Dirk Zingler, der Präsident von Union Berlin, gab sich entspannt. Zumindest versuchte er es angesichts der Entwicklung, die es um den Ausbau der Alten Försterei in den vergangenen Tagen gegeben hat. „Dadurch, dass dieser gordische Knoten durchschlagen ist, bin ich so optimistisch wie nie“, sagte der Chef des Berliner Fußball-Bundesligisten am Dienstag.

Dieser gordische Knoten ist nichts anders als die jahrelangen Verhandlungen um ein tragfähiges Verkehrskonzept, für das zwischen Union und dem Land Berlin bislang keine Einigung erzielt werden konnte. Der Grund dafür klingt fast schon aberwitzig für eine Stadt, die sich als Weltstadt positionieren möchte: Es fehlt an Strom für die Bahn.

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„Wir haben festgestellt in den gesamtinternen Bauplanungen, dass sich die Dinge unterschiedlich schnell entwickeln“, erklärte Zingler: „In unserem konkreten Fall ist es so, dass die Infrastruktur nicht genauso schnell wächst wie wir. Wir haben in den letzten acht Jahren sehr viele Prozesse durchlebt und viele Varianten geprüft und stellen fest, dass wir nicht zueinander kommen.“

Shuttlebus-Konzept von Union Berlin wurde abgelehnt

Die Lösung lautet: Statt der geplanten 40.500 Zuschauer werden nur 34.500 Platz in der neuen Alten Försterei finden. Neben 18.800 Stehplätzen soll es dann 15.700 Sitzplätze geben. Ein von Union im Verkehrskonzept angebotener Busshuttle, den Union bereits seit vier Jahren von den S-Bahnhöfen Karlshorst und Schöneweide einsetzt, wurde abgelehnt.  

Die Alte Försterei von Union Berlin soll um eine Etage aufgestockt werden.
Die Alte Försterei von Union Berlin soll um eine Etage aufgestockt werden. © picture alliance / Bildagentur-online/Schöning | Bildagentur-online/Schöning

„Wir haben im Jahr hier 30 Vollveranstaltungen, und davon finden fünf bis zehn an kritischen Tagen wie Freitagabend statt“, sagte Zingler. Kritisch deshalb, weil der Berufsverkehr hinzukommt, der Köpenick schon an Nicht-Spieltagen massiv belastet. Angesichts des fehlenden Schienenverkehrs „wollten wir das mobil lösen. Es ist uns nicht gelungen, die Verkehrsverwaltung davon zu überzeugen“, erläuterte Zingler. Am 19. September gab es die Ablehnung.

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Für Union stellte sich nun die Frage, noch weiter mit dem Bau zu warten. Oder auch angesichts der Ausnahmegenehmigung, mit der die Köpenicker die Alte Försterei in der Bundesliga nur nutzen dürfen, am eigenen Tempo für den Ausbau festzuhalten. „Wir können nicht ins neunte, zehnte oder elfte Jahr beim Bebauungsplanverfahren gehen“, sagte Zingler.

Union Berlin will 2027 ins Olympiastadion umziehen

Union hält also am Ausbau des Stadions ab der Saison 2026/27 fest. Das Weihnachtssingen 2026 soll die letzte Veranstaltung sein, ehe Berlins größtes reines Fußballstadion eine weitere Etage erhält. Zum Weihnachtssingen 2027 soll es die Rückkehr geben. Im Kalenderjahr 2027 will Union dann im Olympiastadion spielen. Zingler: „Doch auch da gibt es noch eine Menge Gespräche, die geführt werden müssen.“

Der Baukörper, so wie Union ihn auf der Mitgliederversammlung am 3. Oktober 2024 vorgestellt hatte, wird folglich nicht verändert. Lediglich die Auslastung wird angepasst. „Wir arbeiten aber parallel gemeinsam mit dem Land Berlin daran, die verkehrliche Struktur draußen weiterzuentwickeln. Wir haben auch Interesse daran, dass unser Besuch komfortabel an- und abreisen kann“, machte Zingler deutlich.

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Der Verein sei dabei sogar bereit, sich an den Baukosten außerhalb des eigenen Stadiongeländes zu beteiligen, wie zum Beispiel bei der Errichtung einer Tram-Wendeschleife direkt am Stadion. Sowie der Verkehrsraum es aufnehmen kann, „wollen wir selbstverständlich 40.000 Zuschauer haben“, sagte Zingler.

Bahn-Strom würde 20 Millionen Euro kosten

Doch dies klingt angesichts der Probleme, die das Land Berlin hat, wie ein schlechter Traum. Allein die Heranführung des Bahn-Stroms würde zwischen 20 und 25 Millionen Euro kosten. Eine Summe, die für „uns nicht zumutbar ist“, so Zingler: „Als gemeinnütziger Verein werden wir einen vernünftigen dreistelligen Millionenbetrag investieren, um die sportliche Infrastruktur im Land Berlin zu modernisieren. Dann ist es vielleicht angemessen, dass die öffentliche Hand die verkehrliche Infrastruktur modernisiert.“

Union sei jedoch auch da bereit, sich einzubringen. „Wir haben sieben Jahre damit verbracht, zu überlegen, wo die Straßenbahnendhaltestelle hinkommt. Wir haben Beträge im siebenstelligen Bereich für Gutachten ausgegeben. Und dann wurde uns von der BVG mitgeteilt, nach viereinhalb Jahren, dass es keinen Storm gibt“, sagte der Union-Präsident.

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Auch eine engere Taktung der S-Bahn bis zum Bahnhof Köpenick ist nicht möglich – wegen zu wenig Stromkapazität. Und selbst die geringere Kapazität von 34.500 Zuschauern ist noch nicht sicher. Union muss auf Basis dieser Zahl ein neues Konzept einreichen, das erst genehmigt werden muss.

Wegner und Spranger unterstützen Union Berlin

Doch Zingler verbreitet Hoffnung: „Die politische Unterstützung ist gegeben.“ Der Klubchef habe dies in zahlreichen Gesprächen allein in den vergangenen zehn Tagen festgestellt. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sagte der Morgenpost, er habe sich über die Berichterstattung zum Stopp für Unions Stadionpläne geärgert: „Wir wollen Union helfen und für unseren Erstligaklub einen vernünftigen Rahmen schaffen.“

Auch Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) versicherte, es habe „keine Situation“ gegeben, in der der Senat gesagt habe, „dass Union seine Erweiterung nicht machen darf“. Wenn suggeriert werde, Union sei vom Senat gestoppt worden, entspreche das „nicht der Wahrheit“. Allein die Verkehrsverwaltung habe den Wunsch geäußert, das Verkehrskonzept nochmal abzusprechen. „Ich sehe keine Probleme für Union. Es ist auf sehr gutem Weg“, sagte Spranger.

„Am Ende gilt es, Realitäten in unserer Stadt zu akzeptieren. Wir tun das“, machte Union-Boss Zingler deutlich. Dass ihm das nicht immer gefällt, war ihm bei aller Entspanntheit am Dienstag dennoch anzumerken.

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