Dreimal in Folge Meister, dreimal in Folge Pokalsieger – besser als mit der Rolle der Brose Baskets Bamberg ließ sich „Maß aller Dinge“ im deutschen Basketball lange nicht definieren. Jetzt allerdings kommt wenig Passendes hinzu: Drei Niederlagen gegen eher mittelmäßige Teams der Bundesliga in Folge, in den Top16 der Europaliga elf Niederlagen und kein einziger Sieg.

Am Mittwoch (20.45 Uhr) bietet sich dem Team von Chris Fleming die Chance zum Befreiungsschlag. Alba Berlin ist in Bamberg zu Gast, ähnlich erfolglos wie die Gastgeber.

Auch die Berliner verloren drei der letzten vier Bundesliga-Spiele und haben in der Beletage Europas nur einen einzigen Sieg auf dem Konto – gegen Bamberg. Das Hinspiel in Berlin verloren die Baskets 63:82, im Duell der Abgeschlagenen geht es um die Rote Laterne der Euroleague.

Zwei Rivalen, ein Problem

„Zwischen Alba und uns gibt es immer tausend Nebengeschichten, am Ende aber geht es darum, stolz zu sein“, erklärt Bambergs Coach Chris Fleming. „Für uns ist es äußerst wichtig, einen Sieg und damit ein Erfolgserlebnis zu erkämpfen. Aber sicherlich gilt das auch für Alba.“

Fleming stellt klar, dass er natürlich nicht für seinen Berliner Kollegen, Sasa Obradovic, sprechen wolle, obwohl der sicherlich kaum etwas dagegen hätte, denn die beiden Klubs, die für die größte Rivalität im deutschen Basketball stehen, verbindet im Moment einiges.

Erstmals stehen mit Bamberg und Berlin zwei deutsche Teams in der Runde der Besten 16 in Europa, erstmals wird diese in zwei Achtergruppen ausgetragen, was dicht gedrängt und parallel zur Bundesliga, 14 Spiele auf allerhöchstem Niveau bedeutet.

Die hohe Belastung führe bei beiden Mannschaften zu großen Problemen, erklärt Fleming. „Bei einer heimischen Liga mit 18 Teams, die alle konkurrenzfähig sind, ist dieser Spielplan extrem. Du kannst dich einen Tag vorbereiten, kommst von irgendwoher angereist, bist mental müde, hast schwere Beine.“

Ein sehr schwieriger Spagat

Mit dem vergebenen Wurf in Moskau oder dem strittigen Pfiff in Istanbul noch im Hinterkopf stehen die Spieler dann vor einem Team, das heiß auf das Spiel des Jahres ist, beschreibt Bambergs Coach den Spagat. „Wenn du es dann nicht gleich schaffst, dem Spiel deinen Stempel aufzudrücken, hast du plötzlich einen Gegner, der denkt, dass er mitspielen kann und ein Problem. Aber das soll keine Entschuldigung sein. Natürlich ist es unser Anspruch, in Frankfurt und Hagen zu gewinnen, aber wir sind da, wo wir sein wollten. Das Ziel war, uns für die Top16 in Europa qualifizieren.“

Ob er bereits in der Kritik stehe, sagte der Coach, der das Double dreimal hintereinander nach Bamberg brachte, das wisse er nicht. Sein Team hätte ja immer nur auswärts gespielt. Die einzigen Bamberger, die er gesehen hat, seien seine Frau und sein Sohn gewesen. Außerdem: „Bei allen Problemen, die wir hatten, stehen wir immer noch auf dem ersten Platz. Die Jungs haben viele Hürden in der Bundesliga genommen, das war nicht immer schön, aber das muss man auch anerkennen.“

Niederlagen mit Nachgeschmack

Und zwar mit permanent wechselndem Personal. Wie auch bei Alba mit Derrick Byars und Ali Traoré fehlte Fleming die Zeit im Training, um die nachverpflichteten Jeremiah Massey und Alex Renfroe zu integrieren. Das Schwierigste aber sei im Wechsel zwischen den Ligen „Selbstvertrauen aufzubauen“.

Vor den drei nationalen Niederlagen, die sich mit ebenso vielen in Europa zu einer Serie von sechs sieglosen Spielen addieren, „hatten wir in der Bundesliga elf Spiele in Folge gewonnen, aber nie das Gefühl, einen Lauf zu haben. Du lebst immer mit dem Nachgeschmack von zumeist knappen Niederlagen zwei oder drei Tage zuvor“. Natürlich täte ein Sieg gegen Alba gut, versichert Fleming erneut und sagt mit Blick auf das Anfang Mai beginnende Play-off: „Ich bin sehr zuversichtlich, wir haben das Zeug, eine sehr gute Mannschaft zu sein und das werden wir auch schaffen.“

Alba blickt auf Pokal-Halbfinale

Ein viertes Double wird es allerdings nicht mehr, Bamberg verlor im Pokalviertelfinale gegen Bayern München und ist beim Top-4-Turiner am kommenden Wochenende in Berlin nicht dabei – im Gegensatz zu Alba. „Das schmerzt natürlich“, gesteht Fleming, „aber ein wenig frei zu haben und trainieren zu können, wird uns sehr gut tun.“

Obradovic hingegen hofft, dass sich sein Team in Bamberg Selbstvertrauen für das Pokal-Halbfinale am Sonnabend gegen Bayern München (20 Uhr, O2 World) holt. „Ich habe der Mannschaft gesagt, sie soll nicht etwa daran denken, mit weniger als 19 Punkten zu verlieren, um im direkten Vergleich besser da zu stehen. Wir wollen in Bamberg gewinnen“, sagt Albas Coach. Wissend, dass sein Team dann auch mit breiter Brust in das Pokal-Wochenende gehen würde.