Ein „idealer Prüfstein“ sei Würzburg, war von Albas Geschäftsführer Marco Baldi und auch Coach Gordon Herbert vor dem Play-off-Start zu hören. Wenn man nicht mit einem „Höchstmaß an Konzentration und Intensität“ in die Spiele gegen den fränkischen Aufsteiger gehen würde, könne Würzburg der letzte Gegner dieser Saison sein. Die einstmals mahnenden Worte taugen nach nicht einmal zwei Wochen fast schon zur Prognose. Alba liegt in der Best-of-five-Serie im Viertelfinale gegen die Würzburger mit 1:2 zurück. Noch eine Niederlage am Dienstag in der Halle des Gegners (19 Uhr) und die Saison wäre für die Berliner beendet.

„Mit Leib und Seele“ wollte Alba in diesem Play-off zu Werke gehen, so zumindest lautet der Slogan des Klubs, und im ersten Spiel konnte die Mannschaft dieser Vorgabe auch noch folgen, als sie mit einem 75:67-Heimsieg in die Serie startete. Der Ausgleich auswärts in Würzburg kam dann nicht unbedingt unerwartet, fiel aber mit 25 Punkten Rückstand nach 32 Minuten und einem 66:79 am Ende doch sehr deutlich aus.

Würzburg hat jetzt Selbstvertrauen

Auch Spiel drei verloren die Berliner, dieses Mal mit 84:91 vor mehr als 10.000 Zuschauern in eigener Halle. Weil genau das eingetreten war, wovor so eindringlich gewarnt worden war. „Wir haben mit der Intensität der Würzburger nicht mithalten können“, musste Herbert nach der erst dritten Heimniederlage der Saison eingestehen. „Sie haben mit viel Selbstvertrauen und sehr gut gespielt. Ihr Wille zum Sieg war größer als unserer.“

Nur warum? Ist Albas Kader unterlegen? Sind die Spieler müde? Wollen sie endlich Urlaub? Kaum vorstellbar für ein Team, das in bislang 52 Pflichtspielen quer durch Europa und die deutschen Lande zahlreiche Krisen durchgestanden hat. Baldi hat eine andere Erklärung für die Niederlage, mit dem sein Team den Würzburgern den ersten Matchball in der Serie zuspielte: Angst. „Es geht nicht, wenn man Angst hat zu verlieren. Das haben wir heute gesehen“, sagte er. Und was dann mit Blick auf das Spiel am Dienstag folgte, ähnelte dem, was schon zuvor zu hören war: „Wir müssen die maximale Opferbereitschaft mitbringen, ohne den Kopf zu verlieren. Nur dann können wir die Serie nach Berlin zurückholen.“

Sollte Alba genau das nicht packen, würde Berlins Basketballteam zum vierten Mal in 22 Jahren das Viertelfinale nicht überstehen. 1993 kam das Aus in der Runde der letzten Acht unter Faruk Kulenovic gegen Ludwigsburg, 2007 unter Henrik Rödl gegen die Artland Dragons (0:3) und 2010 unter Luka Pavicevic gegen die Skyliners Frankfurt (1:3).

Gedankenspiele „Was wäre, wenn …“ lässt Baldi aber mit einem „So weit ist es noch nicht“ gar nicht erst zu. Dass die Mannschaft mit einem Scheitern im Viertelfinale weit hinter den Ansprüchen ihres Klubs zurück bleiben würde, ist ja ohnehin klar. Und, wie es aussieht, macht ihr genau dieses mögliche Szenario auch zu schaffen: Die Angst zu verlieren, eben, wie Baldi vermutet.

„Stehen mit dem Rücken zur Wand“

Würzburg war wegen seiner in der Liga einzigartigen Aggressivität zum „idealen Prüfstein“ ernannt worden. Spätestens seit der Heimniederlage am Sonnabend ist aber auch klar: Der Aufsteiger aus Franken kann, wenn man ihn lässt und „sein Selbstvertrauen aufgebaut hat“ (Baldi) auch Basketball spielen. „Würzburg war defensiv und offensiv besser als wir“, musste Coach Herbert eingestehen.

Dass Alba am Dienstag gewinnt und ein fünftes und entscheidendes Spiel erzwingt, ist trotz des psychologischen Vorteils auf Seiten der Würzburger und deren Heimstärke (15:3 Siege) natürlich möglich. „Positives Denken wird da aber nicht reichen“, sagt Baldi. „Jetzt ist eine ganz tiefe Überzeugung gefragt. Play-off heißt, mit und gegen alle Umstände – und die können schwieriger nicht sein. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand.“