Alles ist groß beim Basketball, der Ball, die Spieler, die nicht selten die Zwei-Meter-Marke deutlich überschreiten und mit der Spannweite ihrer Arme von 2,20 m schon fast im Stehen in die Nähe des Korbes kommen, der in einer Höhe von 3,05 m am Brett verschraubt ist. Nur das Spielfeld ist mit 28 mal 15 m nicht wirklich üppig, zur Verfügung steht ja zumeist sogar nur die Hälfte.

Um dort zu fünft gegen fünf nicht minder stattliche Spieler in maximal 24 Sekunden den Ball im Korb unterzubringen, sind Strategie, Intuition und die Fähigkeit gefragt, seine Pläne permanent zu ändern. Und Dirigenten, die das Sagen haben, Spielmacher wie Albas Rashad Wright und Steffen Hamann.


"Unsere Aufgabe ist es, das Spiel zu kontrollieren, vor allem das Tempo. Wir sind dafür verantwortlich, die Pläne unseres Coaches im Spiel umzusetzen", erklärt Rashad Wright, der wie sein Partner und Konkurrent Steffen Hamann mit 28 Jahren im besten Basketballer-Alter ist. "Unsere Spielsysteme haben zahlreiche Optionen. Um einen Angriff erfolgreich zu Ende zu führen, musst du permanent das Spiel lesen und analysieren. Starr nur einen Gedanken zu verfolgen, hilft dir nicht, du entscheidest aus einem Mix aus Instinkt und Erfahrung."

Hamann als verlängerter Trainerarm

Steffen Hamann sieht sich "als verlängerten Arm des Trainers", der permanent mit dem Coach an der Seitenlinie kommuniziert. "Aber am Ende trägst du auf dem Spielfeld die Verantwortung. Und das funktioniert nur, wenn deine Mitspieler dich akzeptieren und das, was du vorgibst."

Die Vorgaben, nach denen Wright und Hamann Albas Spiel organisieren, kommen von einem Mann, der selbst einer der besten Dirigenten seiner Zeit war. Mit Luka Pavicevic als Spielmacher gewann Jugoplastika Split von 1989 bis 1991 dreimal in Folge die Europaliga. Sein Anforderungsprofil an einen Pointguard ist klar: "Das Recht, ein Team zu führen, muss sich ein Spieler zu allererst in der Verteidigung verdienen", erklärt Pavicevic.

"Viele Teams besetzen die Position mit Spielern, die vor allem punkten und offensiv produktiv sind. Für mich ist die oberste Priorität, dass ein Spielmacher seinem Team in der Defense nicht schadet." Eine weitere Vorliebe des Coaches ist in der Statur seiner beiden Lenker erkennbar. Hamann misst 1,94 m, Wright 1,89 m: "Ich mag große, kräftige Pointguards. Beide sind athletisch und sehr aggressive Verteidiger."

Der Trainer hat beschränkten Einfluss

Wenn es nicht mehr darum geht, Punkte des Gegners zu verhindern, sondern seine Mannschaft den Ball hat und versucht, ihn im Korb des Gegners unterzubringen, sieht sich Pavicevic in den Mitteln, Einfluss zu nehmen, sehr beschränkt. "Die Spiele repräsentieren die Arbeit, die zuvor geleistet wurde, das Training, die Entwicklung der individuellen Fähigkeiten und die Ideen, die wir entwickeln, um vermeintliche Schwächen des Gegners zu nutzen", sagt Albas Coach.

"Diese Ideen umzusetzen, ist dann in den Händen von Rashad und Steffen. Sie entscheiden, wo sie mit welchen Mitteln attackieren. Sie müssen für alle anderen mit- und vorausdenken. Und wenn der Gegner gut reagiert, müssen sie auch die Fähigkeiten haben, am Ende der Angriffszeit selbst das Heft in die Hand zu nehmen, um die Offense noch erfolgreich abzuschließen."

Das enge Korsett der großen Idee und die Kunst, sich darin frei zu bewegen und sie mit unterschiedlichen individuellen Fähigkeiten in Zählbares umzumünzen - das sind die Pole, zwischen denen sich Spielmacher bewegen. "Steffens Stärken liegen sicher darin, den Ball beim Wechsel von der Verteidigung in den Angriff druckvoll nach vorn zu bringen und mit großem Willen den direkten Weg zum Korb zu gehen", analysiert sein Coach. "Rashad ist unter Druck vielleicht etwas gelassener. Beide sind smart und bilden für mich auf dieser Position zusammen eine Einheit."

In der sich die Spielanteile leicht zum Vorteil von Wright verteilen. Der US-Guard lenkt rund 26 Minuten pro Spiel Albas Geschicke, Hamann knapp 17 Minuten. "Ich würde lügen, wenn ich damit keine Probleme hätte. In Bamberg habe ich wesentlich mehr gespielt und durfte auch mehr Fehler machen", gesteht Hamann, der 2008 nach Berlin kam. "Aber Rashad spielt eine wirklich gute Saison, und ich akzeptiere es, weil es gut für die Mannschaft ist. Wir waren voriges Jahr in den Top 16 der Europaliga und diese Saison im Eurocup-Finale. Ich bekomme also etwas zurück, wenn ich zurückstecke. Und ich habe gelernt, wie wichtig es ist, dass die Chemie im Team stimmt."

Und dazu trägt Hamann, der so gern spielen würde, seinen Teil bei. "So komisch sich das vielleicht anhört, aber Steff ist immer im Spiel, auch wenn er auf der Bank sitzt", erzählt Wright. "Er schiebt mich an und ich ihn, wir tauschen uns aus, was wir sehen. Er spielt hart und intelligent. Mit ihm als Gegenüber kannst du keine Sekunde entspannen."