Homophobe und rassistische Äußerungen: Die Vorwürfe gegen Jens Härtel wiegen schwer
Nachdem Jens Härtel sein Amt als U-19-Trainer bei Union Berlin aufgrund anonymer Vorwürfe am 11. Oktober niedergelegt hat, sind nun weitere Einzelheiten ans Licht gekommen. Der "Berliner Kurier" zitiert demnach aus der Stellungnahme Härtels an den DFB – die Vorwürfe wiegen schwer. Mehrfach soll sich Härtel diskriminierend geäußert haben.
Bereits am Donnerstag hatte die "Sport Bild" von einem Vorwurf berichtet.
Demnach sollten die Union-Spieler im Trainingslager in Polen neue Tischgruppen beim Mittagessen bilden, um sich besser kennenzulernen. Wie bereits am Vortag, sollen Alec Shabany, Michael Etobe und Sadou Barry sich dennoch erneut nebeneinander gesetzt haben. "Daraufhin fragte ich die Spieler sinngemäß, ob dies nun wieder der ,Afrika-Tisch' sei", so Härtel in seiner Erklärung. Ihm sei aus heutiger Sicht bewusst, dass die Formulierung "unklug und kontraproduktiv" war.
Die rassistische Äußerung war nicht die einzige diskriminierende Äußerung des Nachwuchstrainers. Nach der 2:3-Niederlage der Unioner gegen den Berliner AK im DFB-Juniorenpokal Ende Juli soll der 57-Jährige gesagt haben: „Gegen diesen Ausländerverein verlieren wir.“ In seiner Stellungnahme führte Härtel aus, dass er sich nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern könne. Ausschließen könne er ihn aber auch nicht. Er erklärte, dass er von 2011 bis 2013 selbst als Trainer beim Berliner AK tätig war und die Bezeichnung "Ausländerverein" wohl damals schon im Verein geläufig war. "Ich persönlich habe diese Bezeichnung seinerzeit nicht als negative Zuschreibung wahrgenommen und habe sie daher auch nicht mit einer diskriminierenden Bedeutung verbunden", so Härtel.
Und auch der dritte Vorwurf gegen den ehemaligen Trainer von Hansa Rostock und den 1. FC Magdeburg wiegt schwer. Die misslungene Aktion eines Spielers soll Härtel mit den Worten "Schieß und spiel nicht wie ein Schwuler“ kommentiert haben. Härtel erklärte gegenüber dem DFB: "Nach Rücksprache mit dem Trainerteam fiel (…) die Äußerung ,Spiel nicht so einen Schwuchtelball'“. Ein ebenfalls homophober Spruch, der Härtel nicht unbedingt besser dastehen lässt. Er selbst bezeichnete die Bezeichnung als "unangemessen und fehlplatziert". Für die Äußerung, die sich "nicht gegen einen bestimmten Spieler aufgrund seiner sexuellen Identität" gerichtet haben soll, habe er sich entschuldigt.
Vom DFB-Sportgericht wurde Härtel wegen diskriminierenden unsportlichen Verhaltens bereits verurteilt. Er darf zwölf Wochen sein Traineramt nicht ausüben. Als U-19-Trainer trat er am vergangenen Sonntagabend zurück.