Zu Frohsinn hatten sie auch absolut keinen Grund. "Wir haben einfach unseren Rhythmus nicht gefunden. Das hat mit der neuen Halle nichts zu tun", kritisierte Alba-Sportdirektor Henning Harnisch.

Nach dem 71:81 (37:45) der Berliner gegen Bonn im zweiten Play-off-Finalspiel vor 6000 begeisterten Zuschauern im Mittwoch eröffneten Telekom Dome steht es nun nämlich 1:1 zwischen den Baskets und Alba, das Partie eins in Berlin für sich entschieden hatte. Alles ist wieder offen in der Serie "Best of five". Da man zum Gewinn der deutschen Meisterschaft drei Siege benötigt, ist nun auch klar, dass es auf alle Fälle mindestens ein viertes Spiel in Bonn am kommenden Dienstag (20.15 Uhr) geben wird.

Doch erst einmal kommt es am kommenden Sonntag in Berlin (15 Uhr) zum dritten Aufeinandertreffen. Und das Team von Cheftrainer Luka Pavicevic, das auf der ganzen Linie enttäuschte, wird sich gewaltig steigern müssen, wenn es nicht auch dann erneut ein böses Erwachen geben soll. Die Bonner jedenfalls glauben mehr denn je an sich, etwa 1200 Fans (allein 900 kommen mit einem Sonderzug) werden ihr Team mit nach Berlin begleiten.

Superstimmung in neuer Halle

Den Berlinern war klar gewesen, dass es ein "ganz harter Fight" werden würde, wie es der ehemalige Bonner im Berliner Trikot, Aleksandar Nadjfeji, ausgedrückt hatte. Denn alle auf Bonner Seite wirkten wie aufgedreht. Die Stimmung war unglaublich bei der Premiere im Dome, an diesem für die Baskets historischen Tag.

Etwa 2000 Fans der Bonner hatten sich schon mehr als zwei Stunden vor Spielbeginn an der Hardtberghalle versammelt, der bisherigen Wirkungsstätte ihres Teams. Dann legte man in geschlossener Formation die etwa 500 Meter Entfernung bis zur neuen Arena zurück. Es war kein Trauermarsch, sondern ein offizieller "Abschiedsmarsch". Der Geist der Hardtberghalle sollte so hinübergetragen werden zum künftigen Spielort.

John Fowler fehlte erneut

Und die Baskets knüpften gleich in der auch für sie ungewohnten Umgebung nahtlos an die Leistungen in den bisherigen Play-off-Heimspielen an, wo sie alle vier Partien gewonnen hatten. Wieder ohne den verletzten Center John Bowler, der beim 69:78 in Berlin schmerzlich vermisst wurde, wirbelten die Baskets, angetrieben vom überragenden Ronald Burrell. Lange schienen die schwachen Berliner wie paralysiert. Nach elf Minuten lagen sie 13:26 zurück. Ballverluste (insgesamt 19), Fehler, Fehlwürfe, Zeitüberschreitung, schwache Defense – Alba ließ nichts aus.

Unter dem Korb kam man fast gar nicht zum Zug. Patrick Femerling brachte kaum etwas zustande. Nach 20 Minuten hatte der indisponierte Julius Jenkins nur zwei Zähler durch Freiwürfe erzielt. Wäre da nicht Spielmacher Bobby Brown (mit 21 Punkten bester Werfer der Berliner) gewesen, die Berliner wären beim Wechsel mit mehr als nur acht Zählern (37:45) zurückgelegen. Fünf Dreier gelangen dem Amerikaner, der nach dem Match aus der Halle humpelte und damit für Aufregung beim Trainerteam sorgte. Ob Brown wegen der Fußverletzung im dritten Spiel am Sonntag ausfällt, wird sich erst heute bei einer Analyse der Verletzung zeigen.

Als einziger Trost blieb: Es konnte bei Alba eigentlich nur besser werden. Hofften zumindest die mitgereisten Berliner Anhänger. Doch es wurde eher noch schlimmer. Man hatte das Gefühl, dass die Bonner den größeren Willen hatten. Alba wirkte gehemmt, in der Verteidigung oft viel zu nachlässig. Der Rückstand wuchs bis auf 16 Punkte (45:61/29. Minute) an. Bonn gelangen unglaubliche Würfe, Alba hingegen handelte sich immer wieder Offensiv-Fouls ein. Teils umstrittene, teils aber auch gerechtfertigte, weil man mit dem Kopf durch die Wand wollte: 51:65 (33.). Pavicevic tobte, aber es nutzte nichts, auch wenn Alba noch auf 70:78 herankam (38.). Doch Bonn wusste immer die richtige Antwort.