Sein erster Weg führte den frischgebackenen Ehemann zu seiner Frau. Direkt nach dem 87:72 (45:33) von Alba Berlin gegen TBB Trier lief Alba-Profi Levon Kendall zu seiner Ehefrau Alexandra, die am Spielfeldrand saß. Dann bekam sie einen dicken Kuss. Es war der Abschluss zweier turbulenter Tage für den 29 Jahre alte Center.

Erst am Freitag hatte er seine Alexandra geheiratet, am Sonnabend nun wurde er zum „Mann des Spiels“ gekürt: 17 Punkte gelangen dem Kanadier, er holte acht Rebounds und gab vier Assists. „Alles ist perfekt“, freute er sich. „Nervös“ sei er bei der Trauung gewesen, berichtete er. Gefeiert sei allerdings nicht besonders worden, „weil ich mich ja auf das Spiel vorbereiten musste“. Kendall war offensichtlich nicht geschwächt von der Hochzeit und dem Drumherum, sondern ging gut vorbereitet in ein Basketball-Spiel, das von Alba, mit wenigen Abstrichen, klar beherrscht wurde. Wie Kendall kam bei Berlin auch Cliff Hammonds auf 17 Punkte, es folgten Reggie Redding und Akeem Vargas (beide 13).

Eine halbe Stunde vor Spielbeginn hatten sich die beiden Trainer Sasa Obradovic von Alba und Henrik Rödl aus Trier freundschaftlich umarmt. Einst holten sie gemeinsam für die Berliner den Korac-Cup (1995) und die erste nationale Meisterschaft (1997). Nach neun Minuten hatte man das Gefühl, dass die Trierer nur gekommen waren, um einen freundlichen Trainingspartner abzugeben. Zu diesem Zeitpunkt führten die Berliner mit 22:6. Alba war gleich da, während die Trierer fast nichts zustande brachten. „Wenn man nicht gleich bereit ist, hat man keine Chance“, ärgerte sich Rödl, dessen Alba-Trikot mit der Nummer 4 an der Hallendecke hängt. „Uns wurde früh der Zahn gezogen.“

Doch wie das so ist: Wenn es einer Mannschaft zu leicht fällt, besteht die Gefahr, dass die Konzentration nachlässt. Es schlichen sich bei Alba Fehler ein, die Trierer hingegen steigerten sich, trafen jetzt besser und waren bei Rebounds aufmerksamer. Zwischenzeitlich schmolz der Vorsprung auf neun Zähler (22:13/11.). Doch die Berliner, die ohne ihren angeschlagenen Topscorer David Logan (Kniereizung) angetreten waren, steigerten Tempo und Intensität gleich wieder. 40:25 hieß es nach 18 Minuten.

Aus der Pausen-Führung von 45:33 wurde vor 8354 Fans zwar schnell ein 55:48, weil Trier aus der Distanz gut traf. Aber die individuelle Klasse der Berliner setzte sich immer wieder durch. „Ich bin glücklich, dass die Mannschaft den Fokus behalten hat“, sagte Obradovic. Nach den anstrengenden Reisen nach Bamberg und anschließend nach Dunkerque sei es „nicht leicht gewesen, die entsprechende Energie aufzubringen“.

Zehn Minuten vor Ende hieß es 65:53. Alba zog sogar bis auf 20 Punkte Differenz (83:63) weg. Dass Trier am Ende noch ein paar leichte Punkte gelangen, störte dann niemanden mehr.