Basketball

Alba blamiert sich im Viertelfinale gegen Würzburg

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Theo Breiding

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Alba ist im Play-off um die deutsche Meisterschaft schon im Viertelfinale gescheitert. Die Berliner unterlagen in Würzburg mit 60:66.

Es ist vorbei. Die fünfte Jahreszeit, das Play-off, währte für Alba Berlin keine zwei Wochen. Berlins Basketballteam verlor am Dienstagabend sein letztes Spiel der Saison gegen die s.Oliver Baskets Würzburg mit 60:66 (33:22) und damit die „Best of five“-Serie des Viertelfinales gegen den Aufsteiger mit 1:3. Wieder einmal hatte das Team von Trainer Gordon Herbert nur phasenweise an dem Limit gespielt, das nötig gewesen wäre, um ins Halbfinale einzuziehen. Eine brillante Halbzeit, dann eine vor allem offensiv durchwachsene – und die Saison war vorbei. Durch den Jubel der 3140 Fans in der Würzburger Arena gingen Albas Spieler mit starrem Blick in die Kabine.

Die Berliner starteten, als hätten sie die Zeichen der Zeit verstanden. Nervös? Vielleicht. Gehemmt oder ängstlich? Nein. Alba übernahm das Spiel mit genau der Aggressivität und Konzentration, die das Team in den beiden Niederlagen zuvor so vermissen ließ, und wurde belohnt, führte nach dem ersten Viertel 23:11. Vorerst blieben die Berliner auch weiterhin stabil, führten durch DaShaun Wood 32:18. Mit 33:22 ging es in die Halbzeit. Dann aber spielten die Berliner „nur noch, um nicht zu verlieren“, wie Coach Herbert es nannte, „Würzburg hingegen aggressiver und um zu gewinnen. Ein sehr selbstbewusstes Team hat dann in eigener Halle einen Weg gefunden, um zurückzukommen.“ Womit Albas Saison trotz großen Kampfes beendet war.

Mit dem Ausscheiden im Viertelfinale verfehlte Alba jetzt das dritte und letzte Ziel, dass sich der Klub zum Anfang der Saison gesteckt hatte. Mit einem 63:74 gegen Spirou Charleroi verpassten Berlins Basketballer gleich im zweiten Pflichtspiel die Qualifikation zur Euroleague. Im deutschen Pokal wurden sie Mitte Februar in eigener Halle im Viertelfinale von den Phantoms aus Braunschweig mit 89:95 nach Verlängerung gestoppt. Nach dem Aus im Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft gibt es keine Ziele, die man sich noch stecken könnte. Die Saison ist vorbei, und als Fazit bleibt: Als es um etwas ging, wurde Albas Mannschaft den Erwartungen erneut nicht gerecht.

Spieler wissen keine Antworten

Wirklich stabil hatte sich die Mannschaft nur in den Wochen vor Weihnachten präsentiert, als sie mit neun Siegen in Folge an die Spitze der Bundesliga-Tabelle gestürmt war. Bezeichnenderweise endeten die guten Zeiten nach Niederlagen in Quakenbrück und zu Hause gegen Bonn spätestens am zweiten Tag des neuen Jahres in Würzburg, wo Alba mit 65:84 die höchste Saisonniederlage schlucken musste. Fortan waren zu viele Ballverluste, deutliche Führungen, die verspielt wurden und hier und da auch Schwächen bei den Rebounds Dauerthemen.

Trotz der deutlichen Niederlage im Januar und wahrscheinlich auch, weil später in der O2 World mit 81:73 die Revanche gelang, war das Rollenverständnis zwischen Alba und den Würzburgern zu Beginn dieser Play-off-Serie noch intakt. Europas Zuschauerkrösus aus Berlin, der immer um die Meisterschaft spielt, schlug den Aufsteiger aus Franken, der sich bravourös ins Play-off gekämpft hatte, mit 75:67. Stabilität konnte Alba daraus allerdings nicht generieren, im Gegenteil: Drei Tage darauf wurde Herberts Team in Würzburg abermals an die Wand gespielt, lag nach 32 Minuten bereits mit 25 Punkten zurück und verlor 66:79. „Wir haben sie aufgebaut“, war nicht nur Sportdirektor Mithat Demirel klar, der „den Glauben an die eigenen Stärken“ forderte, mit denen sein Team ja bislang die Mehrzahl aller Spiele gewonnen hatte. Vergebens. Es war der Knackpunkt der Serie. Würzburg, eine Mannschaft, die davon lebt, zu allererst immer das Spiel des Gegners zu zerstören, spielte in Spiel drei, als es darauf ankam, sogar den besseren Basketball. Alba präsentierte sich ängstlich und gehemmt. Die Franken, voller Selbstbewusstsein, spürten, dass die Berliner nicht mehr die unüberwindliche Hürde waren, ihre Erfolgsgeschichte weiter zu schreiben. Sie gewannen in der O2 World 91:84 und erarbeiteten sich den Matchball, den sie am Dienstag nutzten.

„Sie haben in der zweiten Halbzeit getroffen und wir nicht mehr“, sagte Heiko Schaffartzik, mit 16 Punkten Berlins bester Werfer. Die Frage nach dem „Warum? konnte er nicht beantworten. Er wusste nur: „Sie haben uns dreimal in Folge geschlagen.“ Auch Geschäftsführer Marco Baldi wollte nach der Enttäuschung nicht gleich die Ursachen erforschen und über Konsequenzen nachdenken. „Wir werden alles genau analysieren“, sagte Baldi, „und eine Nacht drüber schlafen.“ Vielleicht auch zwei. Der Sommer wird lang.