Nach der Schlusssirene stürzten sich die Mitspieler auf Blagota Sekulic, den Mann der letzten Sekunden. Sie herzten den Center von Alba Berlin, der sechs Sekunden vor Ende erst das 66:65 für sein Team erzielt hatte, um kurz danach noch einen Schuss seines italienischen Gegenspielers Bobby Jones zu blocken.
Der abschließende Verzweiflungswurf von Ryan Hoover fand sein Ziel im Alba-Korb auch nicht mehr. Das Berliner Basketballteam hatte bei Banca Tercas Teramo gewonnen und sich vorzeitig als Gruppenerster für die nächste Runde qualifiziert.
Am Vormittag danach war bei Alba wieder der Alltag eingekehrt. Der Berliner Tross fuhr am Mittwoch im Bus durch die Abruzzen in Richtung Rom, um nachmittags von dort nach Hause zu fliegen. "Wir haben das erste Ziel erreicht. Euphorie nein, Freude und Erleichterung ja", fasste Albas Geschäftsführer Marco Baldi die Stimmungslage zusammen.
Vor allem Erleichterung. "Zum Glück ist uns erspart geblieben, ein Endspiel um Alles oder Nichts zu haben", meinte Baldi. Am Dienstag (12. Januar, 19 Uhr, O2 World) gegen Azovmash Mariupol (Ukraine) geht es für die Berliner jetzt nur noch darum, dem Publikum gute Unterhaltung zu bieten.
Alba musste immer wieder Rückständen hinterherlaufen
"Jedes Spiel ist eine Verpflichtung für uns", sagt Cheftrainer Luka Pavicevic schon einmal, der sein Team lobte: "Bis zum Ende war die Entschlossenheit da." Nie aufgegeben habe seine Mannschaft, die lange immer wieder Rückständen hinterherlaufen musste und sich die Aufgabe durch 19 Ballverluste auch nicht einfacher machte. "Am Ende ist bei einem solch engen Spiel natürlich auch ein Hauch Glück dabei", meinte Baldi, um aber gleich hinzuzufügen: "Das Glück muss man sich auch erarbeiten." So wie in einigen Spielen. Bei den vier Siegen in den bisher fünf Partien gewann Alba zweimal mit einem Punkt, einmal mit zwei Zählern Differenz.
Alle Beteiligten wissen, "dass es jetzt noch einen Zacken schwerer wird" (Baldi). Als Erster der Gruppe A trifft Alba nun vom 26. Januar an erneut in Hin- und Rückspielen auf einen weiteren Gruppenersten und zwei -zweite. Das bereits feststehende Tableau zeigt, dass es sich dabei wohl mit ziemlicher Sicherheit um Joventut Badalona handeln wird, dann entweder Hapoel Jerusalem oder Aris Saloniki, der dritte Kontrahent muss noch zwischen Hemofarm Vrsac, Le Mans und Triumph Moskau ermittelt werden.
Trotz aller Freude blickte Pavicevic etwas sorgenvoll voraus. "Es gibt keine Pause, da ist es schwer, die Energie aufrecht zu erhalten." Nach dem alten Hit "On the road again" von Canned Heat müssen die Berliner bereits am Samstag wieder in Trier antreten. Baldi: "In der Bundesliga dürfen wir uns sowieso keine Blöße geben." Es ist an der Mosel dann das 26. Pflichtspiel in dieser Saison seit dem 29. September, dabei das 15. auswärts. "Es ist weniger eine Frage der Kondition", sagt Baldi, auf den Reisen lasse man sehr viel "mentale Substanz".
Durch internationale Auftritte bei anderen Klubs empfehlen
Wobei dies immer mehr Konkurrenten aus der Bundesliga (BBL) ähnlich ergeht. Meister Oldenburg ist in der Europaliga dabei, Bonn und Bamberg spielen wie Berlin im zweitklassigen Eurocup, Göttingen und die Artland Dragons in der dritten europäischen Liga, der Eurochallenge. Die Bilanz ist insgesamt positiv: Alba und die Dragons sind weiter, Bamberg und Göttingen fast sicher im Achtelfinale. BBL-Sprecher Dirk Kaiser sagt stolz: "So schlecht ist die Bundesliga eben nicht."
Sie hat jedenfalls aufgeholt - vier deutsche Klubs unter den besten 16 der drei Wettbewerbe hat es noch nie gegeben. "Mich überrascht das nicht", sagt Baldi, "die BBL wird oft unterschätzt." Die Liga ist ausgeglichener geworden, die Mannschaften werden in jedem Spiel härter gefordert. Und, so Baldi: "Die Klubs erkennen zunehmend, dass es etwas Erstrebenswertes ist, in Europa zu spielen."
Göttingens Geschäftsführer Marc Franz sieht sogar einen besonderen Vorteil: "Für uns ist die Teilnahme in Europa ein Faktor in Verhandlungen mit Spielern", erklärt er, "wir können nicht so hohe Gehälter zahlen wie andere, aber bei uns kann man sich durch internationale Auftritte bei anderen Klubs empfehlen."



