Basketball

Wie Alba Berlin seine Erfolge in der Euroleague erlebt

In den letzten Jahren war Alba bereits in der Qualifikation der Euroleague gescheitert. Jetzt sind die Top 16 zum Greifen nah.

Foto: PHILIPPE MERLE / AFP

Die letzten zwei Sekunden des Spiels zogen sich quälende Minuten lang hin. Die beiden italienischen und der ukrainische Schiedsrichter waren uneins, ob soeben ein Akteur von Alba Berlin oder einer des französischen Meisters Elan Chalon den Ball ins Aus bugsiert hatte. Zum Glück gibt es in der Basketball-Europaliga einen Videobeweis, das „Instant Replay“, mit dem in strittigen Situationen gegen Ende der Partie TV-Bilder zu Rate gezogen werden dürfen. Die Entscheidung fiel pro Berlin: Einwurf Alba. So wurde aus einer 85:82-Führung ein 87:82-Sieg, der dritte im siebten Spiel der Vorrundengruppe B. „Wir sind noch nicht in den Top 16, aber das war ein großer Schritt dorthin“, sagt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi erleichtert.

Mehr als das, es war auch eine Form der Belohnung an sich selbst. Dreimal in Folge war die Mannschaft zuvor in solch engen Spielen im letzten Moment abgefangen worden, in Malaga (62:67), gegen Tel Aviv (76:78) und gegen Siena (73:75). Immer war das Team von Trainer Sasa Obradovic auf Augenhöhe gewesen, hatte selbst die Siegchance gehabt, sie jedoch vergeben. So etwas kann auch zu tiefem Frust führen.

Nicht bei dieser Alba-Mannschaft: kein Klagen, kein Hadern mit dem Glück der anderen, kein Verzagen vor der nächsten Aufgabe. „Die kochen auch alle nur mit Wasser“, analysiert Center Yassin Idbihi trocken, mit 29 Jahren erstmals in Europas höchster Liga unterwegs. In Chalon war er mit 16 Punkten bester Werfer bei den Gästen. Respekt ja – aber nicht zu viel davon, ist sein Credo.

Auf Rang 18 im Uleb-Ranking

Nun sind solche Formulierungen nicht unüblich im Sport, aber in dieser Saison lassen Idbihi und Co. ihnen Taten folgen, halten verblüffend gut mit. „Wir spielen eine ziemlich gute Euroleague, aber wir haben auch eine relativ einfache Gruppe erwischt“, sagt Idbihi. Leicht? Nun ja. Mit ihrem Erfolg bringen sie jedenfalls nebenbei jene zum Schweigen, die sich über die Euroleague-Wildcard für Alba amüsiert hatten. Drei Jahre in Folge war der Klub in der Qualifikation vergebens angerannt, was also sollten die Berliner dort im ernsthaften Wettkampf mit der Elite des Kontinents, hieß es?

Dabei wurde gern übersehen, dass Alba in Europa nicht nur wegen seiner professionellen Struktur und seiner hohen Zuschauerzahlen einen guten Ruf hat. Im Drei-Jahres-Ranking des Dachverbandes Uleb belegt es derzeit Rang 18 – nach Platz 13 im vergangenen Jahr. Und in der Europaliga sind 24 Teams vertreten. Sie passen da schon hinein.

Nur mitspielen ist ihnen nicht mehr genug. „Was wir wollen, ist: gewinnen und weiterkommen“, erklärt Spielmacher Heiko Schaffartzik. Bisher sieht es aus, als sollte der Plan aufgehen. Am Donnerstag (19 Uhr, O 2 World) kann der Einzug in die Top 16 gesichert werden, mit einem Sieg über Prokom Gdynia. „Das Gute an unserer Situation ist, dass wir nicht rechts oder links schauen müssen, wir haben es selbst in der Hand“, freut sich Baldi, „jetzt kommt ein absolutes Schlüsselspiel. Das müssen wir gewinnen.“

Die Chance in Chalon wurde genutzt, jetzt, erzählt der Geschäftsführer, sei natürlich „eine Grundaufregung da, eine Ausrichtung auf die Euroleague“. Gleichzeitig müsse die Mannschaft bei aller Euphorie den Fokus und die Konzentration aber auch auf die Bundesliga richten, und da wartet am Sonntag der Tabellenfünfte Eisbären Bremerhaven auf Alba. Sich wie in seligen Zeiten einmal in der heimischen Liga warmspielen für die kontinentalen Ziele, das ist vorbei, dafür ist die nationale Konkurrenz längst zu stark.

Und doch gehen die Blicke schon ein paar Tage voraus. „Wir sind im Rennen um die Top 16“, sagt Schaffartzik, „das ist ganz gut. Aber du kannst noch so nah dran sein am Sieg oder am Weiterkommen – wenn du trotzdem nicht gewinnst oder weiterkommst, ist alles umsonst gewesen.“ Kollege Idbihi fügt an: „Es fühlt sich gerade super an. Aber noch haben wir gar nichts erreicht.“ Ein kleines bisschen schon: Alba Berlin ist auf gutem Wege, wieder eine Top-Adresse in der Euroleague zu werden.