Basketball

Noch ist es für Alba Berlin im Titelkampf nicht vorbei

Alba Berlin steht nach zwei Niederlagen gegen München vor dem Aus im Titelkampf der Basketball-Bundesliga. Geschäftsführer Marco Baldi ist wütend auf die Schiedsrichter und ihre Leistung.

Alba Berlin verliert gegen Bayern München

Alba hat in eigener Halle gegen Bayern München mit 73:79 verloren und liegt in der „Best-of-Five“-Serie des Viertelfinals mit 0:2 zurück. Spieler Derrick Byars kommentiert im Alba-Fantalk die Partie.

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Er sagte: „Ich bin ruhig, wirklich ganz ruhig.“ Dann aber legte Marco Baldi los: „Besonders den Beginn des Spiels empfinde ich als eine Schande für den deutschen Basketball. Ich habe wirklich großen Respekt vor Bayern München, aber, dass ein Klub, der im Basketball noch nichts, aber auch gar nichts geleistet hat, so einen Status genießt, das ist nicht gut“, empörte sich Albas Geschäftsführer über die Leistung der Schiedsrichter nach dem 73:79 gegen Bayern München.

Seiner Mannschaft waren im zweiten Spiel der „Best of five“-Serie des Viertelfinales um die Deutsche Meisterschaft 17, dem Gegner 38 Freiwürfe zugesprochen worden. „Wir hatten 21 Freiwürfe weniger, in eigener Halle und gegen die aggressivste Verteidigung der Liga. Da kann ich nicht sagen, das ist halt so, denn das hat richtig weh getan. Und ich glaube, das brauchen und das wollen die Bayern auch nicht“, grantelte Baldi.

Er wusste, dass er mit solch fundamentaler Schelte schnell als schlechter Verlierer dastehen kann. Schließlich liegt sein Team jetzt in der Serie mit 0:2 zurück und muss am Sonntag in München (14 Uhr) unbedingt gewinnen, ansonsten ist die Saison zu Ende.

Aber das scherte Baldi nicht, verständlich, denn er hatte auch keine Fata Morgana gesehen. Selbst die Zuschauer auf den nobelsten Plätzen direkt am Spielfeldrand musste vom Ordnungspersonal mehrfach ermahnt werden, ihrem Unmut etwas gemäßigter Luft zu machen.

Byars bester Berliner Werfer

Die Unparteiischen ahndeten im ersten Viertel ein Foul eines Bayern-Spielers und sieben seitens Alba. Als Sasa Obradovic die einseitige Linie reklamierte, gab es gegen ihn gleich ein Technisches Foul. Zwei Freiwürfe und Ballbesitz für die Bayern. Das Gefühl, gelinde formuliert, verpfiffen zu werden, verstörte fast alle der 12.110 Zuschauer in der O2 World.

Erstaunlicherweise stand es in der neunten Minute, als Albas Coach gemaßregelt wurde, 15:15. Sein Team hatte den Vorsatz, aggressiv und mit hoher Intensität ins Spiel zu gehen, umgesetzt und sich auch durch die Schiedsrichter nicht irritieren lassen. Wobei sich Derrick Byars, der zuletzt oft nur auf der Tribüne saß, besonders hervortat. Byars war für den angeschlagenen Zach Morley aufgeboten worden und am Ende vor Deon Thompson (17) mit 18 Punkten bester Werfer der Berliner.

Zur Halbzeit führte Alba 34:31, im dritten Viertel aber setzten sich die Bayern wie schon in Spiel eins ab. In München ging der dritte Abschnitt mit 15:34 verloren, in Berlin mit 18:27 – und zwar auf eine Art und Weise, die den Optimismus für das vielleicht schon entscheidende dritte Spiel in München gehörig dämpft.

Zwischen der 25. und der 28. Minute landeten vier Distanzwürfe der Gäste im Berliner Korb. Was erwähnenswert ist, weil sie von vier verschiedenen Spielern, nämlich Chevon Troutman, Lawrence Roberts, Brandon Thomas und Steffen Hamann, abgefeuert wurden. Die Bayern zeigten sich im Vergleich zu Alba abermals variabler.

Bei den Münchnern versuchten sich sieben Spieler erfolgreich aus der Distanz, trafen zehn von 23 Versuchen. Die Berliner trafen fünf Dreier bei 16 Versuchen, Heiko Schaffartzik einen, Derrick Bars glänzende vier – das war’s. Wie schon in Spiel eins in München zeigte sich, dass die Bayern im Angriff mehr Spieler haben, die sowohl aus der Distanz als auch in Korbnähe großen Schaden anrichten können. Und dabei wird es wohl auch bis zum Sonntag bleiben.

„Wir fahren nach München, um zu gewinnen“

„Aber es ist noch nicht vorbei“, sagt Obradovic. Sicherlich hätten die Bayern viele Spieler, die Impulse geben könnten, aber „wir fahren nach München, um zu gewinnen“. Seine Mannschaft wäre zwar, wie gewünscht, „aggressiv aufgetreten, aber auch zu emotional. Wir waren zu oft zu ungeduldig.“

Mut könnte machen, dass die Bayern, die kurz dem Ende mit 14 Punkten führten (59:73/37.), die Partie keinesfalls souverän nach Hause spielten. Als noch 36 Sekunden zu spielen waren, lag Alba nur noch 71:73 zurück, konnte das Spiel nicht mehr drehen, weil das Team von Svetislav Pesic an der Freiwurflinie fehlerfrei blieb. „Ein Spiel ist erst gewonnen, wenn es vorbei ist“, teilte der Bayern-Coach seinen Profis in der Kabine auch umgehend mit. Wissend, dass die Serie auch erst nach dem dritten Sieg gewonnen sein wird.

„Die Situation ist wie sie ist. Wir müssen das Beste draus machen und unsere Kräfte sammeln, nach München fahren und versuchen, das Spiel dort zu gewinnen“, sagte Baldi nach der Schiedsrichter-Schelte. „Das ist natürlich ungleich schwerer, aber wir haben jetzt ein wenig Zeit, zu regenerieren und ich erwarte einen großen Kampf. Wir werden alles unternehmen, die Serie noch mal nach Berlin zu bringen.“