Alba Berlin droht an diesem Sonntag das Saisonende. Gegen Bayern München liegen die Hauptstadt-Basketballer im Meisterschafts-Viertelfinale (best of five) mit 0:2 Siegen zurück und müssen um 14 Uhr (HIER im Liveticker der Berliner Morgenpost) auswärts antreten.

Sportdirektor der Bayern ist Marko Pesic (36), früher selbst ein Albatros, gewann sechs Titel mit den Berlinern. Die Morgenpost sprach mit dem Trainersohn. Denn Vater Svetislav Pesic (63) ist Trainer der Bayern, war aber auch Coach bei Alba Berlin. Hier gewann er den Korac-Cup. Zudem wurde die Mannschaft unter seiner Regie in den folgenden Jahren viermal Deutscher Meister und zweimal Pokalsieger.

Berliner Morgenpost: Herr Pesic, gerade feierten die Fußballer des FC Bayern am Marienplatz mit ihren Fans die Meisterschaft. Haben Sie den Rathausbalkon für Ihre Titelsause im Juni auch schon gebucht?

Marko Pesic: Nein. Ich weiß auch nicht, ob wir das machen würden. Außerdem sind wir erst im Viertelfinale. Wir sind Welten vom Titel entfernt. Es ist noch ein sehr langer Weg. Da herrscht kein Platz für Euphorie. Euphorie ist immer gefährlich.

Kommen Sie, wie Ihre Mannschaft vorige Woche Alba gedemütigt hat, wer soll diese Bayern noch stoppen?

Für den Anfang war es gut, mehr nicht. Ich habe als Spieler so viele Play-offs gespielt, ich weiß, wie leicht so eine Serie wieder kippen kann. Wir haben Selbstvertrauen getankt, genauso wichtig sind aber auch Demut und Konzentration.

Sie sprechen so ernst wie Matthias Sammer, Ihrem Kollegen bei den Fußballern. Dem durfte es auch nie zu lustig werden.

Ich will keine Spaßbremse sein, aber ich kenne die Mechanismen, und wir haben noch nichts erreicht. Alba ist eine ganz gefährliche Mannschaft.

Aber Sie haben Sie auch ein gutes Team und vor allem große Begeisterung im Umfeld. Dass sich Basketball in München so entwickelt, war vor drei Jahren nicht abzusehen.

Was hier bisher entstanden ist, ist sagenhaft und macht mich stolz. In unserer ersten Bundesliga-Saison kamen viele Zuschauer einfach aus Neugier. Im zweiten Jahr haben wir jetzt einen festen Kern von knapp 6000 Fans, die immer kommen. Wie die Fans nicht nur den Sport verstehen, sondern sich auch mit der Mannschaft identifizieren, ist einzigartig. Gerade, wie sie uns in schwierigen Zeiten unterstützt haben.

Damit meinen Sie den holprigen Saisonbeginn nach dem Rauswurf von Dirk Bauermann, bis schließlich Ihr Vater Svetislav als neuer Coach für Ruhe und Erfolg sorgte. Damals gab es schon einige Zweifler.

Die Erfahrung in dieser Phase damals hat uns nur stärker gemacht, das war wichtig für unsere Entwicklung. Viele Leute außerhalb Münchens denken, wir seien ein künstliches Konstrukt. Das ist völlig falsch. Hier steckt so viel Herzblut drin wie bei keinem anderen Verein.

Vor allem von Uli Hoeneß,. Wie oft haben Sie in den vergangenen Tagen die Frage gehört, ob die Steuer-Affäre um seine Person das Projekt Basketball gefährden würde?

Sehr oft. Den Zusammenhang zu uns herzustellen, ist eine künstlich aufgebaute Geschichte.

Von wem? Von Gegnern wie Alba?

Es ist allgemein das Gefühl, dass sich Leute in der Liga an unserem Erfolg stören. Als wir aufstiegen, waren alle froh. Der FC Bayern war medienwirksam für die ganze Liga, das Fernsehen kam, die Quoten stiegen, wenn wir kamen, waren überall die Hallen voll. Aber dann haben wir angefangen zu gewinnen, und das hat wohl einige gestört, das ist aber auch ganz normal.

Die altbekannte Geschichte der Missgunst. Da kommt den Neidern eine Affäre wie um Hoeneß ja gerade recht.

Ganz ehrlich, ich bin mit der Geschichte um Herrn Hoeneß auch überfordert, ich kenne die Details dort nicht. Was ich über Herrn Hoeneß nur sagen kann: Als ich vor zwei Jahren nach München kam, hat er mir so unheimlich viel Vertrauen entgegen gebracht, wo ich mich fragte, womit ich das eigentlich verdient habe. Und ich erzähle Ihnen noch etwas.

Bitte sehr.

Als einer der besten Freunde meines Vaters Anfang des Jahres schwer erkrankte, hat Herr Hoeneß alles unternommen, dass er die bestmögliche Behandlung und Therapie bekommt. Das sind Dinge, die man nicht vergisst. Darum motiviert uns so eine Situation wie jetzt umso mehr. Dass wir noch besser spielen und noch mehr geben, wenn Herr Hoeneß in der Halle ist. Dass wir ihm einen Abend bereiten können wie am Sonnabend.

Das heißt, Sie gewinnen auch für ihn?

Er hat so viel Zeit investiert für unser Basketball-Projekt, ja klar, wir gewinnen auch für ihn.

Er hat Sie vor den Play-offs auch noch zum Essen eingeladen.

Ja, vor gut einer Woche am Sonntag, wir saßen mit ihm, der Mannschaft, den Mitarbeitern aus der Geschäftsstelle und dem gesamten Präsidium bei Käfer. Das hat uns noch mehr zusammengebracht. Dieser Verein ist einfach Wahnsinn. Wenn man neu dazu kommt und so aufgenommen wird, als sei man schon 20 Jahre dabei, das ist einzigartig. Der FC Bayern hat eine Anziehungskraft wie die Sonne, eine Ausstrahlung, der man sich nicht entziehen kann. Das hat sonst kein anderer Verein.

Ihr Ex-Klub Alba also auch nicht.

Ich habe Alba viel zu verdanken, bin dort groß geworden, ich werde Alba auch immer im Herzen tragen. Aber der Verein hat sich in eine Richtung verändert, in ein neues Alba. Ich kenne Alba noch aus der alten Zeit, damit konnte ich mich identifizieren. Vom neuen Alba bin ich einfach zu weit weg. Trainer, Personal, Fanstruktur, eine neue Halle, alles hat sich verändert, aber das ist bei der Entwicklung eines Vereins auch normal.

Wie lange haben Sie denn Geduld, bis der erste Titel her muss?

Am liebsten hätte ich ihn dieses Jahr. Mein Vertrag läuft bis 2014, ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass wir in dieser Zeit noch einen Titel holen werden.

Wie geht es weiter, bleiben Sie in München?

Es hängt natürlich von meiner Arbeit und den Erfolgen ab, ob ich hier bleiben darf. Nur für mich gibt es keinen anderen Verein mehr. Alles andere als Bayern ist uninteressant.