Als mit der Schlusssirene Albas Center Blagota Sekulic mit einem Dreier der 83:71 (44:35)-Endstand gegen Le Mans Sarthe gelang, feierten die Zuschauer in der O2 World am Mittwoch, als sei nun ein ganz großer Sieg gelungen. Aber der Jubel bei den Berliner Basketballprofis hielt sich in Grenzen. Denn sie wussten: Die Entscheidung, ob sie das Viertelfinale im Eurocup erreichen werden, fällt erst am kommenden Dienstag in Spanien. Mit einem Sieg bei Joventut Badalona hätte Alba den Sprung unter die besten Acht geschafft. „Es wird schwer, aber wir können das schaffen, Badalona ist nicht in Bestform“, meinte Sekulic, mit 17 Punkten bester Berliner Werfer.
Nachdem Aris Saloniki am Dienstagabend mit 84:54 gegen Badalona gewonnen hatte, hatte sich für Alba die komische Situation ergeben, dass man gegen Le Mans sogar hätte verlieren dürfen. Allein ein Sieg in Badalona öffnet die Tür ins Viertelfinale. Dennoch ließ Alba keinen Zweifel daran, unbedingt gegen Le Mans gewinnen zu wollen.
Für die Franzosen war die Situation hingegen eine ganz andere: Sie mussten unbedingt gewinnen, doch wie ein Team, das bis zum Letzten kämpfen würde, wirkte die Mannschaft nicht. Hätten die Franzosen im ersten Viertel nicht so gut aus der Distanz getroffen, wäre der Berliner Vorsprung noch größer gewesen als acht Punkte (22:14).
Alba dagegen wirkte konzentriert. Geschäftsführer Marco Baldi hatte vorher gefordert, dass gerade die etablierten Spieler vorangehen müssten. Und das taten Profis wie Julius Jenkins, Rashad Wright (beide 15 Punkte) und Immanuel McElroy (besonders stark in der Defense) auch. In den ersten zehn Minuten unterlief den Berlinern kein einziger Ballverlust, auch ein Zeichen von hoher Konzentration.
Doch wie schnell das bei den Berlinern in Schludrigkeit umschlagen kann, durften die 9529 Zuschauer dann in der ersten Hälfte von Viertel Nummer zwei beobachten. Auf einmal schienen die Hände zu zittern, immer wieder wurden falsche Entscheidungen getroffen. So summierten sich innerhalb von wenigen Minuten sechs Ballverluste. Die Franzosen nutzten diese Schwächeperiode und kamen wieder zum Ausgleich (28:28/16. Minute). Inzwischen war auch Adam Chubb auf dem Feld. Der Einsatz des von einer Verletzung genesenen Alba-Centers war als eher unwahrscheinlich bezeichnet worden. Und es blieb auch bei einem Kurzeinsatz des US-Amerikaners.
Der Ausgleich der Franzosen wirkte wie ein Weckruf für die Berliner. Aggressiv in der Abwehr, schnell beim Passspiel, sicher bei den Würfen - Alba setzte sich wieder ab. Und die Berliner wurden mit viel Beifall in die Kabine begleitet, nachdem Philip Zwiener mit einem Dreier für den 44:35-Halbzeitstand gesorgt hatte.
Das gute Spiel Albas setzte sich erst einmal fort. Bis auf 13 Zähler bauten die Berliner ihre Führung aus (51:38 (22.). Doch dann wurden sie zu hektisch. Julius Jenkins wurde nach seinem dritten Foul auf die Bank beordert. Zu oft haderten die Berliner mit den Entscheidungen der Schiedsrichter, die zugegebenermaßen teilweise auch sehr merkwürdig pfiffen. Der Vorsprung schmolz auf 58:52, bevor Derrick Byars mit einem Dreier zum 61:52 das dritte Viertel abschloss.
Und es wurde schnell besser. Bis auf 70:55 (35.) setzten sich die Berliner – wieder mit Jenkins – ab. Aber Sicherheit gab das nicht. Le Mans spielte immer aggressiver, die Zuschauer pfiffen die unsicheren Schiedsrichter aus, Alba verlor zeitweise den Faden: 73:68 zweieinhalb Minuten vor dem Ende. Doch dann rissen sich Jenkins und Co. doch noch einmal zusammen, nervenstark wurde von der Freiwurflinie der Sieg gesichert. Und Sekulic setzte den Schlusspunkt.
dpa/sh




