Doch mehr tat wohl das weh, über das er am liebsten nicht mehr sprechen wollte: das 71:81 im zweiten Play-off-Finalspiel bei den Telekom Baskets Bonn. "Wir haben nicht die richtigen Mittel gefunden", ärgerte sich der Basketballprofi, der mit 21 Punkten Berlins bester Werfer war und auch sonst noch zu den Besseren in einer insgesamt enttäuschenden Berliner Mannschaft zählte. Die aufgeheizte Atmosphäre bei der Premiere im Bonner Telekom Dome schien Alba zu hemmen, aber entscheidend war wohl eher, dass man mit der taktischen Defensivvariante der Bonner (Zonenpresse) überhaupt nicht zurechtkam.
Jetzt heißt es: zurück auf Anfang. 1:1 heißt es nach zwei Spielen, und wenn es am Sonntag in der Max-Schmeling-Halle (Beginn 15 Uhr) zum dritten Aufeinandertreffen in der Serie "Best of five" kommt, sind die Berliner, denen Bobby Brown wohl zur Verfügung stehen wird, stark unter Druck. Sie müssen unbedingt ihren Heimvorteil nutzen, um nicht in Partie vier, am Dienstag wieder in Bonn, mit dem Rücken zur Wand zu stehen.
Bonns Trainer Michael Köln jubilierte bereits: "Ich habe den Eindruck, dass Alba enorm unter Druck steht und ängstlich ist. Jetzt wollen wir auch in Berlin gewinnen." Zwar konterte Brown lapidar: "Wir stehen immer unter Druck." Doch der psychologische Vorteil scheint erst einmal bei den Bonnern zu liegen. "Wir fahren mit sehr viel Selbstbewusstsein nach Berlin", meinte der Bonner Winsome Frazier. Für die Bonner ist alles Zugabe. Schon das Erreichen des Finals war eine Sensation. Grinsend meinte Frazier: "Was soll uns denn schon passieren?" Alba-Geschäftsführer Marco Baldi brachte es auf den Punkt: "Um zu gewinnen, haben wir viel zu viele Fehler gemacht." Insgesamt unterliefen Alba am Mittwoch 19 Ballverluste. "Das darf nicht passieren", sagte Kapitän Patrick Femerling. "Wir müssen am Sonntag vieles anders machen."
Hausaufgaben: Rebounds, Verteidigung, Korbgefahr
Rebounds: Obwohl die Bonner auf ihren am Knie verletzten Center John Bowler verzichten mussten, hatten sie unter den Körben bei zurückprallenden Bällen - vor allem in entscheidenden Situationen - ein Übergewicht (28:25). Dass zwei Spieler wie Patrick Femerling und Aleksandar Nadjfeji jeweils nicht einen einzigen Rebound holten, spricht Bände.
Fehler minimieren: Zu den 19 Ballverlusten kamen auch noch einige Offensivfouls, weil Alba mit dem Kopf durch die Wand wollte. Nie gelang es, sich von den "Umwelteinflüssen" wie Zuschauer oder Schiedsrichter zu lösen. "Bonn hat viel aggressiver und zielstrebiger gespielt", gab Cheftrainer Luka Pavicevic zu. "Wir sind die ganze Zeit nur hinterher gerannt." Am Sonntag "wird das ganz anders sein", versprach Nadjfeji.
Dann wird Alba zumindest 8000 Zuschauer (der Rest wird aus Bonn erwartet) auf seiner Seite haben. "Das ist ein großer Vorteil für uns, den wir nutzen werden", meint Sportdirektor Henning Harnisch. "Schließlich haben wir die ganze Saison dafür gekämpft, als Erster ins Play-off zu gehen."
Korbgefahr : Es muss unbedingt ein Mittel gefunden werden, um das Spiel unter den Korb der Bonner zu verlagern, denen man dort eigentlich überlegen sein müsste. In Bonn fand der Ball viel zu selten den Weg in diese Zone. Zudem müssen die Spieler viel mehr zum Korb ziehen.
Verteidigung: In Sachen Konsequenz und Aggressivität waren die Bonner ihren Gegenspielern am Mittwoch voraus. "Grenzwertig, aber legitim" (Harnisch) sei das gewesen. In diesen Grenzbereich muss auch Alba wieder kommen.




