Europaliga

Real Madrid lässt Alba Berlin keine Chance

Trotz guter Gegenwehr verloren die Berliner zum Auftakt der Top-16-Runde gegen den spanischen Rekordmeister am Ende klar mit 63:77.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Es muss schon etwas Besonderes passiert sein, wenn das Basketballteam von Alba Berlin von seinen Fans nach einer Niederlage mit 14 Punkten Unterschied mit Beifall verabschiedet wird. Doch die Anhänger honorierten am Donnerstag, dass ihre Mannschaft beim 63:77 (34:38) gegen Real Madrid nie aufgegeben hatte. Erst gegen Ende setzten sich die favorisierten Spanier zum Auftakt im Top 16 der Europaliga durch.

„Sicherlich sind wir enttäuscht, aber das war auch eine der besten Mannschaften in Europa“, meinte Alba-Spielmacher DaShaun Wood. „Die bestrafen eben jeden Fehler“, ergänzte sein Kollege Sven Schultze. „Man hat gesehen, dass Real halt doch eine Klasse besser ist.“ Berlins Cheftrainer Sasa Obradovic war „nicht unzufrieden, wie wir über weite Phasen gespielt haben“. Aber wenn man gegen Real gewinnen wolle, „musst du ein perfektes Spiel hinlegen.“ Was den Berlinern nicht gelang.

Die erste negative Nachricht hatte es für Alba schon vor Beginn gegeben: Nihad Djedovic musste passen. Der 22-Jährige leidet unter einer Achillessehnenentzündung. Zuletzt war er ganz geschont oder nur dosiert eingesetzt worden, aber da die Probleme nicht kleiner wurden, wollte man kein Risiko eingehen.

Die Verletzungsprobleme bei Alba reißen also nicht ab. Wieder eine Option weniger, gegen Real verblieben neben drei Nachwuchskräften nur noch neun Profis, während bei Madrid zwölf hochkarätige Spieler im Kader standen. Und wenig hilfreich war es für Alba dazu, dass Deon Thompson wegen Magenproblemen nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war. Der US-Amerikaner, normalerweise verlässlich Albas bester Werfer, kam nur auf vier Punkte.

Doch trotz aller Rückschläge hatte sich das Berliner Team vorgenommen, mit Leidenschaft und ohne Angst gegen den hohen Favoriten zu attackieren. Aber am Anfang ging fast gar nichts. „Wir hatten viel zu viel Respekt“, meinte Albas Geschäftsführer Marco Baldi.

Die 11.988 Fans in der O2 World befürchteten nach sechs Minuten schon das Schlimmste. Die Berliner machten Fehler, Real punktete eiskalt, Alba nahm eine Auszeit, kurz danach hatte Obradovic bereits seinen ersten lautstarken Wutanfall – es stand 6:17.

Aber langsam erwachte die Leidenschaft bei Alba. Obwohl die Berliner immer wieder Ballverluste hatten (neun bis zum Wechsel, insgesamt waren es 20), kamen sie langsam heran. Schultze brachte nach seiner Einwechslung Energie aufs Feld, der sich langsam besser einpassende Je'Kel Foster (10), Derrick Byars und Albert Miralles punkteten.

Einzige Führung durch Schaffartzik

Der Spanier kam als Albas Topscorer auf 14 Punkte, er schien gegen seine Landsleute besonders motiviert zu sein. Alle Berliner wirkten jetzt auf einmal mutiger, selbstbewusster. Den Gästen wurde es nun schwerer gemacht. Einzig Jaycee Carroll (13), der Mormone im Team von Real, war in dieser Phase nicht zu bremsen.

Bereits zu einem frühen Zeitpunkt waren einige Albaprofis mit Fouls belastet, auch weil die kleinlichen Schiedsrichter einige umstrittene Fouls gegen sie pfiffen. Die Berliner mussten in etlichen Situationen die Erfahrung machen, dass ein Topteam wie Real einen kleinen Bonus hat.

Schnell hatten auch die Zuschauer ihre anfängliche Schockstarre überwunden. Ein Jubelschrei ging durch die Arena, als Alba nach 18 Minuten durch einen Dreier von Heiko Schaffartzik erstmals in Führung ging (34:33). Bei einem Vier-Zähler-Rückstand (34:38) zur Pause war noch alles drin für die Berliner.

Aber schnell schlug die Hoffnung wieder in kurzzeitige Tristesse auf den Rängen um: Während Alba schläfrig aus der 15-minütigen Unterbrechung kam, waren die Spanier gleich hellwach da. „Die kamen total heiß aus der Kabine“, stellte Albas Flügelspieler Zach Morley frustriert fest. „Und wir haben unsere Linie verloren.“

Mit unglaublicher Leichtigkeit trafen zum Beispiel Sergio Llull (15) und Real-Star Rudy Fernandez (13) mit Dreiern – nach drei Minuten im dritten Viertel hieß es 37:50. Alba musste dem Starensemble aus Madrid wieder hinterher rennen, kam auf 49:55 heran (26.), aber Real konterte mit Llull sofort (49:60). Der spanische Spielmacher war nach einer umstrittenen Aktion gegen Schaffartzik zum Buhmann der Albafans geworden. Alba, bei Rebounds stark (31:29), ließ den Kopf trotzdem nicht hängen. Zehn Minuten vor Schluss hieß es 54:60.

Woods Dreier zum 57:60 eröffnete das Schlussviertel. Tapfer stemmte sich Alba gegen die drohende Niederlage, aber mit den Kräften schwand auch die Konzentration: Die vielen Berliner Fehler wurden von Real nun konsequent ausgenutzt – 61:72 drei Minuten vor Schluss. Den Rest erledigte Real routiniert.

„Die 14 Punkte am Ende zeigen nicht, wie schwer es für uns wirklich war“, meinte Reals Trainer Pablo Laso. Baldi sagte: „Es hat uns die Kaltschnäuzigkeit gefehlt.“ Mit dem Ende war er nicht zufrieden: „Es ärgert mich, dass wir zum Schluss doch noch so deutlich verloren haben.“ Schultze schaute schon nach vorn, am Sonntag muss Alba bereits wieder in Bayreuth antreten. „Wir können nicht rumweinen, es geht gleich weiter. Wir spielen wie am Fließband.“