60 Jahre sind noch keine Ewigkeit, doch so lange kämpfen nun die Eisernen des 1. FC Union Berlin um Punkte im deutschen Fußball. Seit der Gründung am 20. Januar 1966 haben der Klub und seine Anhänger eine wechselvolle Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen hinter sich. Zum Jubiläum werfen wir einen Blick in die Statistik.
Von erster bis vierter Spielklasse war alles dabei: So schnitt Union in der Liga ab
In der ersten Oberligasaison 1966/67 nach Neugründung des Vereins spielte Union in der Oberliga und erreichte sogar den sechsten Platz. Doch schon in der dritten Saison erfolgte der erste Abstieg in die DDR-Liga. Dort konnte man zwar nach einer Saison direkt wieder aufsteigen, doch auch danach blieb Union ein Fahrstuhl-Klub, der immer wieder aus der Oberliga in die zweithöchste Spielklasse abstieg und wieder aufstieg. Zuletzt stiegen die Eisernen nach der Saison 1988/89 in die DDR-Liga ab und waren so beim Wechsel ins Bundesligasystem in einer miserablen Ausgangsposition.
Nach den Wendewirren landeten sie schließlich in der dritthöchsten Spielklasse (Oberliga). Dort konnten sie mehrere Saisons sportlich sogar einen Aufstiegsplatz erreichen, erhielten aber keine Lizenz für die Zweite Bundesliga. Nach fast einem Jahrzehnt in der Dritten Liga, konnte zur Jahrtausendwende die Zweite Bundesliga erreicht werden. Nach drei Jahren (2003/04) kam es jedoch wieder zum Abstieg in die Regionalliga.
Doch der Tiefpunkt war damit noch nicht erreicht. In der ersten Regionalligasaison stand man am Ende nur auf einem 18. Platz und stieg in die vierthöchste Spielklasse ab – die Oberliga Nordost. Danach ging es sofort wieder eine Liga höher, und 2008/09 machte Union den Aufstieg in die Zweite Liga perfekt.
Dort erreichte man fast zehn Jahre mittlere Plätze. Bis zur Saison 2018/19, als Union einen dritten Platz in der Liga erreichte und Stuttgart in der Relegation besiegte. Am 27. Mai 2019 machte der Klub den Aufstieg in die Bundesliga perfekt. Seitdem hat Union es geschafft, sich in der ersten deutschen Spielklasse zu etablieren.
Mit mehreren guten Ligaplatzierungen konnte man sich auch für europäische Wettbewerbe wie die Conference League, die Europa League und schließlich sogar für die Champions League qualifizieren. Nach dem Abgang des langjährigen Erfolgstrainers Urs Fischer wurde es wieder etwas ruhiger um die Eisernen, aber nach zwei schwierigen Spielzeiten konnte sich das Team dieses Jahr wieder stabilisieren und liegt derzeit auf einem Platz in der oberen Tabellenhälfte.
Auch die Frauen des 1. FC Union haben von dieser positiven Entwicklung profitiert. Seit der Saison 2023/24 ist sie als Profimannschaft erfolgreich und konnte seitdem direkt von der Regionalliga in die Zweite Bundesliga und nun sogar in die Bundesliga aufsteigen.
Die wichtigsten Cheftrainer des 1. FC Union Berlin
Insgesamt 39 verschiedene Cheftrainer standen bei Union Berlin seit 1966 an der Seitenlinie. Zu den Legenden zählt sicherlich Werner Schwenzfeier, der die Mannschaft von 1965 bis 1969 führte und mit ihr im Jahr 1968 den FDGB-Pokal gewann. Im DDR-Spielbetrieb prägte Heinz Werner das Spiel der Eisernen am längsten, er war sechseinhalb Jahre (1976–1982) im Amt. Unter Trainer Georgi Wassilew gelang Union 2001 der erste Aufstieg in die Zweite Liga und damit in den Profibereich.
Später lenkte Uwe Neuhaus für sieben Jahre die Geschicke der Eisernen (2007–2014): die längste Amtszeit unter allen Union-Trainern. Auch er führte die Mannschaft von der Dritten wieder in die Zweite Bundesliga. Und schließlich der Schweizer Urs Fischer, der im Juli 2018 die Mannschaft übernahm und sie eine Saison später in die Bundesliga führte. Er entwickelte die Mannschaft danach konsequent weiter und konnte die Teilnahme an der Conference League, Europa League und auch der Champions League erreichen. Nach einer Niederlagenserie in der Bundesliga, gab er im November 2023 sein Amt auf.

