Auf Rechenspiele wollte sich Steffen Baumgart noch nicht einlassen. „Ich fange jetzt nicht an, etwas zu erzählen, bis auf die Tatsache, dass wir elf Punkte Vorsprung haben und das bei noch möglichen 18 Punkten. Das ist ganz okay. Trotzdem wissen wir, wie schnell es im Fußball geht. Die Wette, dass wir nach dem Kiel-Spiel zehn von zwölf möglichen Punkten holen, wäre keiner eingegangen“, sagte der Trainer von Union Berlin nach dem 1:0 (0:0) gegen den VfL Wolfsburg.

Mit dem dritten Sieg in den vergangenen vier Partien und eben jenen elf Punkten Abstand zum Relegationsplatz sollten sich die Köpenicker der allergrößten Abstiegssorgen in der Fußball-Bundesliga entledigt haben. Entsprechend groß war der Jubel unter den 22.012 Zuschauern in der Alten Försterei nach dem Abpfiff. Die Profis wurden von den Fans wie so oft mit Gesängen gefeiert. Dieser Gesang wirkte nun ein wenig befreiter als noch in den Wochen zuvor.

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„Wir sind natürlich noch im Abstiegskampf“, sagte Benedict Hollerbach, Schütze des entscheidenden Tores, „aber wir sind froh über die Ausgangslage. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, das muss man ganz klar so sagen.“ Union habe nach der Heimniederlage gegen Kiel (0:1), „eine Weltklasse-Reaktion gezeigt. Das sagt viel über die Mentalität der Mannschaft aus, dass nicht emotional reagiert wird, sondern jeder bei sich bleibt.“

Schäfer rückt in die Startelf von Union Berlin

Die Frage, ob Tim Skarke den verletzten Wooyeong Jeong (Saison-Aus nach Operation am linken Knöchel) in der Startformation ersetzen würde, beantwortete Trainer Baumgart mit András Schäfer. Er hatte den Ungarn in der Pressekonferenz vor dem Spiel praktisch schon angekündigt. Ansonsten startete das Team, das vor einer Woche in Freiburg (2:1) gewonnen hatte.

Union zeigte von der ersten Minute an eine Zielstrebigkeit, die man lange an der Alten Försterei vermisst hatte. Hollerbach scheute keinen Laufweg, im Mittelfeld wühlte sich Janik Haberer durch jeden Zweikampf und Schäfer setzte nach, wo er nur konnte. Einziges Manko: Die Köpenicker erzielten kein Tor.

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Chancen dafür gab es genug. Leopold Querfeld köpfte schon in der zweiten Minute an den Pfosten des Wolfsburger Tores. Andrej Ilic traf vier Meter vor dem Tor den Ball nicht richtig (17.), Haberers Schuss völlig frei aus 14 Metern wurde von VfL-Torwart Kamil Grabara entschärft (22.). Schließlich versuchte es Hollerbach nach herrlichem Alleingang (25.). Union war Herr im Haus.

Union Berlin zeigt viel Selbstvertrauen

Ohne Frage hatten die Spiele in Frankfurt (2:1), gegen die Bayern (1:1) und in Freiburg (2:1) für ordentlich Selbstvertrauen gesorgt. Für zu viel Selbstvertrauen? Diese Sicherheit in der Defensive, die die Köpenicker zuletzt ausgezeichnet hatte, war gegen Wolfsburg nicht vorhanden.

Querfelds völlig verunglückten Rückpass nach fünf Minuten erlief Mohammed Amoura, Frederik Rönnow musste im Union-Tor das erste Mal eingreifen. Spätestens nach einer halben Stunde war die Partie mindestens ausgeglichen. Rönnow war beim Schuss von Patrick Wimmer zur Stelle (26.) und wenig später zusammen mit Diogo Leite in höchster Not, als Amoura und Wimmer vor dem Tor auftauchten (35.).

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Einen Wermutstropfen gab es auch noch, als Ilic plötzlich nach einem Kopfball zunächst humpelte, dann auf den Rasen sank, sich das rechte Knie hielt und schließlich ausgewechselt werden musste. Winterzugang Marin Ljubicic ersetzte ihn (39.). „Es war Knie an Knie, und dann konnte er sich nicht mehr gut bewegen und hat signalisiert, dass es nicht mehr weitergeht“, hofft Coach Baumgart, dass der Stürmer sich nur eine Prellung zugezogen hat.     

Hollerbach trifft für Union Berlin

Doch es war ein anderes Spiel nach dem Seitenwechsel. Wolfsburg agierte nun organisierter vor dem eigenen Tor und Union mühte sich, um eine Lösung zu finden. Rönnow hielt seine Mannschaft dabei mit einer überragenden Arm-Abwehr gegen Jakub Kaminski im Spiel. Der Wolfsburger hatte zuvor drei Unioner einfach düpiert (52.).

Es passt zur Entwicklung der Mannschaft in den vergangenen Wochen, dass sie inzwischen in der Lage ist, auch Lösungen in der Offensive zu finden. Einen Kopfball von Haberer vor das Tor erlief der unermüdliche Hollerbach. Und in Stürmermanier drückte er den Ball zum 1:0 für Union über die Linie (63.). Der Treffer wurde vom Videoschiedsrichter noch überprüft, doch Querfelds leichter Schubser gegen Jonas Wind war für Schiedsrichter Harm Osmers kein Grund, den Treffer nicht zu geben.

Wolfsburg erhöhte den Druck, Union Berlin hielt eisern dagegen und versuchte, über Konter zum Erfolg zu kommen. So wie in der 76. Minute, als Hollerbach und Juranovic sich auf den Weg zum zweiten Tor machten, jedoch nur bis zum Strafraum kamen. Am letztlich verdienten Sieg für die Köpenicker änderte dies jedoch nichts, auch weil Ex-Unioner Kevin Behrens es schaffte, den Ball aus einem Meter über das Tor zu bugsieren (89.).

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