Ihr Gesicht wirkte versteinert. Die Zuversicht schien für einen Moment aus Marie-Louise Eta gewichen zu sein. Dieses 1:2 (0:1) gegen den VfL Wolfsburg hatte der Cheftrainerin von Union Berlin bei ihrer Premiere schon zugesetzt. Wer verliert schon gern ein Spiel in der Fußball-Bundesliga, nach dazu, wenn mit einem Sieg der direkte Abstieg schon am fünften Spieltag vor Saisonende hätte verhindert werden können.
So musste nun auch Eta erklären, warum es gegen den Vorletzten ebenfalls nicht mal für einen Punkt gereicht hatte. „Das Ergebnis passt aus meiner Sicht heute nicht zur Leistung“, sagte die 34-Jährige, „ich bin schon enttäuscht, dass wir das Spiel verloren haben. Aber mit der Leistung bin ich einverstanden.“ Christopher Trimmel sprach von „einem guten Spiel“, was nach dem Desaster-Auftritt von Heidenheim auch nicht schwer gewesen ist. Trimmel: „Das war wirklich alarmierend.“
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Angesichts von 26:5 Torschüssen für Union bleibt dennoch ein wenig Ratlosigkeit zurück. Trotzdem zog Eta das Positive aus der Partie: „Ich muss echt den Hut ziehen, wie die Jungs weitergemacht und weiter daran geglaubt haben. Wir haben uns unfassbar viele Torchancen herausgespielt. Es gab sehr viele Situationen, in denen immer eine Kleinigkeit gefehlt hat.“
Eta wird von den Fans von Union Berlin mit großem Applaus begrüßt
Es war ein Tag wie gemalt für ein Fußballfest in Köpenick. Wenn jemand Vorfreude und auch Zuversicht versprüht hatte in den Tagen, ja selbst Stunden vor dem Anpfiff, dann war es Marie-Louise Eta. Sichtlich gut gelaunt war sie rund eineinhalb Stunden vor dem Anpfiff mit den Profis beim obligatorischen Spaziergang im Waldstück neben dem Stadion unterwegs.
Wenn wir mit der Art und Weise einfach weitermachen, dann wird auch das Ergebnis ein anderes sein.
Marie-Louise Eta, Cheftrainerin von Union Berlin
Die Interviews vor dem Spiel gab sie mit jenem erfrischenden Selbstbewusstsein, das sie schon in ihrer ersten Trainingseinheit am Dienstag oder in der Pressekonferenz zwei Tage später ausgezeichnet hatte. Von den Rängen gab es großen Applaus. Eta reagierte mit in die Höhe gestreckter Siegerfaust.
Kurz darauf gab es eine herzliche Begrüßung von Dieter Hecking. Der VfL-Trainer hatte im Vorfeld der Partie Etas fachliche Qualitäten herausgestellt. Nun gab es eine herzliche Umarmung. Und natürlich gab es das donnernde „Fußballgöttin“ von den Tribünen beim Verlesen der Mannschaftsaufstellungen.
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Als es dann endlich um Fußball ging, wurde schnell deutlich, dass auch Eta keine Wunderdinge vollbringen kann. Der aktuelle Jahrgang ist und bleibt offensiv limitiert und defensiv zu anfällig. Die neue Cheftrainerin der Köpenicker hatte versucht, mit vier personellen Änderungen im Vergleich zur Niederlage in Heidenheim (1:3) entgegenzuwirken.
Eta nimmt vier Änderungen in der Startelf vor
Trimmel und Tom Rothe agierten auf den Außenbahnen anstatt Janik Haberer und Derrick Köhn. Zudem spielten Aljoscha Kemlein (für Andras Schäfer) und Ilyas Ansah (für Alex Kral). Taktisch blieb es in der Abwehr bei der Dreierkette. Vorn sollte das Trio Andrej Ilic, Oliver Burke und Ansah für Furore sorgen.
Doch die Wolfsburger, als Tabellenvorletzter mit großen Abstiegssorgen nach Berlin gereist, hatten gar keine Lust, irgendetwas zum Köpenicker Wohlbefinden beizutragen. Der VfL ließ Union in der Anfangsphase schlicht gewähren, setzte zum Konter an und wurde prompt zum Partycrasher. Patrick Wimmer wurde im Mittelfeld nicht angegriffen, zog mit dem rechten Außenrist aus gut 20 Metern ab. Oben links schlug der Ball ein, unhaltbar für Union-Torwart Frederik Rönnow – 0:1 (11.).
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Mit rudernden Armen versuchte Eta an der Seitenlinie, ihr Team gar nicht erst in negative Stimmung kommen zu lassen. Das eine oder andere Gespräch mit Co-Trainer Sebastian Bönig offenbarte jedoch: Zufrieden war die 34-Jährige, die die Partie über weite Strecken stehend und mit verschränkten Armen verfolgte, nicht.
Union Berlin ist erneut zu harmlos und zu anfällig
Wie sollte sie auch, wenn Ansahs Kopfbälle (15., 20.) zu harmlos waren, Rothes Schuss nur knapp das Ziel verfehlte (40.), Rönnow dafür aber einen höheren Rückstand gegen Aaron Zehnter (38.) verhindern musste? Anders als im letzten Spiel unter Steffen Baumgart in Heidenheim war wenigstens die Leidenschaft bei den Köpenickern zurück.

Und dann dies: Innenverteidiger Danilho Doekhi vertändelte den Ball rechts an der Außenlinie, Christian Eriksen schaltete schnell, brachte Dzenan Pejcinovic in Aktion, der auf 0:2 erhöhte. 29 Sekunden waren in der zweiten Halbzeit gespielt. Eta versuchte es mit aufmunterndem Applaus. Noch war genug Zeit, den Rückstand aufzuholen.
Ilics Kopfball an den Pfosten (57.) war sinnbildlich für den Union-Auftritt am Samstagnachmittag. Und es war der Startschuss für ein wahres Powerplay. Die Köpenicker schnürten die Wolfsburger an deren Strafraum ein. Nur ein Durchkommen gab es nicht. Dafür war die Gefahr, in einen Gegenstoß zu laufen, immer präsent.
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Den Hoffnungsschimmer gab es durch Burke, der allen enteilt war und auf 1:2 verkürzte (85.). Es folgte ein Spiel auf ein Tor – ohne Erfolg. „Ich bin extrem überzeugt, wenn wir mit der Art und Weise einfach weiterspielen, weitermachen, weiter daran glauben, dann wird auch das Ergebnis ein anderes sein“, sagte Eta. Die Zuversicht war längst wieder in ihr Gesicht zurückgekehrt.









