Es wäre schon eine merkwürdige Konstellation, wenn man gleich im ersten Spiel das höchste aller Saisonziele erreichen könnte. So wird es zwar am heutigen Sonnabend nach dem Champions Cup in der O2 World (20.15 Uhr, Sport1) für den Sieger einen Pokal und einen anerkennenden Händedruck des Geschäftsführers der Basketball-Bundesliga, Jan Pommer, geben, für Pokalsieger Alba Berlin und Meister Bamberg ist das Aufeinandertreffen aber eher eine willkommene Standortbestimmung. Gefühlt beginnt für beide Klubs die Saison erst am darauffolgenden Wochenende mit dem Start in die Bundesliga.

Dass dennoch ein ordentliches Basketballspiel zu erwarten ist, hat gleich mehrere Gründe: Zum einen kann man seinen Leistungsstand nur bestimmen, wenn man alles gibt. Zum anderen waren die Spiele zwischen Alba und Bamberg noch nie mit Freundschaftsspielen zu verwechseln. Zumal die Bamberger auch nicht vergessen haben dürften, dass sie drei der vier Spiele in der vergangenen Saison, zwei davon in der prestigeträchtigen Euroleague, verloren haben. Den mit zwölf Neuen komplett runderneuerten Berlinern hingegen hat Geschäftsführer Marco Baldi schon mit auf den Weg gegeben, dass man hier in der Hauptstadt „nicht gern verliert“. Und es scheint, die Botschaft ist angekommen, denn die neu zusammengestellte Mannschaft konnte in der Vorbereitung neun der insgesamt zehn Testspiele gewinnen.

Das Topspiel der vergangenen zehn Jahre

Und so würde Coach Sasa Obradovic heute „natürlich diesen kleinen Titel gern mitnehmen, aber ich wäre auch nicht übermäßig enttäuscht, wenn es nicht klappt“, sagt er und weist vor dem Duell gegen den Meister der vergangenen vier Jahre gleich auf den markantesten Unterschied der beiden Kontrahenten des Champions Cups hin: „Die Bamberger haben den Kern ihres Teams zusammengehalten und noch einmal gut verstärkt. Nach diesem Härtetest wissen wir, wo wir im Moment stehen.“

Sein Bamberger Kollegen Chris Fleming, der auch den Champions Cup in den vergangenen drei Jahren gewann, sieht das Duell gegen Alba heute „als ein letztes Vorbereitungsspiel, allerdings eines mit einem außerordentlich großen Rahmen“. Bis auf den Rückschlag, den er durch den Ausfall seines Power Forwards Novica Velickovic hinnehmen musste, ist Fleming mit dem Stand der Vorbereitung zufrieden. Der Serbe muss nach einer schweren Knieverletzung aus seiner Zeit bei Real Madrid ein unerwartet langes, zweimonatiges Aufbauprogramm absolvieren. Alle würden jetzt zwar immerzu über die Bayern reden, aber „Alba gegen Bamberg war in den letzten zehn Jahren das Topspiel der Liga“, erklärt der Meistertrainer aus Franken, „und für die Jungs, die das kennen, ist es ein großes Spiel“.

Die Bereitschaft, durch die Halle zu fliegen

Was auf Seiten der Berliner ja nur auf Kapitän Sven Schultze zutrifft, dem einzig Verbliebenen aus dem Kader der vergangenen Saison, wenn man Nachwuchsspieler Sebastian Fülle mal außen vorlässt. Ansonsten: Alles neu. Alba habe sich mit der totalen Zäsur, die auch dadurch erzwungen wurde, dass Spieler, die der Klub halten wollte, vornehmlich zu den Bayern nach München gingen (Heiko Schaffartzik, Yassin Idbihi, Deon Thompson, Nihad Djedovic) auf einen „glasklaren Weg begeben“, wie es Baldi nennt. „Junge, hungrige Spieler, die von unten Druck machen“, seien jetzt wieder wie in den guten, alten Zeiten da.

Was Obradovic bestätigt. Der Einsatz aller sei im Training vom ersten Tag an „unglaublich“ gewesen, sagt der Coach, „was mir sehr geholfen hat.“ Sein Kapitän ergänzt: „Alle haben Biss, sind heiß, clever und der Druck ist jeden Tag hoch. Die Mischung passt.“ Es werde aber noch Zeit brauchen, bis die Mannschaft eingespielt ist. „Vor uns liegt noch viel Arbeit.“ Der Weg aber, den Alba eingeschlagen hat, werde „erkennbar sein“, verspricht Baldi. „Wir werden nicht alle Spiele gewinnen, aber jeder wird immer bereit sein, durch die Halle zu fliegen.“

Auch gegen Bamberg. „Wir wollen die Fans auf gar keinen Fall enttäuschen“ sagt Coach Obradovic. „Wir werden kämpfen, nie aufgeben und dann sehen, wie gut wir wirklich sind. Es wäre gut, die Saison mit einem Titel zu beginnen.“ Es klingt, als könnte es um den vermeintlich „kleinen Titel“ doch einen heißen Kampf geben.