„Es war ein geiles Fußballspiel. Ich habe ihnen in der Pause aber gesagt, es wäre schön, wenn es nicht mehr so geil wäre.“ Kurz und knapp gab Steffen Baumgart, der Trainer von Union Berlin, die Erklärung dafür, warum das 200. Bundesliga-Spiel für die Köpenicker vor allem in der ersten Halbzeit so außergewöhnlich gewesen ist – nicht nur wegen des Klassenerhalts, der nach dem 4:4 (4:4) gegen den VfB Stuttgart nun definitiv feststeht.
Aufgrund eines Spektakels in den ersten 45 Minuten, die es so in der Bundesliga noch nicht gegeben hatte, ist vollbracht, was vor sieben Wochen nach dem Kiel-Desaster (0:1) noch undenkbar schien. Union spielt auch in der kommenden Saison im Oberhaus. „Am Ende war es das Hauptziel heute, über den Strich zu kommen. Das haben wir geschafft. Das ist auch das, was am meisten zählt heute“, so Baumgart.
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Am Ende stand die Mannschaft vor dem Fanblock und bejubelte das erreichte Saisonziel. Mittendrin: Christopher Trimmel, den die Fans schon vor dem Anpfiff frenetisch gefeiert hatten. So eine Vertragsverlängerung, die einen Profi ins zwölfte Jahr bei einem Klub gehen lässt, gibt es schließlich nicht alle Tage im schnelllebigen Profigeschäft. Also stimmte die Waldseite in der Alten Försterei gut 20 Minuten vor dem Anpfiff laute „Christopher Trimmel“-Sprechchöre an.
Die Fans von Union Berlin feiern Trimmel
Als Minuten später die Mannschaftsaufstellung verlesen wurde, donnerte das „Fußballgott“ lauter denn je durch das Stadion. Und doch sollte dies nur die Ouvertüre sein zu einem 100. Bundesliga-Heimspiel, an das man sich bei Union ohne Zweifel noch lange erinnern wird.
Acht (!) teils unfassbare Tore in der ersten Halbzeit, dazu zwei Mannschaften, die sich spätestens nach 20 Minuten gar nicht mehr um irgendwelche taktischen Vorgaben scherten – auf den Rängen schaute man sich zur Pause nur noch staunend an. Der eine oder andere brauchte trotz kühler Witterung ein Kaltgetränk, um den Irrsinn auf dem Rasen zu verarbeiten.
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Praktisch jeder Schuss, der auf die Tore ging, war auch drin. Die Torhüter waren mehr oder weniger machtlos. Frederik Rönnow auf Seiten von Union konnte nur einmal eingreifen (gegen Angelo Stiller, 42.). Ansonsten schimpfte er mit seinen Vorderleuten, angesichts der vier Gegentore auch nachvollziehbar. „Als Innenverteidiger wünscht man sich natürlich nicht, dass man vier Gegentreffer kassiert“, sagte Abwehrmann Leopold Querfeld, „aber ich glaube, wir Verteidiger waren auch ziemlich beteiligt daran, dass wir vier Tore geschossen haben. Die erste Halbzeit ist schwer in Worte zu fassen.“
Trimmel hat seinen 356. Einsatz für Union Berlin
Es passte zu einem Abend voller Rekorde, dass mit Trimmel Unions-Rekordspieler in seinem 356. Einsatz für die Köpenicker das Spektakel auch noch eröffnete. Eine Ecke des Kapitäns führte zum 1:0 durch Andrej Ilic (5.), ein Freistoß des Rechtsverteidigers zum 2:0 durch Diogo Leite (19.). Noch zu Jahresbeginn hatte man bei Union nach jemandem gefahndet, der überhaupt mal ein Tor schießt.
Doch es war auch der Moment, in dem der DFB-Pokalfinalist aus Stuttgart auch endlich am Spiel teilnahm. Deniz Undav verkürzte nach klugem Pass von Maximilian Mittelstädt (23.) aus 20 Metern. Enzo Millot glich mit einem herrlichen Schlenzer aus 24 Metern aus (29.), nachdem er Union-Verteidiger Diogo Leite abgeschüttelt hatte.
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Dann kam Leopold Querfeld und setzte noch einen drauf. Aus gut und gerne 35 Metern. Oben rechts ins Eck. 3:2 für Union, ein wahres Tor des Monats (39.). Ekstase in der Alten Försterei – und die kalte Dusche nur wenig später. Julian Chabot köpfte nach einem Eckball das 3:3 (43.), danach ließ Chris Führich erst Trimmel ins Leere rutschen, ehe er zum 3:4 abschloss. (45.).
Ilic trifft doppelt für Union Berlin
Doch erst Ilic machte mit dem 4:4 in der fünften Nachspielminute der ersten Halbzeit den Wahnsinn perfekt. Acht Tore vor dem Seitenwechsel, das hat es in nun knapp 62 Jahren Bundesliga noch nicht gegeben. Und es war klar, dass es so nicht weitergehen würde.
Tatsächlich achtete Union nach der Pause mehr auf das eigene Defensivverhalten. Die Folge waren noch mehr Ballbesitz für Stuttgart, noch mehr Aufwand beim VfB, jedoch auch ebenso wenig Ideen, wie man die Köpenicker knacken kann. Dennoch wurde jetzt die fußballerische Qualität der Stuttgarter immer deutlicher.
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Erinnerungen wurden wach an das Relegationsrückspiel vor knapp sechs Jahren, mit dem sich Union Berlin gegen die Stuttgarter in die Bundesliga kämpfte. Nur selten gab es Entlastung, wie durch den eingewechselten Marin Ljubicic (86.). Doch das eiserne Bollwerk hielt wie seinerzeit. Zur Belohnung gab es den Klassenerhalt.








