Alba Berlin

Das ewige Talent Alex King ist erwachsen geworden

Einer der ersten Spieler, dessen Dienste sich Alba Berlin für die laufende Saison sicherte, war Alex King. Und die Verpflichtung des 28-Jährigen hat sich schnell bezahlt gemacht.

Foto: Schulz / pa/nordphoto

Das Paar hatte das große Ereignis zwar sehr langfristig vorbereitet, aus gegebenem Anlass musste der Ort jedoch geändert werden. Als Basketballprofi Alex King im vergangenen Frühjahr mit seiner Verlobten Agata die Hochzeit für den Sommer 2014 plante, überlegten sich die beiden damals, wo sie in Würzburg den Bund fürs Leben schließen und die Feier ausrichten sollten. Die Hochzeit an sich ist zwar nicht geplatzt, doch nun wird in einem halben Jahr in Berlin geheiratet. Denn dort wohnen die Eheleute in spe nun seit vier Monaten.

Kings Wechsel zu Alba Berlin hat einiges in seinem Leben durcheinander gewirbelt. „Aber ich wollte unbedingt diesen Schritt machen“, sagt der 28-Jährige. Alba wollte ihn gern verpflichten, in Würzburg besaß er noch einen Vertrag bis 2016, der eine Ausstiegsklausel enthielt. Alba zahlte eine Ablösesumme ins Fränkische, stattete King mit einem Dreijahresvertrag aus.

„Du wirst dich dort verbessern“

King war besonders angetan von dem Plan des Berliner Klubs, künftig verstärkt auf deutsche Spieler zu setzen. Dass der Ruf von Alba bei diesen gerade durch die Zeit Luka Pavicevics als Trainer gelitten hatte, kann King bestätigen. „Ich habe mich aber mit Kollegen wie Philip Zwiener und Heiko Schaffartzik, die ja früher bei Alba gespielt haben, unterhalten.“ Vor allem Schaffartzik, der ja im Unfrieden vorzeitig Alba verließ, habe sich sehr positiv geäußert. „Heiko hat gesagt: Es wird schwer, aber du wirst dich dort verbessern.“ Bereut hat den Deal keiner der Beteiligten. „Er ist zu einem wichtigen Bestandteil der Mannschaft geworden“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi. Im Schnitt etwa 20 Minuten lang lässt ihn Trainer Sasa Obradovic spielen, nicht selten steht er in der Startformation. Auch an diesem Sonntag gegen die Phantoms Braunschweig (O2 World, 17 Uhr und im Liveticker der Berliner Morgenpost) wird der Coach wieder auf den Flügelspieler setzen.

Bonn war die Rettung aus der persönlichen Krise

Wenn King selbst jetzt eine erste Zwischenbilanz zieht, strahlt er: „Ich bin wirklich sehr, sehr zufrieden.“ Er habe das Gefühl, „dass ich mich Tag für Tag, Woche für Woche verbessere und mich besser in Sasas Systeme einfüge“. Anfangs habe er sich etwas schwer getan: „Ich war hinten dran.“ Denn er kam mit mehrwöchiger Verspätung zum Team, weil der Nationalspieler erst die Vorbereitung für die EM und dann die Vorrunde bei den Titelkämpfen in Slowenien mit der deutschen Mannschaft bestritten hatte. Hin- und hergerissen war er: „Es war mir ja klar, dass bei Alba die Anforderungen sehr hoch sind, daher wollte ich eigentlich von Anfang an dabei sein.“ Aber andererseits: „Ich war natürlich froh und stolz, bei der Nationalmannschaft dabei sein zu können.“

Sehr lange hatte er darauf warten müssen, wieder in die Auswahlmannschaft berufen zu werden. 2004 durfte King auf Mallorca unter dem damaligen Bundestrainer Dirk Bauermann schon einmal an einem Lehrgang teilnehmen. Erst neun Jahre später machte der genau zwei Meter große Profi dann im Team von Bundestrainer Frank Menz am 16. Juli 2013 sein erstes von inzwischen 17 Länderspielen.

Schwere Zeiten bei Trainer Murat Didin

Dazwischen lagen wechselvolle Jahre mit einem Auf und Ab für den Sohn eines amerikanischen Vaters und einer deutschen Mutter, der in Ansbach geboren wurde. Er weiß auch, dass er phasenweise als ewiges Talent gehandelt wurde. Nach sechs Jahren in Frankfurt wechselte King 2008 zu den Telekom Baskets Bonn. „Dort hat mir Trainer Mike Koch mein Basketball-Leben gerettet.“ Denn am Ende seiner Frankfurter Zeit war er total gefrustet. Beim sehr speziellen Coach Murat Didin brachte er kein Bein mehr auf den Boden. „Da war ich kurz davor aufzuhören.“ Drei Jahre in Bonn, danach zwei Jahre in Würzburg: „Immer konnte ich ein bisschen mehr Verantwortung übernehmen.“

Jetzt bei Alba bekommt er nur unwesentlich weniger Einsatzzeit als zuvor in Würzburg. Seine besondere Stärke liegt im defensiven Bereich. Von ihm beharkt zu werden, ist kein Vergnügen. An seinen Defiziten beim Wurf hat er über die Jahre kontinuierlich gearbeitet. „Es gab früher Zeiten, da hatte ich richtig Angst, einen Wurf zu nehmen.“ Längst hat er mit gestiegenem Selbstbewusstsein diese Phasen überwunden. Wobei nun niemand von King erwarten darf, dass 15 Punkte – wie vor einer Woche gegen Vechta – Normalität werden. 17 Punkte in einem Spiel sind sein persönlicher Bundesliga-Rekord. Einmal gelang ihm das am 12. Mai 2012 im Play-off – ausgerechnet beim überraschenden 91:84 Würzburgs in Berlin.