschen Dirk gegenübertraten, wie sie nach ihm schrien, wie gierig sie ihn ansahen, mit welcher Vehemenz sie versuchten, ihn zu berühren, als ob seine Berührung sie von einer Krankheit heilen oder das größte Glück auf Erden bescheren würde, begriff ich, dass das vielleicht Dirks größte Leistung war: Jeden Tag diesen bescheidenen, bodenständigen Menschen darzustellen, jeden Tag von dem Podest herunterzusteigen, auf das ihn die Menschen hieven.

Doch zur Geschichte von Johannes Herber gehören eben auch seine Verletzungen. Er beschreibt das Quälen fürs Comeback. Das Hoffen auf der Bank, vom Trainer doch endlich eingesetzt zu werden. Seine fehlende Gelassenheit. Als er über die Tiefpunkte schrieb, so erzählt der Autor, seien schon „Wunden aufgerissen“ worden. „Aber gelitten habe ich nicht.“

Was hat neulich dieser junge Kerl im Laden zu mir gesagt? ,Hey, ich kenn’ dich. Du bist doch der von Alba, der, der immer verletzt ist. Warte, ich hab’s gleich. Der ... der ..., der nie spielt. Ich bin der, der nie spielt. Bin ich das?

Manchmal sieht man ihn bei Alba-Heimspielen

Johannes Herber lebt mit seiner Frau Lara und dem anderthalbjährigen Sohn Otis in Berlin. Er hat inzwischen den Master in Internationalen Beziehungen gemacht. Künftig arbeitet er für den Dachverband europäischer Dienstleistungs-Gewerkschaften (Uni). Dort ist er mitverantwortlich für den Bereich Sport.

Manchmal gehe ich zu den Heimspielen von Alba Berlin und freue mich, wenn sie gewinnen. Ich würde es nicht unbedingt vermissen nennen, doch wenn die Spieler nach einem Sieg geduscht aus der Kabine kommen und ihre Augen dabei funkeln, weiß ich noch ganz genau, wie sich dieser Moment anfühlt.