Es war ein Basketball-Nachmittag, wie er sich schöner nicht denken lässt. Bevor es gegen Phoenix Hagen ging, war ja noch der Auswärtssieg in der Euroleague vom Freitag in Siena zu beklatschen. Was die 9346 Zuschauer dann auch ausgiebig taten, als Albas Basketball-Team auf das Parkett der O2 World lief.
Danach durfte dann durchgängig weiter applaudiert werden, denn die Mannschaft von Sasa Obradovic zerlegte das von vielen gefürchtete „Renn-los-und-baller-drauf“-Spiel der Gäste nach allen Regeln der Kunst, schlugen sie 109:67 (62:36). „Es war hart, aber unsere Mannschaft hat Charakter gezeigt“, freute sich Kapitän Sven Schultze, „wir haben einfach nie aufgehört und Hagen keine Chance gelassen. Genauso muss es sein.“
Die Feuervögel aus Hagen wirkten nach ganz passablem Start, in dem beide Teams die Führung tauschten, verhältnismäßig überrascht, als ihnen das Spiel dann aus den Händen genommen wurde. Was eigentlich nicht hätte sein dürfen. „Mit Obradovic habe ich zwei Jahre zusammengespielt. Er mag nun wirklich keine Niederlagen“, hatte Hagens Coach Ingo Freyer seine Mannschaft eingestimmt, der an der Seite seines Berliner Gegenübers 1995 mit Alba den Korac Cup gewonnen hatte.
Sie solle sich „auf hohes Tempo und viel Aggressivität“ einstellen. Dazu, dass es genau so kam, dürfte der Angesprochene wohl nicht allzu viel beigetragen haben. Vielleicht hatte er vor dem Spiel kurz erwähnt, wie schlecht ein Auswärtssieg in Siena, bei einem der besten Teams Europas, mit einer Heimniederlage gegen Hagen zusammen passen würde.
Zugang Randle auf der Tribüne
Obradovic hatte jedenfalls Zeit, sich vor dem Spiel ausgiebig mit seinem neuen Forward Brian Randle zu unterhalten. Der war erst am Dienstag als Ersatz für Nathan Peavy aus den USA gekommen und hatte bereits am Freitag in Siena knapp zehn Minuten gespielt. Gestern allerdings erschien er in Zivil, weil er das erlaubte Ausländer-Kontingent von sechs Spielern gesprengt hätte.
Randle dürfte von der Vorstellung seiner Kollegen genau so begeistert gewesen wie die beiden deutschen Fußball-Nationalspieler Patrick Höwedes und Per Mertesacker, die Alba mit ihrem Besuch überrascht hatten. Letzterer hatte ja noch am Freitag in Dublin die Iren das Fürchten gelehrt. „Wir sind allgemein sportbegeistert und haben heute einen freien Nachmittag. Wir haben im Radio gehört, dass die Eisbären und die Füchse auswärts spielen und gehofft, das Alba ein Heimspiel hat. Dann sind wir zur Halle gefahren, haben uns Karten und gleich auch die neuen Trikots gekauft“, erzählte Mertesacker.
„Ich war schon öfter beim Basketball und wollte auch mal die O2 World sehen. Wir spielen ja bei der Nationalmannschaft ab und an Basketball, und es ist schön zu sehen, dass da auch noch ein bisschen mehr geht als das, was wir da so fabrizieren.“ Die beiden Defensivspezialisten vom grünen Rasen sahen, wie Alba nach vier Minuten (7:8) Freyers Mannschaft mit extrem bissiger Verteidigung mehr und mehr die Freude an ihrem Spiel nahm. Nach 14:8 (5.) hieß es 20:10 (7.) und nach dem ersten Viertel 34:14.
Obradovic wechselt viel durch
Obradovic hatte früh begonnen, auf allen Positionen durchzuwechseln, denn allzu viel Schlaf und Zeit zur Regeneration hatten seine Spieler nach dem Siena-Spiel nicht. Es blieb in den nächsten Minuten mit kleinen Abweichungen bei 20 Punkten Vorsprung, erst kurz vor der Halbzeit zogen die Berliner durch Albas erste Dreier von Zach Morley und DaShaun Wood auf 62:36 davon. Auch Mertesacker und Höwedes ahnten, dass es Albas ersten Hunderter unter Obradovic geben würde. Ob es klappt, wann es so weit sein wird und wer den 100. Punkt machen wird, das waren bereits nach der Hälfte der Partie die einzig verbliebenen offenen Fragen.
Im dritten Viertel blieb Alba auf Hunderter-Kurs, führte durch Deon Thompson 72:40 (25.). Heiko Schaffartzik legte mit fünf Punkten in Folge nach (82:48/30.). Dann aber ließ die Effektivität der Gastgeber unter des Gegners Korb etwas nach. Als die Fans auf den Stehplätzen „Wir wollen die Hundert sehen“, anstimmten, fehlten noch immer neun Punkte (91:56/36.). Es war Schaffartzik, der sich dann der Sache annahm: Seinen ersten Dreier traf er zum 98:58, den zweiten schickte er gleich danach zum 101:61 hinterher. Ihn wird es jetzt also treffen, sein Team nach dem Training in der Kabine mit Süßem zu verköstigen. Nachdem die letzte Frage beantwortet war, trafen noch Sven Schultze und Albert Miralles zum 109:67.
„Es macht uns zurzeit ganz einfach Spaß zu spielen, egal, wer mit wem und wie viel wir geschlafen haben“, sagte Schaffartzik, der mit 19 Punkten vor Nihad Djedovic und Yassin Idbihi (je 17), Deon Thompson (14) und Wood (11) bester Berliner Werfer war. Phoenix-Coach Freyer fand Albas Auftritt gegen Siena und jetzt auch gegen sein Team „ganz, ganz stark. Natürlich hatten wir uns etwas vorgenommen, aber Alba war nie nachlässig. Wir hatten keine Chance.“

