Rätselhafter Absturz

Alba Berlin muss ein anderes Gesicht zeigen

Die Zeiten, in denen Alba Berlin die Titel nur so zuflogen, sind vorbei. Längst haben die anderen Teams kräftig aufgeholt. Um nicht den Anschluss zu verlieren, muss der Verein komplett anders auftreten, meint Dietmar Wenck. Ein Kommentar.

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Die Basketball-Bundesliga hat jüngst wieder einmal erfreuliche Zahlen veröffentlicht. Ihr Gesamtumsatz ist innerhalb eines Jahres um 15 Prozent auf knapp 70 Millionen Euro gestiegen, das bedeutet eine Verdoppelung seit der Saison 2005/2006. Auch neue Fans gewinnt die BBL. Die Hallen sind bei den Spielen im Durchschnitt zu über 80 Prozent gefüllt, mehr als 4000 Zuschauer ermittelten die Statistiker pro Partie, dies ist ein Plus von gut zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Liga ist in Bewegung, auch weil Bayern München den Basketball für sich entdeckt hat. Andererseits zeigt gerade das Beispiel des reichen Aufsteigers, dass sich ebenso sportlich viel getan hat. Auf die Schnelle gewinnt niemand mehr die Meisterschaft. Vorbei die Dekaden der Seriensieger Bayer Leverkusen und Alba Berlin. Die gewachsene Spannung ist ein Grund, warum Basketball attraktiver geworden ist. Der Meister von 2009, die Baskets Oldenburg, kämpft wie die Bayern um einen Play-off-Platz; der Titelträger von 2004, die Frankfurt Skyliners, hat den Kampf schon fast verloren.

Dieses Schicksal droht Alba noch nicht. Aber so schön es ist, dass die Berliner Zuschauerzahlen Jahr für Jahr Europarekorde bedeuten – im Kernbereich geht die Bewegung in die falsche Richtung. Seinen achten Meistertitel gewann der Verein 2008; im Jahr darauf folgte der sechste Pokalsieg. Seither ging Alba leer aus. Die Mannschaft, die es zu schlagen gilt, lebt in Bamberg. Der Trend ist gefährlich, denn es wird nicht einfacher, an die Spitze zurückzukehren. Die Bayern werden ihre Bemühungen verstärken, auch andere Bundesliga-Standorte wie Ulm, Oldenburg, das Artland oder Braunschweig haben gute Voraussetzungen.

In der mit Topteams gesegneten Sportstadt Berlin haben Verlierer einen schweren Stand, nicht nur beim Publikum, sondern vor allem bei den wenigen potenziellen Sponsoren. Die vergangenen Jahre waren schon finanziell kompliziert für Alba. Wenn die Mannschaft nicht bald ein anderes Gesicht zeigt, wird sich das kaum zum Positiven drehen. Und sportlicher Erfolg noch schwieriger.