Erwähnenswert ist auch noch eine Personalie auf der Ebene der Co-Trainer. Nach der Trennung von Urs Fischer in der Saison 2023/24 war Marie-Louise Eta die erste Co-Trainerin in der Bundesliga der Männer.
Die Fans sind das größte Kapital des Vereins – Eintrittswelle seit Aufstieg in die Bundesliga
Die Köpenicker haben derzeit 71.328 Vereinsmitglieder und sind somit der mitgliederstärkste Verein im Osten Deutschlands. In der Rangliste der mitgliederstärksten Fußballvereine in Deutschland liegt Union Berlin auf Platz zehn hinter dem SC Freiburg (79.000 Mitglieder).
Lange Zeit lag die Anzahl der Vereinsmitglieder beim 1. FC Union Berlin im vierstelligen Bereich. Im Jahr 2012 stieg die Zahl erstmals über 10.000. Es folgte ein moderater Anstieg in den Zeiten in der Zweiten Bundesliga. Im Jahr 2018 hatte Union 20.492 Vereinsmitglieder. Der Bundesligaaufstieg 2019 führte dann zu einer Eintrittswelle beim Klub, und so verdreifachte Union die Anzahl der Vereinsmitglieder binnen fünf Jahren auf 62.722.
Dabei spielten auch der Support der Fans in der zuschauerfreien Zeit während der Corona-Pandemie, aber auch die Teilnahme an der Champions-League-Saison 2023/2024 eine große Rolle. Wollte man nun Heimspiele im Stadion an der Alten Försterei besuchen oder Karten für die Champions-League-Spiele ergattern, war eine Mitgliedschaft im Verein aufgrund der knappen Ticketkapazitäten unerlässlich. Das zeigen auch die Zuschauerzahlen, die als Nächstes beleuchtet werden.
Immer volles Haus im Stadion an der Alten Försterei – das war nicht immer so
Die wechselvolle Geschichte des 1. FC Union Berlin erkennt man auch beim Blick auf die Zuschauerzahlen. Vor allem in den Spielzeiten der Dritten und auch Vierten Liga und in den Nachwendejahren kamen deutlich weniger Anhänger ins Stadion an der Alten Försterei. Seit dem Aufstieg in die Bundesliga ist so gut wie jedes Heimspiel ausverkauft, und der Zuschauerschnitt liegt nahe der maximalen Stadionkapazität. Und so warten viele Unioner sehnsüchtig auf den Ausbau des Stadions, um endlich wieder häufiger ihre Mannschaft während des Spiels unterstützen zu können.
Der Support der Fans im Stadion war schon immer ungeheuer intensiv, und gerade in ihrem „Wohnzimmer“, aber auch bei Auswärtsfahrten unterstützen viele Eiserne ihre Mannschaft.
60-Jahre Legenden-Elf des ersten 1. FC Union Berlin
Vor dem 60. Geburtstag des Vereins am 20. Januar 2026 waren die Mitglieder aufgerufen, ihre Stimme für die Legenden-Elf seit 1966 abzugeben. Bei der Feier zum Jubiläum wurde das Ergebnis der Wahl präsentiert.

Tausende Unionern gaben ihre Stimme ab und wählten diese Elf:
Tor: Frederik Rönnöw
Abwehr: Ronny Nikol - Christian Stuff - Michael Parensen - Christopher Trimmel
Mittelfeld: Olaf Seier - Lutz Hendel - Damir Kreilach - Torsten Mattuschka
Angriff: Joachim Sigusch - Karim Benyamina
Mit Trimmel und Rönnow sind auch zwei aktive Spieler vertreten.
Union-Legenden: Hendel, Trimmel und Benyamina prägen die Rekordliste
Der Spieler, der am häufigsten zu einem Pflichtspiel der Eisernen im Union-Trikot auflief, ist mit großem Abstand Lutz Hendel (427 Pflichtspiele). Der Mittelfeldspieler, der auch „Meter“ genannt wurde, spielte von Juli 1977 bis Mai 1993 für die Köpenicker, wobei er in der Saison 1984/85 beim FC Vorwärts Frankfurt und Vorwärts Strausberg gastierte. Aktuell ist der derzeitige Mannschaftskapitän Christopher Trimmel hervorzuheben. Er startete seine Karriere bei Rapid Wien und wechselte im Jahr 2014 zu den Eisernen und bestritt bis zum 60. Geburtstag von Union im Januar 2026 181 Bundesligaspiele für den Klub.
Die meisten Tore für die Eisernen erzielte bisher Karim Benyamina. Der Stürmer konnte insgesamt 87 Mal den Ball im gegnerischen Tor unterbringen. Er spielte von 2005 bis 2011 bei Union und ist immer noch als Trainer in Berlin aktiv.
Eine Identifikationsfigur, die hier nicht fehlen darf, ist Torsten Mattuschka. Als treuer Kapitän, Publikumsliebling und Identifikationsfigur war er bekannt für seine Torgefährlichkeit und tiefe Verbundenheit zu den Fans, die ihm sogar eine Hymne widmeten. In seinen 298 Pflichtspieleinsätzen machte Mattuschka 70 Tore.

