Basketball-Play-off

Alba-Manager Baldi will nicht alles zur Disposition stellen

Durch ein 60:66 in Würzburg ist Alba Berlin im Play-off-Viertelfinale ausgeschieden. Marco Baldi erklärt, wie es nun weitergeht.

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Es brauchte nicht viel, um Albas Selbstvertrauen nach einer tadellosen ersten Halbzeit am Dienstag in Würzburg zu erschüttern. In der allerersten Aktion nach der Pause erzwang DaShaun Wood zwei Freiwürfe, in den Aktionen zwei und drei warf er sie daneben. Der, der vorangehen soll, der Kapitän und beste offensive Spieler der Liga, leitete den Sturzflug ein, der mit einer Bruchlandung endete. Alba schied im Meisterschafts-Viertelfinale gegen den Aufsteiger aus. Geschäftsführer Baldi verfolgte die immer gewisser werdende Blamage mit versteinerter Miene. Im Würzburger Jubel sagte er. „Was wir haben, ist jetzt ein Haufen Sch…., wir müssen sehen, was wir daraus machen.“ Für eine Analyse jedoch sei es zu früh, man müsse „erst mal eine Nacht drüber schlafen“.

Morgenpost Online: Wie haben Sie geschlafen?

Marco Baldi (50): In der ersten Nacht gar nicht, in der zweiten so einigermaßen.

Morgenpost Online: Hat die Analyse begonnen?

Marco Baldi: Wir haben einen Fahrplan festgelegt. Zu Beginn werden wir den sportlichen Teil aufarbeiten, mit dem Trainer und auch Mithat Demirel, auf der nächsten Ebene werden wir uns darum kümmern, was das für den Klub bedeutet, auch wirtschaftlich. Ich glaube, dass man die Analyse jetzt auch nicht mit den ersten frischen Emotionen angehen soll und nicht versucht, die Saison hektisch abzuschließen.

Morgenpost Online: Steht jetzt alles zur Disposition? Auch der Trainer?

Marco Baldi: Den Coach und auch das Management zu hinterfragen, sind übliche Reflexe. Dabei kommt mir aber die Mannschaft zu kurz. Wir haben in gesunder Selbsteinschätzung und in dem Wissen, wie sich die Liga entwickelt hat, gesagt, dass wir uns nicht als Meisterschaftsfavoriten sehen. Wir hatten, glaube ich, eine homogene Gruppe, die dann gesagt hat, wir wollen die Titel und das ehrt sie auch. Aber es kommt jetzt schon die Frage auf, was den Ankündigungen dann an Bereitschaft folgte und ob man diesem Ziel dann alles unterordnete. Und da werden wir jetzt ganz genau hinschauen, wer seinen selbstformulierten Erwartungen auch gerecht wurde.

Morgenpost Online: DaShaun Wood spielte letzte Saison für Frankfurt gegen Alba ein Riesen-Play-off, Torin Francis glänzte im Europacup gegen Ihr Team. Beide machten nun zusammen mit Kyle Weaver im entscheidenden Spiel in Würzburg zusammen 13 Punkte. Ist es leichter, gegen als für Alba zu spielen? Ist der Druck so groß?

Marco Baldi: Es scheint, als würden sich gewisse Dinge ändern, wenn man in Berlin aufläuft, es für Spieler, die vorher eine gewisse Unbeugsamkeit nachgewiesen haben, unter einer Erwartungshaltung schwieriger wird. Das ist ein Punkt, den wir uns ganz genau ansehen werden. Da geht es aber um Charaktere, die sich ja eigentlich nicht so einfach verändern. Das Phänomen festzustellen ist eines, die Frage aber ist: Wie reagieren wir darauf?

Morgenpost Online: Müssen Sie die Kriterien der Spielerauswahl also verändern?

Marco Baldi: Die Antwort auf diese Frage wird Zeit brauchen. An der werden alle beteiligt sein, die Tag für Tag mit der Mannschaft zusammen waren. Wir müssen alle Informationen bündeln und zusammentragen.

Morgenpost Online: Ihr ehemaliger Coach, Bundestrainer Svetislav Pesic glaubt, Ihrer Mannschaft habe es an „Teamspirit“ gefehlt.

Marco Baldi: Wenn man mit leeren Händen dasteht, kommen häufig Dinge von außen und ich glaube, dass es schwierig ist, das aus der Ferne zu beurteilen. Ich denke, wir hatten eine homogene Mannschaft, gute Charaktere, die auch eine Verbindung zum Publikum aufgebaut hat. Das geht nur mit Teamgeist, da hat das Publikum ganz feine Sensoren. Aber man muss auch feststellen, dass sie mehrfach nicht die mentale Stärke entwickelte, das Beste aufs Feld zu bringen, wenn’s drauf ankam. Warum das so war, kann ich noch nicht sagen, aber ich hoffe, dass wir eine gute Antwort finden, um in Zukunft darauf zu reagieren.

Morgenpost Online: Sie sind Albas starker Mann. Inwieweit ist es auch Ihr Scheitern?

Marco Baldi: Der große starke Mann ist hier seit dem ersten Tag, seit 22 Jahren, dabei und ist selbstverständlich beteiligt. Ich sage jetzt nicht, wir haben doch eine sportliche Leitung, wir sind ein Ganzes und deswegen trifft mich das alles auch.

Morgenpost Online: Sie sind der Zuschauerkrösus Europas. Warum haben Sie nicht auch den höchsten Etat der Bundesliga und damit die beste Mannschaft?

Marco Baldi: Es wird mit dieser Saison sicherlich schwierig sein, aber wir müssen mit aller Kraft daran arbeiten, dass sich unser Budget mit den höchsten der Liga messen kann. Genau das wird mit den Gesellschaftern, mit Axel Schweitzer und Dieter Hauert, der zweite Teil der Analyse sein. Wir haben in die Jugendarbeit und die Infrastruktur investiert, aber werden darüber reden, wie wir das Budget strukturieren. Ich will nicht sagen, dass jetzt alles zur Disposition steht, aber wir müssen darüber reden. Wir sind, was den Wettbewerb in der Liga angeht, in einer völlig veränderten Landschaft. Das ist positiv. Wir müssen diesen Wettbewerb annehmen, was nicht heißt, dass wir Meister werden müssen. Aber dass wir alles, was im Team steckt, auch umsetzen und das ist das Eigentliche, was in diesem Jahr weh tut, dass uns das nicht gelungen ist. Gerade, wenn man sich die Würzburger Mannschaft anschaut, gegen die wir jetzt ausgeschieden sind, sieht man, dass das Budget zwar wichtig, aber bei weitem nicht alles ist.