Die Erwartungen sind so hoch wie die Vorfreude groß. „Besser kann’s nicht sein“, sagt Marco Baldi, der Geschäftsführer von Alba Berlin, mit Blick auf die Besetzung beim Top 4 um den deutschen Pokal am Wochenende in Ulm. „Der Zirkus kommt in die Stadt“, jubelt sein Ulmer Kollege Thomas Stoll.
So viel Klasse und Spannung war lange nicht mehr bei einer Pokalendrunde. Titelverteidiger, Meister, Bundesliga-Tabellenführer und ein Gastgeber, dem mit dem Heimvorteil im Rücken alles zuzutrauen ist: Alba Berlin, die Brose Baskets Bamberg, Bayern München und Ratiopharm Ulm. Den wirklich großen Favoriten gibt es nicht. Svetislav Pesic, der Bayern-Trainer, bringt es auf den Punkt: „Jedes der vier Teams kann den Titel gewinnen.“ Das Finale findet am Sonntag um 15 Uhr statt.
Den ersten Schritt dorthin müssen die Vier an diesem Sonnabend in den Halbfinalpartien machen. Um 17 Uhr trifft Alba auf den großen Rivalen Bamberg, um 20 Uhr stehen sich München und Ulm gegenüber (alle Spiele live bei Sport1). Von Seiten der Bayern wird die Chancenungleichheit angeprangert. Die Münchner mussten am Donnerstag noch in der Europaliga bei ZSKA Moskau (70:77) antreten. „Das ist ein klarer Nachteil für uns“, kritisiert Center Yassin Idbihi, der seine Mannschaft dennoch in der Favoritenrolle sieht. Ulm und Bamberg, die sich noch am Mittwoch in der Bundesliga gegenüberstanden, hatten einen Tag länger Pause, Alba – bereits am Dienstag gegen Valencia im Einsatz – sogar zwei Tage.
Bayern klagt über eine sehr kurze Pause
Sicherlich keine glückliche Konstellation, unter der aber beispielsweise Alba vor einem Jahr ebenso litt. Wie man das alles souverän nimmt, zeigt Meistercoach Pesic: „Wir sind bestens vorbereitet“, sagt er. „Ich bin mir sicher, dass wir genauso stark spielen wie in Moskau.“ Ausreden können andere suchen. Bayern München, der Klub mit den großen Ambitionen, will unbedingt einen Titel.
Auch die Münchner Konkurrenten demonstrieren Selbstbewusstsein: „Ich denke, wir sind Favorit“, sagt Bambergs Spielmacher Anton Gavel, „sonst würden wir nicht hinfahren.“ Alba-Kapitän Sven Schultze kontert: „Wir gewinnen, weil wir eine ganz hungrige Mannschaft haben.“ Baldi legt nach: „Das ist unser Cup. Wir müssen alles, was wir haben, aufs Parkett bringen, um ihn zu behalten.“ Da will sich Ulms Spielmacher Per Günther nicht verstecken: „Wir haben die gefährliche Außenseiterchance.“
Alba gegen Bamberg. Erst vor zwei Wochen standen sich die beiden Teams in der O2 World in der Bundesliga gegenüber, die Berliner gewannen nach einer starken Leistung mit 70:58. Nun lässt sich trefflich darüber streiten, wer was aus diesem Spiel für das erneute Aufeinandertreffen ziehen kann. Sasa Obradovic, Albas Cheftrainer, ist sich jedenfalls sicher: „Die Bamberger haben sich damals sehr geärgert, wie sie sich präsentiert haben. Das wird sie zusätzlich motivieren.“
Bamberg hatte zuletzt Defizite im Mannschaftsspiel
Auffällig war am 15. März, dass in punkto Mannschaftsspiel zwischen Berlin und Bamberg Welten lagen. „Nur wenn wir uns als Team präsentieren, können wir gewinnen, sonst haben wir wieder keine Chance“, erklärt Bambergs Flügelspieler Casey Jacobsen. Sein Trainer hatte vor zwei Wochen auf ihn verzichtet, um einen anderen der sieben Ausländer unter einer Drucksituation spielen zu sehen. Nach den Bundesliga-Regularien dürfen nur sechs Ausländer im Aufgebot stehen. „Casey wird diesmal garantiert spielen“, sagt Obradovic.
Der Serbe sieht als mitentscheidend an, „wer besser mit dem Druck umgeht und wer nicht übermotiviert ist“. Bambergs Spieler hätten in dieser Hinsicht mehr Erfahrung. „Sie waren schon öfter in einer solchen Situation.“ Doch Alba-Profi Reggie Redding verweist auch darauf, dass sein Team zuletzt, nach dem Desaster in Valencia (54:86), gleich wieder die Kurve gekriegt hat. „Bei vielen Mannschaften hätte danach wohl eine Talfahrt begonnen.“
Aber die Berliner gewannen in Bremerhaven (62:59) und schafften gegen Valencia (78:73) in eigener Halle am Ostbahnhof einen versöhnlichen Abschied aus dem Eurocup. „Wir haben uns durchgebissen und Charakter gezeigt“, so Redding, „das sehe ich als gutes Vorzeichen für das Top 4.“
Den Champions Cup hat Alba bereits gewonnen
Bamberg und Alba stehen sich in dieser Saison bereits zum vierten Mal gegenüber, die Bilanz lautet bisher 2:1 für Alba. Durch einen Korb von David Logan wenige Sekunden vor der Schlusssirene sicherten sich die Berliner schon vor dem ersten Ligaspieltag den Champions Cup (Pokalsieger gegen Meister) durch ein 79:78. In der Bundesliga unterlag Berlin bei den Franken nach guter Leistung 69:73, hinzu kam besagtes 70:58. „Wir kennen uns sehr gut, es wird keine Überraschungen geben“, glaubt Obradovic.
Die Spieler haben sich schon mal ihre Gedanken gemacht. „Wir müssen unbedingt Jacobsen und Gavel unter Kontrolle bekommen“, sagt Schultze. Gavel hat auch ganz klare Vorstellungen, wie es laufen muss: „Es ist am Anfang gleich sehr wichtig, dass Logan nicht seinen Rhythmus findet, er darf nicht reinkommen ins Spiel.“
500 Fans begleiten das Berliner Team nach Ulm
Die Berliner können sich auf lautstarke Unterstützung ihrer Anhänger freuen. Gut 500 Fans reisen mit nach Ulm, in der Hoffnung, dass ihrem Team der große Wurf gelingt. Alle wissen: Es sind nur zwei Siege bis zu einem Titel. Der letzte wurde am 24. März 2013 in der O2 World gewonnen: Im Pokalfinale setzte sich Alba mit 85:67 gegen Ulm durch.
Redding hat sich am Mittwoch im Fernsehen die Partie zwischen Ulm und Bamberg ganz genau angeschaut und ist zur Erkenntnis gekommen: „Bamberg war richtig gut.“ Er ist sich sicher: „Das wird ein Riesenspiel.“





