Er hat sich seiner neuen Heimat schon angenähert. Alex King (28), der jüngst aus Würzburg kommend für drei Jahre bei Alba Berlin unterschrieb, trainiert mit der Basketball-Nationalmannschaft in Kienbaum, keine Autostunde von der Hauptstadt entfernt. Der 2,01 Meter große Flügelspieler hofft, dass er die letzten Kilometer nach Berlin erst in der zweiten Septemberhälfte zurücklegen wird. Dann würde sich nämlich sein Traum erfüllen, zu den zwölf Spielern zu gehören, die Deutschland bei der EM in Slowenien vertreten. Er spiele mit viel Energie, sei sonst aber ein ruhiger Typ, erzählt King Morgenpost-Mitarbeiter Theo Breiding, und einer, der immer für einen Spaß zu haben ist.
Berliner Morgenpost: Waren Sie überrascht, als sich Alba bei Ihnen gemeldet hat, oder wussten Sie, dass der Berliner Klub Sie auf dem Radar hat, Herr King?
Alex King: Nein, es hatte im Jahr zuvor schon Kontakte gegeben, inoffiziell sozusagen, weil ich ja in Würzburg noch einen Vertrag hatte.
Alba war zuletzt nicht mehr so dominant, wie der Klub es sich selbst wünscht. Auch spielen die Berliner in der kommenden Saison nicht mehr in der Euroleague. Sind Sie enttäuscht?
Nein, die Euroleague ist schon eine große Sache, aber viele Mannschaften im Eurocup spielen doch auf dem gleichen Niveau. Auch im Eurocup kann man sich beweisen und zeigen, wie gut man ist. Zudem ist für mich die Vergangenheit uninteressant, für mich ist es wichtig, dass Alba wieder in die Erfolgsspur kommt.
In der vergangenen Saison gab es bei Alba nur wenige deutsche Spieler, die dem Team helfen konnten – und die kamen zumeist von der Bank. Sie kennen das Schicksal eines Bankspielers aus Ihren Frankfurter Zeiten, waren zuletzt Kapitän eines erfolgreichen Teams. Sie haben einiges aufgegeben.
Jeder Spieler will spielen, ich werde natürlich um meine Spielanteile kämpfen wie alle anderen Spieler auch, aber ich bin mir auch ziemlich sicher, dass Alba mich nicht geholt hat, um mich auf die Bank zu setzen. Die Entscheidung, Würzburg zu verlassen, ist mir nicht leicht gefallen, aber ich wollte die Herausforderung und auch die Chance, hochklassig in Europa zu spielen.
Den Frankfurter Frust haben Sie drei Jahre lang in Bonn abgebaut, bevor Sie 2011 nach Würzburg gingen. Sie sind 28 und gehen bereits in ihre zwölfte Bundesliga-Saison. Sind Sie kontinuierlich besser geworden?
Bonns Coach Mike Koch hat mir mein Basketball-Leben gerettet, den Spaß zurückgebracht. Damit ist das Selbstvertrauen wieder gekommen, und ich habe sehr viel gearbeitet. In den vergangenen beiden Jahren vor allem an meinem Wurf, um eine konstante Waffe zu haben. Zum anderen will ich nicht meine Gefährlichkeit beim Zug zum Korb verlieren. Ich glaube, ich bin sehr lernfähig, suche immer den nächsten Schritt und will mich weiter entwickeln.
Was erwartet Albas Coach Sasa Obradovic von Ihnen?
Er erwartet von mir, dass ich so athletisch und physisch spiele wie bisher, wie in Würzburg mit sehr viel Energie. Er will, dass ich unter dem Korb präsent bin und daran arbeite. Ich bin einer, der immer versucht, physisch zu spielen, vor allem in der Verteidigung – und so kennt man mich auch in der Liga. Ich weiß nicht, ob ich das jetzt sagen soll, aber er will mich in etwa in der Rolle von Zach Morley sehen. Ich werde versuchen, das auf meine Art hinzubekommen, denn ich habe einen Riesenrespekt vor Morley. Er war vergangene Saison auf seiner Position einer der Besten der Liga.
Kommen Sie allein nach Berlin? Werden Sie die Party-Szene bereichern?
Nein, ich komme mit meiner Verlobten, und ich bin abseits des Feldes eher ein sehr ruhiger Mensch, der sich viel ausruhen, sich heimisch und wohl fühlen muss. Ich habe eine abgeschlossene Ausbildung zum Sport- und Fitness-Kaufmann, lese gern, mal englische, mal deutsche Bücher, viel über Psychologie im Sport, aber ab und an auch mal einen Krimi. Ich bin ein lustiger Typ, der mit seinen Mitspielern immer gut auskommt und für jeden Spaß zu haben ist.
Wenn Sie dem SV Stadtwerke München treu geblieben wären, würden Sie heute vielleicht mit Daniel van Buyten oder Jerome Boateng in der Innenverteidigung des FC Bayern spielen. Warum sind Sie mit 13 Jahren vom Fußball zum Basketball gewechselt?
(lacht) Mein Vater war in Ansbach stationiert, und wir sind nach meiner Geburt nach Amerika gezogen, haben dort fünf Jahre gelebt, sind dann aber zurück nach München gekommen. Ich war ein sehr aktiver Junge, und da hat mein Vater gesagt, du musst Sport treiben. So bin ich zum Fußball gekommen, weil das halt in München Standard ist. In den sieben Jahren als Libero und linker Verteidiger beim SV Stadtwerke war ich schon immer den anderen körperlich überlegen. Als ich dann in die Höhe geschossen bin, kam der Wechsel zum Basketball. Den ich zuerst gar nicht wollte, Fußball war mein Leben, und ich war riesengroßer Fan von 1860 München. Mein Vater hat sich dann umgehört, welcher Basketball-Klub ein gutes Jugendprogramm hat, und das war dann ausgerechnet der FC Bayern.
Mit fünf Jahren muss der Sprung von den USA nach Deutschland schwierig gewesen sein.
Ja, war er auch, weil ich in Dallas einsprachig aufgewachsen bin. Der Plan war eigentlich, dass wir in den USA bleiben. Ich musste die Sprache lernen und war in der Schule und im Kindergarten der einzige Dunkelhäutige, das war auch schon eine Art Kulturschock. Ich musste mich anpassen, wobei mir der Sport natürlich auch geholfen hat. Und auch meine Art: Ich bin ruhig und freundlich, so bin ich von meinen Eltern erzogen worden.





