Albas Pokalgewinn

Selbst an so einem Tag dreht sich vieles um Bayern München

Alle gegen die Bayern: Das neue Schwergewicht scheitert im Pokal, fordert vom Ligaverband aber neue Konzepte. Besonders stark sind die Dissonanzen zwischen München und dem Pokalsieger Alba Berlin.

Foto: Jan-Philipp Strobel / dpa

Als die Spieler des FC Bayern Basketball nach der Halbfinalschlappe gegen Ulm (72:90) vom Parkett schlichen, entlud sich noch einmal die ganze Häme. „Ihr seid nur ein Fußballverein…“, so sangen die Fans der Ulmer und von Alba Berlin in fröhlicher Eintracht. Und auch ein Teil der Bamberger Anhänger in der Ulmer Arena stimmte mit ein.

Alle gegen die Bayern: Was sich in den vergangenen zwei Jahren langsam, aber stetig entwickelt hat, kam beim Top 4 am Wochenende deutlich zum Ausdruck.

So wie die Münchner Fußballer seit jeher polarisieren, so färbt das auch auf den Basketballableger ab. Das Team von Cheftrainer Svetislav Pesic (verlor im Spiel um Platz drei 73:79 gegen Bamberg) wird gnadenlos ausgepfiffen, beschimpft, beleidigt, wo es auch immer in Deutschland auftritt. München wirkt wie der unbeliebteste Gast, den es in der Liga jemals gegeben hat.

Bayern München ist ein Segen für die BBL

Was viele jedoch vergessen: Eigentlich ist der Klub ein Segen. Das öffentliche Interesse an der Basketball-Bundesliga (BBL) ist ebenso gestiegen wie die Einschaltquoten bei Fernsehübertragungen. Mit Freude hat Thomas Braumann, der Präsident der BBL, das festgestellt. Davon würden doch schließlich alle profitieren. Andere Klubs wie Bamberg, Alba, Oldenburg oder Ulm fühlen sich von den Bayern herausgefordert und verstärken noch einmal ihre Anstrengungen.

Doch Braumann sagt auch: „Es sind neue Zeiten eingetreten.“ Es würde dem Selbstverständnis der Bayern eben widersprechen, nicht gleich eine Führungsrolle einnehmen zu wollen. Nicht nur sportlich, wo die Münchner BBL-Tabellenführer sind, auch in der Europaliga stehen sie in den Top 16, sogar noch mit der vagen Chance auf das Viertelfinale. In der BBL demonstriert man ebenfalls Stärke. „Auch wir werden von München stark kritisiert“, gibt Braumann zu.

Wobei die jüngste Kritik an der BBL-Führung bei der Vertragsverlängerung mit BBL-Geschäftsführer Jan Pommer von einigen Klubs mitgetragen wurde, als sie vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. „Das war mein Fehler, dafür entschuldige ich mich“, so Braumann. In Ulm wurde nun der Kontrakt mit Pommer mehrheitlich bis 2018 verlängert.

Starke Dissonanzen zwischen Alba und dem FC Bayern

Doch Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic, einst Nationalspieler im Trikot des Bundesliga-Konkurrenten Alba Berlin, fordert vehement von der BBL-Führung, „Konzepte zu entwickeln, um die Entwicklung der Vereine durch das Setzen höherer Standards voranzutreiben und noch professionellere Standards aufzubauen.“ Die Bayern machen Druck. Zumindest vom Inhalt her ist man ein wenig erinnert an Zeiten, als Alba das Ganze vorangetrieben hat – und teilweise damit auch auf wenig Gegenliebe der Konkurrenz stieß.

„Die Bayern sehen sich als Sportmarke eben als etwas Besonderes“, hat Braumann festgestellt. Es ist diese „Mir san mir“-Mentalität. „Klar, dass es da Reibereien mit anderen gibt.“

Besonders stark sind die Dissonanzen allerdings zwischen Alba und dem FC Bayern. Einige Male öffentlichkeitswirksam ausgetragen zwischen dem ehemaligen Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß und Albas Aufsichtsratschef Axel Schweitzer. Und auch Albas Geschäftsführer Marco Baldi stichelt gern: „Manchmal hat man das Gefühl, als hätten die Bayern schon 20 Titel gewonnen...“ Der letzte Titelgewinn der Münchner liegt Jahrzehnte zurück. Alba und Bayern, da knistert es. „Dass gerade Alba mit den Bayern Probleme hat, kann ich verstehen“, erklärt Braumann. Die Berliner seien ja vorher in der öffentlichen Wahrnehmung der Marktführer gewesen. Bei der Markenbekanntheit war Alba top. „Jetzt ist das anders: Alle kennen Bayern.“

Insgesamt ist das Binnenklima in der Liga rauer geworden. „Das sehe ich ansatzweise schon“, sagt Braumann, das sei auch in Ordnung, „solange ein fairer Wettbewerb eingehalten wird“. Er fügt aber auch an, dass sich, im Vergleich zu München, Alba früher in seiner Vorreiterrolle „immer anders verhalten hat“. Andere Zeiten, andere Sitten.