Abschneiden in Pokalwettbewerben: Höhepunkt war der FDGB-Pokalsieg 1968
Den wichtigsten Pokalerfolg feierten die Eisernen bereits zwei Jahre nach der Gründung des Vereins. Sie gewannen 1968 im Finale gegen den FC Carl Zeiss Jena mit 2:1 den FDGB-Pokal. Im DFB-Pokal konnte sich die Mannschaft im Jahr 2001 zwar bis ins Finale vorkämpfen. Dort verlor der damalige Regionalligist Union Berlin gegen die starken Gelsenkirchener von Schalke 04 mit 0:2. Da jedoch Schalke an der Champions League teilnahm, konnte sich Union als erste deutsche Amateurmannschaft für den Uefa‑Cup des Folgejahres qualifizieren.

Dort kamen die Köpenicker immerhin bis in Runde zwei und hatten ihren ersten größeren Pokalauftritt auf europäischer Ebene. Zu weiteren Ausflügen in den europäischen Fußball kam es erst nach dem Aufstieg in die Bundesliga. So qualifizierte man sich 2020/2021 durch Tabellenplatz sieben in der Liga für die Uefa Conference League und sammelte dort erste Erfahrungen, kam aber über die Vorrunde nicht hinaus.
Ein Jahr später startete Union sogar in der Europa League. Dort konnte man nach einer erfolgreichen Vorrunde sogar Ajax Amsterdam bezwingen, schied jedoch im Achtelfinale gegen Union Saint-Gilloise aus. Im selben Jahr erreichten die Eisernen Tabellenplatz vier in der Bundesliga und waren somit in der anschließenden Spielzeit für die Champions League qualifiziert. In der Vorrunde trat die Mannschaft gegen Real Madrid, den SSC Neapel und Sporting Braga an. Von sechs Partien verloren die Eisernen vier Spiele. Zweimal konnte ein Remis erkämpft werden. Der Auftritt in dieser Spielklasse wird den Anhängern und der Mannschaft jedoch immer in Erinnerung bleiben.

Auch im Berliner Landespokal war der Klub häufig erfolgreich. Dort treten die Amateurmannschaften der Berliner Vereine gegeneinander an. Als Erstes konnte die zweite Mannschaft der Männer den Pokal zweimal gewinnen. Danach gewann die erste Mannschaft viermal das Finale. 2006 gewannen die Union Frauen erstmals den Landespokal und konnten dies bis heute fünfmal wiederholen, letztmalig 2024.
Unioner des Jahres – die Lieblinge der Fans werden seit 1980 am Saisonende gewählt
Seit 1980 haben die Union-Fans die Möglichkeit, ihren Lieblingsspieler der vergangenen Saison in der Wahl zum „Unioner des Jahres“ zu küren. Für die Wahl erstellt der Verein inzwischen eine Liste von Nominierten, aus denen dann per Online-Wahl der Gewinner bestimmt wird. In den drei letzten Abstimmungen hatte immer der Torhüter der Eisernen, Frederik Rönnow, die Nase vorn. Zuvor hatten Kapitän Christopher Trimmel und Max Kruse die Ehre, bei der Wahl die meisten Stimmen auf sich zu vereinen. Eine Übersicht über alle „Unioner des Jahres“ findet sich hier:
Die Inhalte dieses Artikels sind in der Wochenendausgabe vor dem 60. Geburtstag des 1. FC Union Berlin als kompakte Infografikseite erschienen. Hier können Sie einen digitalen Blick darauf werfen:



