Der Abend begann offiziell mit der Vereinshymne. Es wäre auch keine Veranstaltung von Union Berlin, wenn Fans und Mitglieder nicht das „Eisern Union“ von Nina Hagen leidenschaftlich mitsingen würden. Nicht nur für die 4000 Besucher im Festzelt an der Alten Försterei gilt seit Jahren vor allem eine Liedzeile: Es kann nur einen geben.

Auch interessant

Dieser eine, das ist der Verein, der mit zwei Profimannschaften (Männer und Frauen) in der Fußball-Bundesliga spielt. Ein Verein, der am Dienstag seinen 60. Geburtstag feierte und von prominenter Seite Glückwünsche erhielt. „60 Jahre ist kein Alter. Ihr fangt doch gerade erst an“, sagte Schauspielerin Katharina Thalbach per Videobotschaft.

60 Jahre Union Berlin
Vor der Alten Försterei gab es für die Fans Bratwurst und Glühwein.© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

Rapper Finch, der in diesem Jahr zwei Konzerte in der Alten Försterei geben wird, ließ mit einem Augenzwinkern per Videobotschaft wissen: „Ihr habt am gleichen Tag Geburtstag wie meine Mutter. Da hat meine Mutter Glück, so kann ich ihren Geburtstag nicht vergessen.“

Union Berlin feiert beide Profiteams

Union Berlin feierte sich selbst. Mit Einspielern, die das Auf und Ab des Klubs aus den vergangenen 60 Jahren in Videoclipmanier allen noch einmal vor Augen führten: Abstiege und nicht geglückte Aufstiege, die Spendenaktion „Bluten für Union“, die Schneeräumung im Stadion vor dem DFB-Pokalhalbfinale 2001 durch die Fans, ebenso der Stadionbau, Tore zum Klassenerhalt, zum Aufstieg, nach Europa – nicht weniger als ein Kaleidoskop aus sechs Jahrzehnten, das bei allen Anwesenden Emotionen weckte.

60 Jahre Union Berlin
Im Festzelt wurden die Profiteams der Männer und Frauen von den Fans gefeiert. © FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

Es war ein lockerer Abend. Profi Livan Burcu nutzte die Gelegenheit zu einem „Ey, Unioner, was geht ab?“, nachdem beide Profiteams mit riesigem Applaus empfangen worden waren. Cheftrainer Steffen Baumgart sagte zur aktuellen sportlichen Situation der Profimänner: „Ich habe wirklich viel Spaß. Die Jungs marschieren und gehen gegen alle Widerstände.“ Mit Blick auf das kommende Spiel am Sonnabend (18.30 Uhr, Sky) sagte der Coach: „Die Spiele in Dortmund sind nicht unsere, aber die zu Hause. Wir spielen zu Hause, also alles ok.“

Die Menschen im Klub sind mir am wichtigsten

Dirk Zingler, Union-Präsident

Ailien Poese, Cheftrainerin der Profifrauen, erklärte: „Wir sind immer noch unfassbar dankbar, dass wir aufgestiegen sind. Wir hatten die eine oder andere Herausforderung mehr meistern müssen, aber das ist uns auch gelungen.“ Und: Gegen Bayer Leverkusen am Freitag (18.30 Uhr, Magentasport) „haben wir noch eine Rechnung offen“.

Bei der Ehrung hat Klubchef Zingler Tränen in den Augen

Unions Präsident fasste in wenigen Sätzen zusammen, was der Klub für die Region bedeutet. „Union gibt es seit 120 Jahren hier in Köpenick (Union Oberschöneweide, d.Red.), das ist wichtig für die Menschen hier. Die Verankerung in der Region ist viel wichtiger als der juristische 60. Geburtstag. Wir sind eine riesengroße Familie, die über die 71.000 Mitglieder hinausgeht. Und wir haben es immer möglich gemacht. Die Menschen im Klub sind mir am wichtigsten.“

60 Jahre Union Berlin
Nach Trainer Steffen Baumart (r.) hat auch Christopher Trimmel seinen Vertrag bei Union Berlin verlängert. © FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

Auch zum größten Projekt des Vereins, die Vergrößerung der Alten Försterei mit zunächst 34.500 Plätzen, ließ Zingler wissen: „Ich kann heute sagen, dass es niemanden in der Stadt und in der Verwaltung gibt, der dieses Projekt nicht will.“

Auch interessant

Emotional wurde es, als Zingler die Laudatio für Jörg Hinze hielt. Immer wieder musste der Klubchef während seiner Rede neu ansetzen, mit Tränen in den Augen und brüchiger Stimme. Hinze war im vergangenen Sommer nach mehr als 18 Jahren aus dem Vereinspräsidium ausgeschieden und bekam nun die Ehrenmitgliedschaft.

Union Berlin kürt seine Legenden-Elf

Zusammen mit Zingler hatte Hinze den Verein durch die ersten vor allem finanziell dramatischen Jahre geführt und unter anderem mit persönlichen Bürgschaften für den Verein geradegestanden. Bei der Überreichung der Urkunde gab es tosenden Applaus im Festzelt.

60 Jahre Union Berlin
Union Berlin feiert 60. Vereinsgeburtstag mit einem eisernen Motto. © FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

Die Ovationen rissen auch nicht ab, als das Ergebnis der Fan-Wahl zur Union-Elf der Legenden bekannt gegeben wurde: Frederik Rönnow (Tor), Ronny Nikol, Christian Stuff, Michael Parensen, Christopher Trimmel (alle Abwehr), Olaf Seier, Lutz Hendel, Damir Kreilach, Torsten Mattuschka (alle Mittelfeld), Joachim Sigusch und Karim Benyamina,

Ein Schmankerl gab es obendrauf. In einem inszenierten „Staatsakt“ unterschrieb Kapitän Christopher Trimmel im Festzelt einen neuen Einjahresvertrag. Der 38-Jährige geht damit ab Sommer in seine 13. Union-Saison.   

Lesen Sie auch

Rund zweieinhalb Stunden wurde im Festzelt gefeiert. Was nachhallte, war eine Zeile aus der Klubhymne, die stets am lautesten gesungen wird. Sie war an die Wand im Zelt und an die Fassade der Haupttribüne projiziert: Wir werden ewig leben. Die ersten 60 Jahre hat Union Berlin bereits geschafft.