Basketball

Alba bekommt Lob nach Spiel gegen Nowitzkis Team

Auf die Kür gegen Dallas folgt die Pflicht in Siena. Nach dem starken Auftritt der Berliner gegen die Mavs wartet jetzt die Europaliga.

Foto: Joern Pollex / Bongarts/Getty Images

Ob Sasa Obradovic nicht vielleicht doch ganz froh war, dass es gegen die Dallas Mavericks nicht zum Sieg reichte, werden wir wohl nie erfahren. Dagegen spräche, dass Albas Coach ja bekanntermaßen einer ist, der immer und alles gewinnen will.

Sein Leben in den kommenden Tagen macht es aber erheblich leichter, dass sich sein Team zwar mehr als beachtlich gegen die NBA-Stars um Superstar Dirk Nowitzki geschlagen hat, dann aber doch in den letzten Sekunden mit 84:89 verlor.

Denn ansonsten wären nicht wenige dem Irrtum verfallen, dass für eine Mannschaft, die die „Mavs“ schlägt, der Gewinn der Deutschen Meisterschaft, des Pokals und selbst der Euroleague nur noch reine Formsache ist.

Auch nach der knappen Niederlage war die Flut an Komplimenten üppig genug – und zwar von kompetentester Stelle. „Das war ein hartumkämpftes Spiel, und das lag an der Art und Weise, wie Alba gegen uns gespielt hat“, sagte Mavericks-Coach Rick Carlisle.

„Auch, wenn wir gewinnen konnten, haben unsere Gegner viel mehr das Spiel gespielt, das sie spielen wollten als wir. Dafür verdienen die Spieler und Coaches jeden erdenklichen Respekt. Die Mannschaft ist sehr gut gecoacht, die Spieler kämpfen und sind mental hart. Ich war sehr beeindruckt.“

„Darauf können wir stolz sein“

Carlisle beklagte, dass seine Mannschaft 27 Mal den Ball verloren hatte, „und auch das hatte natürlich damit zu tun, wie Alba gespielt hat“. Mit einer solchen Statistik ließe sich natürlich, wenn die Saison in der NBA Ende des Monats startet, nichts erreichen, Carlisles Fazit der 48 Minuten: „Es gibt noch viel zu tun.“

In der Nachbetrachtung Obradovics stand zuerst das „Vergnügen“ im Vordergrund, sich mit solch einem Topteam – gespickt mit Spielern der obersten Kategorie – messen zu dürfen. Aber dann war er doch „froh, dass wir von Anfang bis Ende Charakter gezeigt und das Spiel bis zum Schluss offen gehalten haben“.

Sein Team habe auch über weite Strecken den Rhythmus vorgegeben, „aber man darf sich jetzt kein falsches Bild machen, weder von uns noch von den Mavericks. Unsere Saison hat schon begonnen, ihre nicht, wir müssen jetzt auf dem Boden bleiben.“ Er wolle zwar einerseits „keine arroganten Spieler im Team“, versuchte Albas Coach eine Art Gratwanderung, aber sie sollten sich schon alle bewusst sein, dass sie ein NBA-Team am Rande einer Niederlage hatten: „Darauf können wir stolz sein.“

Jetlag noch in den Knochen

Obradovic wäre sicherlich froh, wenn sein Team am Freitag (20.45 Uhr) zum Auftakt der Euroleague bei Montepaschi Siena erneut all die Tugenden zeigen würde, die Carlisle nicht müde wurde zu loben. Zumal der italienische Meister der letzten sechs Jahre derzeit nicht gerade vergleichbare Erfolgerlebnisse verbuchen kann.

Wie auch Real Madrid machen die Italiener gerade den europäischen Gegenbesuch in den USA. Bei den San Antonio gab es ein deftiges 77:106, am heutigen Montag spielt Siena – übrigens mit Ex-Alba-Spielmacher Bobby Brown – noch bei den Cleveland Cavaliers. Auch wenn es bei den „Cavs“ für Siena besser läuft, der Jetlag der Rückreise dürfte Albas erstem Europaliga-Gegner am Freitag noch in den Knochen stecken.

Wie schon zum Bundesliga-Auftakt war bei Alba auch gegen die NBA-Millionäre offensichtlich, dass die Last des Erfolges nicht nur auf ein paar Schultern ruht. Wieder machten mit Deon Thompson (20), Nihad Djedovic (13), Vule Avdalovic (13) und Yassin Idbihi (12) vier Spieler mehr als zehn Punkte. Und wenn einer wie Thompson, als Power Forward direkter Gegenspieler Nowitzkis, fast ein Viertel aller Punkte macht, fragt man sich unwillkürlich, ob der nicht auch in der NBA zurechtkommen würde.

Thompson bleibt in Berlin

„Also, unser Flugzeug ist voll, wir haben 15 Spieler im Kader, und mehr sind nicht erlaubt“, flachste Nowitzki. „Aber er ist ein guter Mann, sehr aktiv und hat ein paar Offensivrebounds geholt, aber da haben wir auch Schwächen gezeigt, sonst hätten wir das Spiel einfacher gewinnen können. Ich fand aber auch den Fünfer (Vule Avdalovic/ d.R.) ganz gut, der hat gleich am Anfang gut getroffen, und den Vierzehner (Nihad Djedovic) und den mit der Glatze (Zach Morley). Ich glaube, Alba hat echt gute Leute, die werden schon solide in der Bundesliga oben mitspielen.“

Und vielleicht nicht nur da, mit Auftritten wie gegen die Mavericks sollte auch in Europa etwas drin sein.