Basketball

Für Wendell Alexis bleibt die Zeit bei Alba unvergessen

Im Interview spricht Albas ehemaliger Star über seine Erinnerungen an Berlin, die Ehrung durch den Klub und sein Leben heute.

Foto: picture-alliance / dpa

Ob am Sonnabend in der O2 World „Das gibt's nur einmal, das kommt nie wieder…“ gespielt wird, ist nicht bekannt. Es würde passen, wenn das Trikot von Wendell Alexis für alle Zeiten unter das Dach gezogen und damit seine Nummer 12 beim Basketballklub Alba Berlin nie wieder vergeben wird. Der „Iceman“ spielte sechs Jahre in Berlin, machte in 341 Spielen 5922 Punkte, wurde in jedem Jahr Meister und dreimal Pokalsieger. „Wendell war durch seine Klasse auf dem Parkett, seinen Willen und seine einzigartige Souveränität ein Garant hierfür“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi, der seinen ehemaligen Superstar mit mittlerweile leicht grauen Schläfen am Sonnabend beim Saisoneröffnungsspiel gegen Bayern München (18 Uhr) „gebührend“ ehren wird.

Morgenpost Online: Mister Alexis, kommt die Einladung zehn Jahre nach Ihrem letzten Spiel für Alba für Sie überraschend?

Wendell Alexis (48): Nein. Wir haben darüber schon geredet, als ich vergangenes Jahr zu Albas 20-jährigem Jubiläum in Berlin war. Aber wir hatten unsere Termine nicht unter einen Hut bekommen, sind aber in Kontakt geblieben und jetzt ist es soweit. Es sind schon ein paar Jahre vergangen, aber Gutes braucht oft seine Zeit.

Morgenpost Online: Was bedeutet es Ihnen, dass Ihre Nummer 12 nicht mehr vergeben und Ihr Trikot zusammen mit dem von Henrik Rödl unter dem Dach hängen wird?

Alexis: Sehr viel, weil es eine Ehre ist, die nicht vielen zuteil wird. Ich freue mich sehr, weil ich denke, dass es eine Anerkennung für das ist, was ich in Berlin geleistet habe.

Morgenpost Online: Haben Sie noch Dinge im Haus, die Sie an die Berliner Zeit erinnern?

Alexis: Natürlich, jede Menge. Meisterschafts- und Bierkrüge, Trikots und den Ball, mit dem ich meinen 5000. Punkt für Alba erzielt habe.

Morgenpost Online: Gibt es einen lustigen Moment, den Sie aus Ihrer Alba-Zeit besonders in Erinnerung haben?

Alexis: Na, da war zum Beispiel unser Spiel bei Paris St. Germain. Während wir uns warm machten, spielte genau neben Coach Pesic so eine Art Ein-Mann-Band. Mit Trommel auf dem Rücken und dem ganzen Programm. Wer den Coach kennt, kann sich vorstellen, wie sich dessen Miene von Sekunde von Sekunde verfinsterte. Aber er sagte noch nichts. Erst als der Typ dann auch noch am Ende des Songs ein kleines Werk mit Konfetti abfackelte, ging Pesic in die Luft und überschüttete ihn mit den üblichen jugoslawischen Schimpfwörtern. Der Mann war dann von einem Moment auf den anderen weg.

Morgenpost Online: Haben Sie noch zu einigen ehemaligen Mitspielern Kontakt?

Alexis: Ich rede mit Henrik Rödl ab und zu, halte zu Stephen Arigbabu Kontakt und jetzt auch wieder zu Jörg Lütcke, nachdem wir uns beim 20. Jubiläum getroffen hatten. Ich weiß natürlich auch, dass Sasa Obradovic, mit dem ich meine erste Saison zusammen gespielt habe, jetzt Albas Headcoach ist.

Morgenpost Online: Arbeiten Sie auch noch als Coach?

Alexis: Ja, aber eigentlich nur noch beim Team meines jüngsten Sohnes Julian.

Morgenpost Online: Wie alt und wie groß sind Ihre Söhne jetzt? Ist ein Iceman junior im Kommen?

Alexis: Schon möglich, Anell ist jetzt 22 Jahre und 1,98 Meter groß, Davide ist 19 und 1,91 Meter, Julian ist 16 und misst 1,83 Meter. Anell studiert und spielt schon zwei Jahre am Marist College, auch Julian spielt Basketball. Davide hat die große Liebe zu den Pferden, die er in Berlin entdeckt hat, behalten. Er ist Springreiter, nimmt an Wettbewerben teil, verfolgt die Szene ganz genau und kennt die deutsche Equipe in- und auswendig.

Morgenpost Online: Wenn Sie nicht mehr als Coach arbeiten – was machen Sie?

Alexis: Ich bin Manager in einem Krankenhaus, eine Art Schnittstelle zwischen Bundesbehörden und regionalen Instanzen. Ich helfe, Projekte zu organisieren, wir klären beispielsweise über Bluthochdruck auf, gesunde Ernährung und vieles andere.

Morgenpost Online: Wie kam es dazu? Warum arbeiten Sie nicht mehr als Trainer?

Alexis: In den Gesundheitsbereich bin ich durch Kontakte gekommen, die ich außerhalb des Basketballs hatte. Als Coach haben sich mir nicht allzu viele passende Möglichkeiten geboten.

Morgenpost Online: Spielen Sie noch Basketball?

Alexis: Ja, ich spiele mit Derrick Phelps in einer Nachbarschafts-Liga, in der ehemalige Professionals und auch Europäer spielen und dann spiele ich auch noch für ein Team aus Bronx in einer Ü-35-Liga. Die eine Liga spielt sonnabends, die andere sonntags.

Morgenpost Online: Und wie oft trainieren Sie?

Alexis: Gar nicht. Das ist das Beste daran. Die Zeiten, in denen ich durch den Grunewald gelaufen bin, sind vorbei.

Morgenpost Online: Wann kommen Sie nach Berlin?

Alexis: Julian, meine Frau Nixia und ich kommen am Freitagmorgen und fliegen am Sonntagmorgen wieder nach Hause.

Morgenpost Online: Sie bleiben nur 48 Stunden?

Alexis: Ja, Julian muss am Montag zur Schule, meine Frau und ich müssen arbeiten. Davide wäre auch gern mitgekommen, aber das ging leider nicht und Anell studiert in New York.