Es brauchte einen Zweikampf, um zu demonstrieren, wer der Chef auf dem Platz ist. Während des Trainingsspiels zum Start in die Bundesliga-Woche wurde Christopher Trimmel energisch von Andras Schäfer attackiert. Sekunden später widmete sich der Kapitän von Union Berlin wieder der Partie, derweil der Ungar einen Moment brauchte, um das Tackling zu verarbeiten.

Später am Dienstag, als die erste Trainingseinheit vor dem Spiel beim VfL Bochum am Sonntag (15.30 Uhr, DAZN) nach gut einer Stunde beendet war, war Trimmel ein gefragter Mann bei den gut 500 Fans, die sich bei Union eingefunden hatten. Jeder Wunsch wurde erfüllt, ob Autogramm, Selfie oder Gruppenfoto. Auch das ist Christopher Trimmel.

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Vor dem Spektakel gegen den VfB Stuttgart (4:4), das am vergangenen Sonnabend den Klassenerhalt gebracht hatte, hatte der Österreicher seinen Vertrag bei Union um ein weiteres Jahr verlängert. Der Rekordspieler der Köpenicker (356 Einsätze für Union) geht an der Alten Försterei in seine zwölfte Saison. Und geht trotz erreichtem Saisonziel weiter voran.

Trimmel will mit Union Berlin nicht locker lassen

„Die erfahrenen Spieler sind jetzt gefordert, dass wir nicht lockerlassen. Wir sind keine Mannschaft, die vier Tage auf Mallorca feiert, dann haben wir Abschlusstraining und gehen ins Spiel. So etwas machen wir nicht. Wenn du das bis zum Schluss durchziehst, ist das eine Stärke von uns“, sagte Trimmel am Dienstag in einer Medienrunde.

Dass Union bereits vier Spieltage vor Schluss den Klassenerhalt geschafft hat, „freut mich nicht nur für die Mannschaft, sondern für den gesamten Verein“, erklärte der Union-Kapitän, „ich weiß, wie schwierig es ist für den Verein, für die Zweite Liga zu planen. Das erleichtert vieles.“ Und Trimmel hatte großen Anteil daran, dass Union in sein siebtes Bundesliga-Jahr gehen kann.

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Der 38 Jahre alte Profi hatte sich in den vergangenen Monaten deutlich aus der Öffentlichkeit genommen, um sich voll und ganz auf den Fußball konzentrieren zu können. Dabei hat auch eine Rolle gespielt, dass seine Vertragsverlängerung bereits unter Dach und Fach gewesen ist.

Union Berlin wollte früh Klarheit mit Trimmel

„Ich spreche sehr offen mit dem Verein über solche Dinge“, erzählte Trimmel, „die ersten Gespräche gab es im Dezember. Ich wusste aber, dass mit dem Trainerwechsel sehr viel Druck und Stress auf dem Verein lag.“ Deswegen wurden die Gespräche in der Wintertransferperiode auf Eis gelegt. „Es kam dann schon das Signal vom Präsidenten, dass ich bleiben soll. Nur den Zeitpunkt, wann wir es veröffentlichen, haben wir abgewartet.“

Trimmel war wichtig, dass der Verein, in diesem Fall in Person von Klubchef Dirk Zingler, „ein Zeichen setzt. Man muss sich in meine Lage versetzen. Ich bin 38, und es gibt immer auch andere Vereine, wo ich professionell Fußball spielen könnte. Im schlechtesten Fall sagt mein Verein, die Option wird nicht gezogen. Und wenn du dann keinen neuen Verein findest, ist es vorbei.“

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Es ist kein Geheimnis, dass Rapid Wien schon vor dieser Saison Interesse an einer Rückkehr von Trimmel gezeigt hatte. Von Rapid war Trimmel im Sommer 2014 an die Alte Försterei gewechselt. „Wenn man nicht mehr mit mir geplant hätte, dann wäre es schön gewesen, wenn ich schon in der Winterpause Bescheid gekommen hätte“, sagte Trimmel, „doch Union hat es sehr gut gemacht, indem sie sehr früh die Signale gegeben haben. Ich bin kein Spieler, der irgendwas geschenkt haben möchte.“

Trimmel will mit 40 Jahren aufhören. Bei Union Berlin?

Dass er zuletzt wie gegen Stuttgart mit drei Standardsituationen, die zu Toren geführt haben, glänzen konnte, „macht mich megahappy. Meine Leidenschaft sind ja auch die Standardsituationen.“ Dieses Comeback, nachdem er sowohl unter Ex-Trainer Bo Svensson als auch unter dessen Nachfolger Steffen Baumgart nicht immer zur Startelf gehört hatte, fußt auch auf entsprechender Ernährung.

„Die Regenerationszeit ist länger, aber man kann gut mit Ernährung entgegenwirken“, erklärte Trimmel: „Es hat schon Auswirkungen, wie du dich an den Tagen vor und nach dem Spiel ernährst. Mittlerweile schaue ich da schon mehr drauf, weil die Belastung höher geworden ist.“ Darüber hinaus ist „Bewegung für mich immer wichtig, das ist für mich besser, als wenn ich nur zu Hause rumliege.“

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Dank seiner Hunde hat er auch kaum eine andere Wahl, als immer wieder rauszugehen. „Die Hunde drängen mich raus, manchmal vielleicht ein bisschen zu früh. Aber ich bin tatsächlich nicht der Typ, der gern auf der Massagebank liegt.“ Und der Rechtsverteidiger verrät sein großes Ziel: „Ich habe im Kopf, mit 40 aufzuhören. Jetzt habe ich ein Jahr verlängert, jetzt muss ich wieder liefern.“

Bochum ist die nächste Herausforderung für Union Berlin

Was er sich für die kommende Saison wünscht? „Der Klassenerhalt wird wieder das große Ziel sein, das ist nicht nur irgendein Gelaber“, macht Trimmel deutlich. Der Union-Kapitän fordert noch mehr von sich und seinen Teamkollegen. „Ich würde mir wünschen, dass wir weniger Schwächephasen haben. Wir haben in den letzten zwei Saisons zu lange gebracht, um da wieder rauszukommen.“

Trimmel will gut arbeiten, von Spiel zu Spiel, und sich nicht beeinflussen lassen von irgendwelchen Dingen außerhalb des sportlichen Bereichs. „Das beste Beispiel ist die nächste Herausforderung Bochum. Wir sind fix durch, wollen aber weitermachen. Da erwarte ich viel von uns.“ Es steht außer Frage, dass er bei Union Berlin ein weiteres Mal mit gutem Beispiel vorangehen wird.

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