Basketball

Nach dem Zoff wird Jagla für Alba Berlin immer wichtiger

Noch vor ein paar Wochen hatte sich der Basketballprofi mit Trainer Obradovic während eines Spiel angelegt. Doch der Coach setzt weiter auf ihn. Das zahlt der 32-Jährige mit starker Leistung zurück.

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Als Leon Radosevic neun Sekunden vor Ende zu seinem zweiten Freiwurf antrat, war allen klar: Der Basketballprofi von Alba Berlin würde absichtlich daneben werfen, um seinem Team die vage Hoffnung zu erhalten, doch noch aus dem Feld werfen zu können. „Mir ging nur durch den Kopf, dass ich den Rebound holen oder den Ball reintippen muss“, erinnerte sich Jan-Hendrik Jagla, 32, an die Szene.

Doch der 2,13 Meter große Berliner kam nicht zum Zug: Sein Kollege Reggie Redding schnappte sich den vom Korb zurückgeprallten Ball und versenkte die Kugel aus schier unglaublicher Position mit einem Dreier zum 88:87-Pokalsieg gegen die Telekom Baskets Bonn. Das Top4 am 29./30. März in Ulm (Auslosung ist am 26. Februar) war damit gemeinsam mit dem Gastgeber Ulm, FC Bayern und Bamberg erreicht.

„Das war Adrenalin pur“, meinte Jagla mit glänzenden Augen. Der Showdown am Mittwochabend wird als eine der spektakulärsten Szenen in die Alba-Geschichte eingehen. Sie passt zu dem, was momentan beim Basketballteam passiert: Inzwischen wurde der Rekord auf 16 Siege hintereinander geschraubt. Eine Serie, die gegen die starken Bonner fast gerissen wäre. „Man hat gesehen, dass wir ein bisschen den Rhythmus verloren haben“, sagte Trainer Sasa Obradovic. Es ist mehr der unbändige Kampfgeist als spielerische Klasse, der die Berliner momentan auszeichnet.

Alba bietet momentan mehr Kampf als Glanz

Aber es gelingt den Berlinern, schwimmend auf der Erfolgswelle, unmöglich Scheinendes möglich zu machen. So wie in Juschne, als Alba nach einer Kraft raubenden Odyssee noch eine Verlängerung erzwang und am Ende gewann. Oder eben gegen Bonn. „Wir geben nie auf“, sagte Jagla. „Es ist dieser Siegeswillen“, der ihm am Alba-Jahrgang 2013/2014 am besten gefalle, so Axel Schweitzer, der Aufsichtsrats-Chef. „Sie bringen ihr Herz aufs Parkett.“

Ein wichtiger Grund für den Erfolg ist auch die Ausgeglichenheit im Kader: Obradovic lässt mit einer Zehner-Rotation spielen, nur selten muss ein Profi länger als 30 Minuten auf dem Feld stehen. Die Intensität kann so hochgehalten werden. „Jeder möchte möglichst lange spielen, ist doch klar“, erklärte Jagla. Gerade er war in dieser Saison bisher mit Einsatzzeit nicht üppig gesegnet. In der Bundesliga bisher durchschnittlich 11:31 Minuten auf dem Feld, im Eurocup 10:06 Minuten – da hatte sich der gebürtige Berliner sicherlich mehr erwartet, der sich aber öffentlich nie beklagte.

Im Sommer 2013 von München nach Berlin gewechselt

Im Sommer 2013 war er nach zwölf Jahren als Profi im In- und Ausland wieder in seine Heimatstadt zurückgekehrt, nachdem ihm Bayern Münchens Trainer Svetislav Pesic nicht die erhoffte Spielzeit für die Zukunft hatte zusagen können. „Ohne Ärger, ganz professionell“ sei die Familienangelegenheit geklärt worden: Pesic ist der Schwiegervater von Jagla, der mit Ivana Pesic verheiratet ist.

Doch jetzt scheint es bei Jagla in Berlin immer besser zu laufen. Längere Einsatzzeiten nutzte er zuletzt zu 14 Punkten gegen Bayreuth, gegen Bonn hielt er Alba mit 15 Zählern im Spiel. In Juschne (7) hatte er mit einem spektakulären Dunk die Verlängerung erzwungen. „Er spielt gerade auf einem sehr hohen Niveau“, verteilte Obradovic an ihn ein Extra-Lob. „Ich mache das, was ich kann – und versuche der Mannschaft zu helfen“, meinte Jagla.

Am Sonnabend schweres Spiel in Ulm

Am 22. Januar hatte es im Heimspiel gegen Juschne weniger harmonisch zwischen Spieler und Trainer ausgesehen. Sie stritten sich nach einer Auswechslung vor den Augen der 6204 Zuschauer. Geblieben ist von dem Disput offenbar nichts. Es zählt nur die Leistung. Bereits am Sonnabend wieder, im schweren Bundesligaspiel in Ulm.