Basketball

Alba Berlin hat die Titelverteidigung vor Augen

Alba zieht dank des 88:87-Sieges gegen Bonn in die Pokal-Endrunde ein. Reggie Redding warf die Berliner erst kurz vor dem Schluss zum Sieg.

Es scheint, als könne der Höhenflug von Alba Berlin einfach nicht enden. Die Mannschaft von Coach Sasa Obradovic gewann auch das 16. Pflichtspiel in Serie. Das 88:87 (39:44) im Pokal-Viertelfinale gegen Bonn war ein Erfolg, den der Klub ganz besonders herbeigesehnt hat, denn jetzt kann Berlins Basketballteam beim Top Four am 29./30. März in Ulm den Titel des Pokalsiegers verteidigen. Der Mann des Spiels war vor 8741 Zuschauern in der O2 World Reggie Redding, der erst fünf Sekunden vor dem Ende das Ticket zum Finalturnier löste.

„Wir hätten das Spiel früher entscheiden können“, atmete Obradovic tief durch. „Es war zu sehen, dass wir in der vergangenen Woche etwas von unserem Rhythmus verloren haben. Natürlich bin ich jetzt sehr froh, dass wir zum Top Four fahren.“

Führung wechselte im Minutentakt

Es wurde unter beiden Körben von Beginn an kräftig hingelangt, was bei einem Alles-oder-Nichts-Spiel auch zu erwarten war. Im ersten Viertel kamen dennoch viele Punkte zusammen, weil sowohl die Berliner als auch die Gäste schnell den Abschluss suchten. Vielleicht, weil sich beide Teams gut kannten, denn sie trafen bereits zum vierten Mal in dieser Saison aufeinander. Alba hatte zweimal klar im Eurocup gewonnen und in der Bundesliga auswärts mit einem Punkt verloren.

All dies zählte an diesem Abend nicht mehr, war von beiden Seiten zuvor zu hören, und dementsprechend wurde gespielt. Während die Gastgeber den Erfolg in Korbnähe suchten, trafen die Bonner anfangs besser aus der Distanz. Führungen und Rückstände wechselten sich aber nahezu im Minutentakt ab. Alba führte nach einem 11:16 (4.) bald mit 20:16 und setzte sich bis zum 30:21 (10.) ab. Die Punkte-Flut der Berliner versiegte danach vorerst komplett. Als Jan-Hendrik Jagla genau sechs Minuten später per Dreier wieder traf, hatten die Bonner den Rückstand längst aufgeholt. Ballverluste und schlechte Würfe hatten die Offensive der Berliner ins Stocken gebracht.

Die Bonner waren mit nur einer Niederlage bei acht Siegen als das auswärtsstärkste Team der Liga angereist. Mit so einer Bilanz behält man bei Rückständen die Nerven. Jaglas Dreier zum 33:32 waren die ersten drei von insgesamt neun Alba-Punkten im zweiten Viertel, Bonn machte 21. Dank eines überragenden Tony Gaffney, der vor der Pause bereits 20 seiner 28 Punkte machte, lag Alba 39:44 zurück. „Wir waren bereit, bei Gaffney ein gewisses Risiko einzugehen“, gestand Obradovic. „Aber er hat wirklich alles getroffen.“

Die Härte blieb oder nahm eher noch zu

Niemand in der O2 World glaubte, dass das schon eine Art Vorentscheidung sein könnte, schließlich war Alba bei seiner 15:0-Siegesserie zuvor so manchen Rückständen hinterher gelaufen. Wieder war es Jagla, der sein Team in Tritt brachte. Nachdem er zum 49:46 (24.) getroffen hatte, war es mit deutlichen Führungen vorbei. Die Härte blieb oder nahm eher noch zu, spielerisch wurde es vor allem bei den Berlinern besser. Das 63:64 nach dem dritten Viertel war bis tief in die Schlussphase der letzte Rückstand, den die Gastgeber hinnehmen mussten. Albas absoluter Siegeswillen, der das Team schon in den vergangenen Monaten ausgezeichnet hatte, und die Anfeuerungen der Fans paarten sich zum Ende zu einer ohrenbetäubenden Wand aus Energie.

Aber auch die konnte den Bonnern den Schneid nicht abkaufen, obwohl Alba mit 84:77 (37.) führte. 20 Sekunden vor dem Ende lagen die Berliner durch Bonns Schützen vom Dienst Benas Veikalas dann doch 85:87 zurück. 15 Sekunden später verwarf Albas Leon Radosevic zwei Freiwürfe (den zweiten absichtlich), Reggie Redding schnappte sich den Ball und erlöste sich und sein Team aus größter Bedrängnis mit einem Dreier aus der Ecke. „Ich wusste nicht, wie viel Zeit noch war, ich habe ihn einfach geworfen“, strahlte Redding, der am Ende mit 18 Punkten vor Jagla (15) Berlins bester Werfer war. „Es war heute nicht unser bestes Spiel, aber wir haben gewonnen. Ich bin überglücklich.“ Verständlich, die Serie hat gehalten und Alba fährt zum Top Four.