Basketball

Sven Schultze ist Albas wertvollster Bankangestellter

Der 35-jährige Flügelspieler spielt für den Berliner Basketballklub eine wichtige Rolle. Vor allem die jungen Profis können von dem ehemaligen Nationalspieler Sven Schultze sehr viel lernen.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Sven Schultze ist hin- und hergerissen. „Natürlich“, sagt er, „möchte ich gerne viel mehr spielen.“ Schließlich schinde er sich jeden Tag, „du investierst und trainierst sehr viel“. Doch andererseits: „Der Erfolg der Mannschaft steht über allem.“ Diese sieben Worte beschreiben sehr gut, wie der Basketballprofi von Alba Berlin tickt. 35 Jahre alt ist Schultze, der gebürtige Bamberger, inzwischen alt. Im Fränkischen hat er bereits als 17-Jähriger erstmals in der Bundesliga gespielt. Und immer war sein Credo: Alles geben fürs Team, das eigene Ego kommt erst ganz, ganz weit hinten.

Sven Schultze wägt jedes Wort ab, wenn er über seine momentane Situation spricht. Tatsache ist, dass der 2,06 Meter große Flügelspieler nur in fünf von bisher 17 Bundesligaspielen aufs Feld durfte, im Schnitt 4:32 Minuten lang; im Eurocup waren es in den beiden Spielen (von insgesamt zwölf), in denen er ran durfte, durchschnittlich 3:37 Minuten. In der Zehner-Rotation von Trainer Sasa Obradovic hat er keinen Platz.

Am Mittwoch gegen Juschne

„Es ist keine einfache Situation für mich, manchmal ist es schon sehr schwer“, gibt er ehrlich zu. Und auch heute Abend (20 Uhr, O2 World) im Eurocupspiel gegen das ukrainische Team von Chimik Juschne dürfte Schultzes Platz wohl auf der Bank sein.

Aber er weiß auch, „dass ich dennoch meinen Teil für die Mannschaft beitragen kann. Im Training hart spielen, anderen helfen...“ Deshalb war es den Alba-Verantwortlichen auch wichtig, den Routinier weiter dabei zu haben, als im Sommer 2013 fast das komplette Team ausgetauscht wurde. „Gerade die jungen Spieler können sich an ihm orientieren“, erklärt der Coach. Wie in der vergangenen Saison ist Schultze auch in dieser Spielzeit Kapitän.

Wie im Vorjahr ist Schultze wieder Kapitän

Als „Seele der Mannschaft“ hat der ehemalige Bundestrainer Dirk Bauermann Schultze einmal bezeichnet, der 121 Länderspiele bestritt, mit dem Nationalteam 2005 EM-Silber („Mein Highlight“) gewann und 2008 an den Olympischen Spielen in Peking teilnahm. „Seit ich Basketball spiele, habe ich immer versucht, darauf zu achten, dass es im Team stimmt“, erzählt er. „Positiv, auch mal laut, einfach präsent“, sei er. Und immer emotional. Ob auf dem Spielfeld, wo er ein harter Knochen ist, oder am Spielfeldrand, wenn er die anderen anfeuert, gern ein Handtuch schwenkend.

Gerade zu Saisonbeginn hat er viel mit den jungen deutschen Spieler gesprochen, die zu Alba gewechselt waren. „Ich habe den Unerfahrenen erklärt, was hier auf sie zukommt.“ Und auch, dass Obradovic es nicht persönlich meint, wenn er mal lauter wird. „Sie dürfen nicht den Kopf hängen lassen.“ Mutmacher Schultze. „Ich habe mir einst viel von Henrik Rödl abgeguckt“, sagt er. Schultze war selbst ein Junger, als er zwischen 1998 und 2002 erst bei TuS Lichterfelde und dann bei Alba spielte. Viermal Meister und zweimal Pokalsieger wurde er während dieser Zeit mit den Berlinern, bei denen Rödl damals Alba-Kapitän war. „Du brauchst Geduld, deine Zeit wird kommen“, habe Rödl oft zu ihm gesagt.

Ein Job als Cheftrainer kommt nicht infrage

Schultze ging seinen Weg, mit Leib und Seele: Er spielte nach der Alba-Zeit in Leverkusen, in Italien (Mailand, Udine, Biela, Ferrara) und Griechenland (Larisa). Seine Frau Eva war immer mit dabei. „Das war für uns sehr wichtig.“ Der heute siebenjährige Sohn Nicola wurde in Mailand, die fünfjährige Lilli in Larisa geboren. 2010 kehrte die Familie nach Berlin zurück, wo er im vierten Jahr unter Vertrag steht. „Wenn die Mannschaft das Niveau halten kann, können wir sehr viel erreichen“, ist er sich sicher.

Mit 35 Jahren ist Sven Schultze auf der Zielgeraden seiner Karriere. Er ist absolut fit, vielleicht spielt er noch ein Jahr. „Das ist momentan noch völlig offen.“ Eine spätere berufliche Zukunft im Bereich Fitness und Personal Coaching könnte er sich ebenso vorstellen wie die Arbeit als Jugendtrainer. Cheftrainer zu werden, ist für ihn allerdings kein Thema: „Ich habe schon genug graue Haare.“ Der kahlköpfige Obradovic hat das auf seine Art gelöst.