Mithat Demirel hat als Basketballprofi und danach in seiner jetzigen Funktion als Sportdirektor bei Alba Berlin schon sehr viel erlebt, aber da musste selbst er passen: „Ich kann mich nicht wirklich an so etwas erinnern.“ 15 Mal hatte am Sonnabend einer aus dem Berliner Team zu einem Wurf jenseits der 6,75-Meter-Linie angesetzt – aber kein einziger dieser Dreier-Versuche fand den Weg in den Bremerhavener Korb. Normalerweise kann man ein Spiel bei einer solch katastrophalen Bilanz bei Distanzwürfen nicht gewinnen, aber was ist bei Alba momentan schon normal? Mit der 54:86-Klatsche im Eurocup-Viertelfinale in Valencia hätte ja auch niemand gerechnet.

Und diese herbe Schlappe „hat noch in den Köpfen gesteckt und viel von unserem Selbstbewusstsein genommen“, so Demirel. Insofern sei der 62:59-Erfolg bei den Eisbären im hohen Norden „elementar wichtig“ gewesen. Das Selbstvertrauen muss zurückkommen. Hätten die Berliner auch in Bremen (die Eisbären waren in eine größere Halle ausgewichen) vor knapp 10.000 Zuschauern verloren, „wäre der Rucksack noch schwerer geworden, den wir mit uns rumschleppen.“

Unübersehbar waren Albas Probleme in der Offensive. Dass David Logan keinen einzigen Punkt erzielte, spricht Bände. Aber dennoch war der Wille der Berliner nicht zu brechen: „Wenn du so ein schwieriges Spiel in der Schlussphase noch umbiegst und gewinnst, dann zeugt das von großem Charakter und viel Qualität“, meinte Albas Cheftrainer Sasa Obradovic. Von daher müsse er seinem Team „ein großes Kompliment“ aussprechen. Fünf Minuten vor Ende hatte Alba noch 49:58 zurückgelegen.

Final Four um den Pokal am kommenden Wochenende

Nach dem Einbruch in Valencia sei es darum gegangen, „sich wieder auf die grundlegenden Dinge zu konzentrieren“, sagte Demirel. „Gut verteidigen, auch wenn vorne nichts läuft.“ Nur 59 Punkte zuzulassen, ist eine starke Leistung. Gerade darauf soll jetzt aufgebaut werden in Hinblick auf das Eurocup-Rückspiel gegen Valencia am Dienstag (20 Uhr, O2 World). Es gilt, sich mit Anstand aus dem europäischen Geschäft zu verabschieden.

Und am Wochenende steht ja dann das Pokal-Top-4 in Ulm auf dem Programm. Spätestens im Halbfinale, am Sonnabend gegen Meister Bamberg, sollten dann die Dreier wieder in den Korb fallen.

seb