Basketballstar am Klavier

Albas Levon Kendall bringt seine eigene CD heraus

Albas Center Levon Kendall ist ein Meister unter dem Basketballkorb und am Klavier. Demnächst bringt er seine erste eigene CD auf den Markt. Zuvor heiratet er am Freitag ein Model.

Foto: Tilo Wiedensohler / Camera 4

Sein Job ist es kräftig zuzupacken. Levon Kendall, 2,09 Meter groß, spielt nach jeweils drei Jahren in Griechenland und Spanien seit diesem Sommer für Alba Berlin. Er schiebt gegnerische Kolosse unter den Körben hin und her, er blockt Würfe, er fängt Bälle, passt sie weiter oder stopft sie auch schon mal in 3,05 Meter Höhe mit einer Hand locker durch den Ring.

Dass man ohne ein gehöriges Maß an manuellem Geschick nicht professional Basketball spielen kann, ist klar. Die Hände des 29-jährigen Kanadier werden aber auch noch zum Werkzeug eines ganz anderen Teils seiner Persönlichkeit. Kendall singt, komponiert, spielt Klavier.

„Ich bin mit Musik aufgewachsen. Mein Vater ist professioneller Musiker, er hat seit den 1980er-Jahren in Rock- oder Folkbands gespielt und es gibt mehrere CDs mit Klaviermusik von ihm“, erzählt der Center aus Vancouver. „Ob nach dem Essen oder beim Schlafen gehen, meinen Vater Klavier spielen zu hören, war in meinem Leben von klein auf allgegenwärtig.“

Mit zehn Jahren die erste Band

Musik liege ihm Blut, erzählt Kendall. „Mit zehn Jahren hatte ich für drei Jahre mit Freunden eine Band gespielt, in der ich Schlagzeug gespielt habe.“

Vor der Frage, ob er professionell Basketball spielen oder Musik machen solle, stand er allerdings nie. „Ich habe mich erst mit 18 oder 19 Jahren am College der Musik wieder zugewandt, mir gedacht, dieses Talent ist doch auch in dir, damit musst du etwas anfangen. Meine Karriere-Entscheidung fiel, als ich 15 war, eher zwischen Fußball und Basketball“, erinnert sich der smarte Kanadier. Sich als Torwart täglich in den Matsch zu schmeißen, war da nicht mehr lange sein Ding.

Musik nimmt Tempo aus seinem Leben

Mit 13 Jahren aufgehört, mit 18 oder 19 wieder angefangen – die Gefahr, dem Sex, Drugs & Rock’n Roll-Klischee entsprechen zu wollen, bestand für Teenager Kendall damit nie. „Ja, dafür war ich viel zu aktiv, war nur mit Sport beschäftigt. Aus meinem Leben Tempo rauszunehmen und Musik zu machen, kam mir damals nicht in den Sinn.“

Heute ist Albas Center froh, sich vor rund zehn Jahren auf sein musikalisches Erbgut besonnen zu haben. „Die Musik hilft mir als Sportler wahrscheinlich mehr als alles andere, weil es mir eine Flucht ermöglicht, wenn sich alles nur noch um den Basketball dreht. Wenn ich mich ans Klavier setze und singe, sind der Job und der Druck weg. Ich mag diese Balance in meinem Leben, dass ich nicht nur von einer Sache komplett vereinnahmt bin.“

Um gut Basketball zu spielen, müsse man trainieren und um Musik zu machen, üben. Beides erfordere Disziplin, erzählt Kendall. Das habe er gelernt und davon würde er profitieren.

Wir alle wurden schon von Ohrwürmern befallen, Songfetzen, Melodien, die einen einfach nicht verlassen wollen. Kaum vorstellbar, dass es möglich ist, vom Klavier aufzustehen, weil es Zeit ist, Basketball zu spielen und die Musik völlig auszublenden.

Trainer im Nationalteamziehen ihn auf

„Doch, das geht“, sagt der Songwriter. „Meine Coaches im Nationalteam scherzen zwar immer rum, welcher Song mir wohl gerade durch den Kopf gehen würde. Beim Aufwärmen kann das auch noch einen Moment lang so sein, aber ich bin dann schnell hundertprozentig beim Basketball.“

Ob in der U-Bahn, im Bus oder sonst wo, jeden Tag beweisen Millionen Kopfhörer auf den Köpfen an allen erdenklichen Orten, wie wir uns mit Musik manipulieren, sie unsere Stimmung verändern kann. Und oft auch, ohne dass man es sieht.

Nowitzki sang „Looking for freedom“

Dirk Nowitzki beispielsweise gestand 2006 während des Finales gegen Miami, dass er vor Freiwürfen „Looking for Freedom“ von David Hasselhoff summen würde, um sich zu beruhigen.

Albas Center muss einen Moment nachdenken, sagt dann, anders als beim deutschen Superstar in Dallas bliebe bei ihm die Musik beim Basketball weitestgehend außen vor. „Manchmal höre ich vor dem Spiel Musik, manchmal nicht. Wenn in den Hallen Songs gespielt werden, die ich mag, nehme ich das schon wahr. In meiner Highschool wurde vor den Spielen immer AC/DC gespielt. Wenn ich den Song Thunderstruck höre, putscht er mich noch immer auf.“

Wer nun auch bei Kendalls eigenen Songs aufputschende, jaulende Gitarrenriffs und hammerharte Schlagzeugbeats erwartet, weil er doch seinen Beruf auch nur mit hohem Adrenalin-Ausstoß ausüben kann, wird überrascht. Sein Song „Destined“, den er mit Hilfe eines Jugendfreundes mit Bildern aus Berlin als Video produziert hat, ist eine softe Ballade.

Sein erster Song heißt „Destined“

„Ich höre meist eher ruhige Musik und ich glaube, das entspricht sowieso meiner Persönlichkeit. Auch, wenn es im Gegensatz zu meinem Sportlerleben steht, wo ich mit großer Intensität spielen muss, aber vielleicht ist es ja genau der Ausgleich, der mir gut tut. Es wäre doch auch ungesund, wenn ich das ganze Leben nur Vollgas geben würde.“

Neben „Destined“ hatte Kendall, der heute in Berlin im kleinen Kreis das Model Alexandra Genis heiratet („Die große Party steigt dann erst nach der Saison in Vancouver“), mit Vater Simon noch weitere Songs aufgenommen. „Wir haben ja das Studio im Keller und es war toll, so intensiv mit meinem Vater zusammen zu arbeiten, der musikalisch in einer ganz anderen Liga spielt. Dabei habe ich habe sehr viel gelernt.“

CD-Einnahmen gehen in eine Stiftung

Derzeit arbeitet Simon Kendall daran, die CD „Touch Down, Take Off“ auf den Markt zu bringen. Sie wird fünf Euro kosten und das Geld wird in Kendalls Stiftung „The Music Tree“ gehen, die kommunale und Umwelt-Projekte unterstützt. „Die Idee ist mir in Griechenland gekommen. Ich saß mit einem Schulfreund auf einem Felsen am Meer und hatte gerade meinen erstes Gehalt als Profi gekommen. Das war für mich viel mehr Geld, als ich brauchte. Da haben wir beschlossen, dass wir etwas weiter geben wollen“, erzählt der Kanadier, in dessen Schatulle nun sicher auch ein paar Euros aus Berlin fließen werden.

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