Basketball

Alba-Coach Obradovic feiert Geburtstag beim Eurocup

Alba-Coach Sasa Obradovic feiert seinen 45. Geburtstag beim Spiel gegen Chimik Juschne in der von Unruhen geplagten Ukraine. Ein Sieg wäre das wohl schönste Geschenk für ihn.

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Die Riesenparty hätte es anlässlich des 45. Geburtstags von Sasa Obradovic auch nicht gegeben, wenn keine Dienstreise auf dem Programm gestanden hätte. Geschenke sind dennoch willkommen. Mit das größte könnte ihm sicherlich seine Mannschaft machen. Albas Coach steht am Mittwoch im Europacup bei Chimik Juschne (17 Uhr, RBB Livestream) an der Seitenlinie. Gewinnt Alba am Ehrentag des Trainers in der ukrainischen Hafenstadt, wäre nicht nur der Klubrekord von 14 Pflichtspielsiegen in Folge egalisiert und ein neuer mit sieben Europapokal-Erfolgen in Serie aufgestellt. Die Berliner stünden zudem fast sicher in der Runde der letzten 16. Theo Breiding sprach vor dem Abflug mit Obradovic, der nach drei Jahren in Kiew und Donezk die Ukraine gut kennt.

Berliner Morgenpost: Die Unruhen in der Ukraine sind seit Wochen täglich in den Nachrichten. Denken Sie, es ist sicher, jetzt nach Juschne zu reisen?

Sasa Obradovic: Ja, ich glaube schon. Ich habe ja noch gute Freunde dort, und die haben mir gesagt, dass die Reise für uns ungefährlich ist. Natürlich weiß man das nie zu hundert Prozent, aber ich denke, dass auch unsere Gastgeber alles tun werden, damit wir keinen Gefahren ausgesetzt werden.

Sie waren nach den Siegen gegen Juschne vor einer Woche und danach gegen Tübingen unzufrieden, weil Ihr Team in den ersten Halbzeiten jeweils nicht voll konzentriert war. Wird die Siegesserie zur Gefahr, weil die Spieler denken: Das kriegen wir schon irgendwie hin?

Die Sorge, dass eine zu große Zufriedenheit aufkommt, habe ich immer, und ich werde nicht müde, davor zu warnen. Ich versuche zwar, die gute Atmosphäre zu erhalten, sage aber auch jeden Tag, dass das noch nicht genug ist. Wir sind nicht Real Madrid und weder von Juschne noch von Tübingen bestraft worden. Wir haben viele junge Spieler, deren Reaktion nicht vorhersehbar ist, sollte sich diese Periode einmal ins Gegenteil verkehren. Unser Rhythmus darf sich nicht ändern, da spielen Serien keine Rolle. Wir müssen jeden Gegner ernst nehmen. Das wäre die mentale Seite, aber auch das Körperliche ist sehr wichtig.

Müde wirkte Ihre Mannschaft nicht.

Wir haben so viele Spiele hinter uns, in denen wir genauso hart und physisch gespielt haben, wie ich es mir wünsche. Wir haben die Mannschaft bislang in einem guten körperlichen Bereich halten können. Da haben alle einen guten Job gemacht. Dezember, Januar und Februar sind die Monate, wo es ums Überleben geht und darum, schwere Verletzungen zu vermeiden. Vielleicht wundern sich derzeit einige während der Spiele, wie ich ein- und auswechsele. Das Kriterium derzeit ist nicht nur die aktuelle Situation, sondern auch die Vorsicht, niemanden zu überspielen. Zwischen dem Physischen und dem Mentalen gibt es immer eine Wechselwirkung. Wer fit ist, trifft die besseren Entscheidungen. Es geht darum, gesund und körperlich leistungsbereit zu bleiben und sich nicht eine Sekunde lang zufrieden zurückzulehnen.

Ist die Serie von 13 Siegen in Folge auch für Sie eine persönliche Bestmarke?

Hmmmm(überlegt). Weiß nicht, alles, woran ich mich erinnern kann, ist, dass ich als Spieler mit Alba in einer Saison nur ein Bundesligaspiel verloren habe.

Mit einem Sieg in Juschne hätte Alba gute Chancen, als Gruppenerster in die K.o.-Spiele zu gehen. Im Achtel- und Viertelfinale im jeweils zweiten Spiel hieße das Heimrecht.

Ich rechne nicht. Wo, wann, gegen wen, zu Hause oder nicht, darüber lohnt es sich jetzt nicht nachzudenken. Das Ziel ist, die Top 16 zu erreichen, und wirklich im Fokus ist jeweils das nächste Spiel.

Das bestreiten Sie gegen einen Gegner, den Sie letzte Woche geschlagen haben. Zudem schied Juschne am Wochenende aus dem ukrainischen Pokal aus. Vielleicht hat das Team einen Durchhänger.

Davon gehe ich nicht aus. Chimik ist ein gefestigtes Team, eines mit Charakter, das von Kampf und Einsatz lebt. Zudem werden wir auf einen anderen Gegner treffen, weil der Kopf der Mannschaft, Paul Delaney, der in Berlin verletzt fehlte, wieder dabei ist. Das hat unsere Vorbereitung schon verändert. Wir haben uns viel mit Juschnes Sieg in Straßburg befasst, wo Delaney dabei war. Fest steht, eine erste Halbzeit wie in den letzten beiden Spielen dürfen wir uns nicht leisten. Einige Überraschungen haben wir uns auch überlegt.

Vielleicht hat sich ja auch Ihr Team eine Überraschung überlegt – oder würde ein Sieg als Geburtstagsgeschenk reichen?

Natürlich, das wäre ein sehr, sehr gutes Geschenk.