Wie groß der Druck gewesen sein muss, war am besten zu erahnen, als alles vorbei war. Entspannt bedienten sich Albas Spieler nach dem 75:67-Auftaktsieg am Buffet des VIP-Raums und tranken ihre Softdrinks, die meisten sogar mit einem Lächeln. Sie hatten dem doppelten Druck standgehalten, dem, den das knüppelhart zu Werke gehende Team aus Würzburg über 40 Minuten auf sie ausgeübt hatte. Und natürlich dem, der aus Albas Selbstverständnis, immer um die Meisterschaft mitzuspielen, herrührt. Eine Heimniederlage zum Play-off-Start wäre diesem Anspruch wohl kaum gerecht geworden. Ein Malheur, wie es den Bambergern zu Hause gegen Bonn widerfahren ist, konnten Berlins Basketballer also abwenden.
Besonders erfreut darüber war natürlich Geschäftsführer Marco Baldi. Er feierte am Sonntag seinen 50. Geburtstag. Und er ist derjenige, der seit Jahren Albas Spitzenansprüche formuliert.
Die Würzburger, sagt Baldi erleichtert, seien „wirklich ein ganz spezieller Gegner, weil sie verstehen, einem komplett den Rhythmus zu nehmen. Das ist eine Qualität, die Würzburg ganz einfach hat.“ Und wenn man dann spüre, dass sich kein Rhythmus entwickelt und der Gegner noch mit zwei, drei Wahnsinnsaktionen punktet, könne man schon nervös werden. „In diesen Momenten war es wichtig, dass wir nicht großartig etwas verändert haben.“ Die Mannschaft habe die Intensität immer hochgehalten und sei nicht in Einzelaktionen verfallen, was ihr in dieser Saison ja längst nicht in jeder Partie gelungen war. „Da sind wir ein Stück nach vorn gekommen“, sagt Baldi. „Ob das hält, werden wir sehen.“
19 Ballverluste waren zu viel
Baldis Worte sollten nicht so sehr als Misstrauen gegenüber seinen siegreichen Schützlingen verstanden werden. Viel eher als Vorahnung, was sein Team im zweiten Spiel der „Best of five“-Serie am Mittwoch im Fränkischen erwartet. „Ein kleiner Vorgeschmack“, sei Spiel eins in eigener Halle bestenfalls gewesen. Der Kapitän und Spielmacher seines Teams, DaShaun Wood, formulierte es so: „Wer denkt, das sei heute hart gewesen, dem sei gesagt, in Würzburg wird es zehnmal härter.“ Die Halle sei klein, und die Fans stünden lautstark hinter ihrem Team. Eine große mentale Herausforderung sei es, dort zu spielen. Wer da nicht in jeder Sekunde konzentriert ist, kann einpacken. Wie Alba beispielsweise zwei Tage nach Silvester, als die Berliner mit 65:84 die höchste Niederlage der Saison schlucken mussten. „Damals haben sie uns wirklich erwischt“, sagt Wood.
Er glaubt aber, dass sich sein Team seither weiterentwickelt hat. Damals leistete sich Alba gegen die extrem aggressiven Würzburger 19 Ballverluste, beim Heimsieg (81:73) zehn Wochen später waren es noch 15, jetzt im ersten Play-off-Spiel nur noch zehn, obwohl die Würzburger eher noch rustikaler zu Werke gingen. „Sie haben die ganze Saison über jede Partie wie ein Play-off-Spiel gespielt, uns wird nichts großartig Neues erwarten“, erzählt Wood. „Wenn wir uns auch in Würzburg nur zehn Ballverluste leisten, haben wir eine sehr gute Chance, dort zu gewinnen.“





