Basketball

Warum Foster bei Alba noch wie ein Fremder wirkt

Die Berliner haben Schwierigkeiten, den neuen Spieler zu integrieren. Je'Kel Foster hingegen fühlt sich wohl bei Alba - und will aufholen.

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Um eines gleich mal vorweg zu klären: Wenn die Baskets Oldenburg so spielen wie am Freitagabend in der O2 World, dann können sie jeden Kontrahenten in der Basketball-Bundesliga bezwingen, nicht nur Alba Berlin. Beide Trainer waren sich folglich einig nach dem 89:81 für die Gäste.

„Oldenburg hat den Sieg verdient“, sagte Alba-Coach Sasa Obradovic ohne Umschweife, und sein Kollege Sebastian Machowski ergänzte: „Wir haben einen tollen Tag erwischt.“

14 von 23 Dreipunktewürfen verwandelt – eine solche Quote von 61 Prozent ist nicht normal; vor ihrem Gastspiel in der Hauptstadt lag sie auch bei den Niedersachsen nur bei rund 35 Prozent. Dazu hat Machowski eine gute Mannschaft beisammen, eine funktionierende Rotation aus zehn Spielern, darunter vier Deutsche, die sich im Saisonverlauf immer besser aufeinander eingestellt haben. Das hat er seinem Kollegen in Berlin gerade voraus.

Nur fünf Tage zuvor hatte Alba gegen Meister Bamberg noch seine Klasse bewiesen, geradezu demonstriert. Anschließend kam mit Je'Kel Foster ein weiterer hochkarätiger Spieler hinzu, über dessen Qualitäten keine Zweifel bestehen. Und trotzdem liegt da die Krux. Mit dem Amerikaner sollten die Berliner noch stärker werden. Und sie sind vorerst doch schwächer, weil Foster wie ein Fremder im Team wirkt.

Aufgebaute Taktik beginnt zu wackeln

„Wir sind gerade wieder in einer schwierigen Phase, wo ein neuer Spieler integriert werden und sich unsere Teamchemie neu finden muss. Dafür brauchen wir Zeit und Geduld“, sagt Obradovic. Der 29-Jährige kennt die Spielzüge Albas noch gar nicht, zum Einstudieren im Training bleibt bei den vielen Spielen ja kaum Gelegenheit. Das mühsam aufgebaute taktische Gerüst gerät ins Wanken.

„Wir haben heute nicht so gut als Team gespielt“, kritisierte Obradovic, „es gab zu viele Dribblings im Angriff.“ Er sah auch taktische Fehler in der Defensive. Kaum anzunehmen, dass sich das so schnell ändern wird und schon heute bei den bekannt aggressiv zu Werke gehenden Würzburg Baskets das Zusammenspiel leichter fällt.

Wer dort aufläuft, ist noch offen, der Trainer entscheidet „von Spiel zu Spiel“. Vielleicht wird diesmal nicht der gegen Oldenburg pausierende Nihad Djedovic, sondern wieder ein anderer zuschauen.

Das klingt ein bisschen wahnsinnig, aber da Obradovic momentan sieben gesunde ausländische Spieler hat, in der Bundesliga jedoch nur sechs einsetzen kann, bleibt ihm kaum etwas anderes übrig. Denn er braucht für den Marathon durch Bundes- und Europaliga alle. Und alle müssen miteinander harmonieren.

Alba nicht mehr sexy genug für deutsche Spieler?

International gibt es ja keine Ausländerbegrenzung – Alba könnte dort auch mit zwölf Amerikanern antreten. Mit zwölf Deutschen natürlich auch.

Das steht nicht bevor. Gerade hier liegt ein großes Berliner Manko. Heiko Schaffartzik und Yassin Idbihi sind Leistungsträger, aber sie sind derzeit die einzigen einheimischen Spieler, auf die Obradovic setzt. Alle Versuche, weitere zu verpflichten, schlugen fehl. Alba, einst großes Aushängeschild auf diesem Gebiet, scheint für deutsche Spieler nicht mehr sexy zu sein.

Vor der Saison winkten Nationalspieler Maik Zirbes sowie die talentierten Daniel Theis und Paul Zipser ab. Bayern München verbot Philipp Schwethelm den Wechsel. Später hatte Nationalspieler Tim Ohlbrecht keine Lust auf Berlin. „Daran“, ist zumindest Sasa Obradovic klar, „müssen wir arbeiten, damit das in der nächsten Saison nicht wieder passiert.“

Zunächst aber soll diese Spielzeit ein Erfolg werden, und ob das gelingt, hängt ja nicht von einem Spiel gegen Oldenburg ab. Je'Kel Foster jedenfalls sagte, er fühle sich gut aufgenommen in seiner neuen Mannschaft, er fühle sich wohl. Und bis zum Play-off im Mai wird er die Alba-Taktik längst verinnerlicht haben.