Pokal-Viertelfinale

Alba steht am Scheideweg dieser Saison

Für die Mannschaft geht es ums Ganze - und Alba hat Glück: Im Pokal-Viertelfinale gegen Braunschweig spielen die Berliner zu Hause, und Center Idbihi ist wieder fit.

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Heiko Schaffartzik sieht die Ausgangslage einigermaßen dramatisch. Vom „wichtigsten Spiel der Saison“ spricht der Spielmacher von Alba Berlin, von einem Scheideweg, an dem seine Mannschaft stehe. Die Rede ist vom Aufeinandertreffen mit den Phantoms Braunschweig an diesem Mittwochabend (20 Uhr, O2 World), es geht um den Einzug ins Pokal-Top-Four Ende März in Bonn. Die Gastgeber sind automatisch qualifiziert, den Bundesliga-Spitzenteams Baskets Bamberg und Ratiopharm Ulm gelang der Sprung auf sportlichem Weg bereits in der vergangenen Woche. Eine Mannschaft fehlt noch, das Quartett komplett zu machen. Schaffartzik hofft, dass es die Berliner sein werden. „Zu diesem Zeitpunkt stehen wir insgesamt hinter unseren Erwartungen. Wir wollen jetzt mal wieder ein Zwischenziel erreichen, etwas schaffen. Dann würde hier auch etwas Ruhe einkehren.“

Erstmals Glück bei der Auslosung

In den ersten Wochen dieses Jahres war es darum nicht gut bestellt. Kurz vor Weihnachten hatte Alba nach einer Siegesserie die Tabellenspitze erklommen. Seither gab es in 13 Spielen acht Niederlagen; in deren Folge rutschte die Mannschaft von Trainer Gordon Herbert auf Tabellenrang vier in der Bundesliga ab, das Viertelfinale im Eurocup ist unerreichbar geworden. Jetzt noch ein Scheitern im deutschen Cup-Wettbewerb – „das wäre ein weiterer Rückschlag“, sagt auch Sportdirektor Mithat Demirel, „da geht es ums Ganze, da müssen wir alles einbringen, was wir haben. Das ist eine große Chance.“

Seit drei Jahren werden die Teilnehmer am Top Four in diesem Modus ermittelt: Ein Verein veranstaltet das Turnier und hat damit sein Startrecht sicher. Um die drei weiteren Plätze kämpfen die sechs Teams, die nach der Hinrunde die vorderen Plätze in der Bundesliga belegen – in einem einfachen K.o.-Spiel. Zuletzt hatte Alba Los-Pech, scheiterte 2010 in Bamberg und 2011 bei den Artland Dragons. Diesmal erhielt Berlin dagegen ein Heimspiel. „Das ist natürlich ein Vorteil, den wir nutzen müssen“, fordert Demirel. Aber an solchen Beschwörungsformeln lässt sich schon erkennen: Souveränität fühlt sich anders an. Auch wenn Demirel gleich zweimal sagt: „In so einem Spiel kann alles passieren.“ Zumal, wenn man weiß, dass die eigene Mannschaft derzeit leicht aus ihrem Rhythmus zu bringen ist. „Alba hat in dieser Saison seine Konstanz noch nicht gefunden“, hat auch Sebastian Machowski erkannt. Der 40-jährige Trainer der Phantoms ist einer von drei Braunschweigern, die eine prägende Zeit ihrer Karriere in Berlin verbrachten. Neben Ex-Nationalspieler Machowski sind das der Dreier-Spezialist Robert Kulawick und der US-Amerikaner Immanuel McElroy, der erst vergangenen Sommer bei Alba aussortiert worden war.

Lob für McElroy und Kulawick

Beide Spieler genießen an ihrer aktuellen Wirkungsstätte hohes Ansehen. „Robert ist ein guter Junge und spielt eine sehr solide Saison“, sagt Machowski, „Mac hat uns in der Bundesliga-Hinrunde mit seiner Konstanz getragen. Er hat jetzt eine etwas andere Rolle als in Berlin, wir brauchen nicht nur seine Verteidigung, sondern auch seine Punkte.“

Auf der anderen Seite tragen in Schaffartzik und Yassin Idbihi zwei Akteure jetzt das Alba-Trikot, die vor zwei Jahren noch für die Niedersachsen aufliefen. Nicht zuletzt die Verletzung des Centers Idbihi läutete den Absturz der Berliner ein. Nun ist der 28-Jährige wieder fit, trainierte zweimal mit der Mannschaft und hofft auf seinen Einsatz: „Ich habe lange genug Pause gemacht. Ich will dem Team endlich wieder helfen.“ Wiedersehensgedanken werden bei allen Beteiligten in den Hintergrund rücken. „Das ist zweitrangig“, glaubt Demirel, „zumal es bei niemandem das erste Wiedersehen ist.“ Im Fokus stehe: „Do or die, weiterkommen oder ausscheiden – das ist immer etwas Besonderes.“ Die Braunschweiger sehen sich alles andere als chancenlos. So sagt Machowski: „In der Bundesliga hat außer Bamberg niemand mehr eine Sonderrolle.“ Allerdings: Seit Einführung des neuen Modus hat in den Qualifikationsspielen stets die Heimmannschaft gewonnen.