„Natürlich ist es verdammt ernst. Es ist schon seit Wochen ernst. Jedem ist die Situation bewusst. Wir fühlen uns natürlich nicht wohl, hatten einen sehr guten Saisonstart und haben dann sehr schnell verdammt stark nachgelassen“, sagte Rani Khedira, Mittelfeldspieler von Union Berlin: „Das Punktepolster wird geringer. Und wir wollen es ändern, mit aller Macht.“

Den Worten, die der Kapitän des Berliner Fußball-Bundesligisten wählte, schwang fast schon etwas Flehendes mit. Sie hätten auch gut als Motivation zum Heimspiel gegen Holstein Kiel getaugt. Nun war das Statement, das Khedira nach dem 0:1 (0:1) gegen den Aufsteiger am Sonntagnachmittag abgab, der Versuch, eine Situation zu erklären, die sich mehr und mehr zuspitzt.

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„Ich glaube, dass die Jungs viel versucht haben. Aber es fehlte die absolute Durchschlagskraft“, bilanzierte Unions Trainer Steffen Baumgart einen gebrauchten Sonntag: „Wir haben uns viele Standardsituationen erarbeitet und auch viele Flanken geschlagen. Dennoch hatte ich nicht das Gefühl, dass wir die klarsten Chancen hatten.“ So stand unter dem Strich Kiels erster Auswärtssieg in der Bundesliga überhaupt – und für Union ein enormer Rückschritt im Kampf um den Klassenerhalt.

Urteil des DFB-Bundesgerichts hat Auswirkungen auf Union Berlin

Über diesem Spiel schwebte das Urteil des DFB-Bundesgerichts vom Freitag, das den Punktabzug aus dem Skandalspiel gegen den VfL Bochum bestätigt hatte. Das Präsidium des Klubs, angeführt von Präsident Dirk Zingler, hatte diese Entscheidung massiv kritisiert.

„Das laufende Verfahren lässt erkennen, dass die Rechtsorgane des DFB ihrem Sanktionsbegehren gegenüber Zuschauern, also Menschen außerhalb dieses Wettbewerbs, den Vorrang geben vor ihrem eigentlichen Auftrag, den sportlichen Wettbewerb und die teilnehmenden Klubs zu schützen“, heißt es dort: „Dieser für den Sport gefährlichen Entwicklung müssen und werden wir uns mit allen verfügbaren rechtlichen Mitteln entgegenstellen.“

Bochums Trainer Hecking findet Urteil mehr als gerecht

Zingler hat bereits am Freitag angekündigt, das Ständige Schiedsgericht für Vereine und Kapitalgesellschaften anzurufen. Dort wird dann in letzter Instanz über die Rechtmäßigkeit dieses Urteils entschieden. Dass das Schiedsgericht dieses Urteil jedoch einkassiert, darf bezweifelt werden.

Bochums Trainer Dieter Hecking hatte das Urteil im ZDF-Sportstudio als „mehr als gerecht“ bezeichnet: „Ich sage einfach: Wenn es in deutschen Stadien üblich werden wird, dass Spieler, Schiedsrichter, Linienrichter beworfen werden dürfen, ohne dass es Folgen hat, dann können wir den Laden zumachen.“

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Er verwies dabei auf die Partie der Bochumer gegen Mönchengladbach vom März 2022, als ein Bochumer Fan Schiedsrichter-Assistenten Christian Gittelmann mit einem Becherwurf verletzt hatte. Die Partie wurde abgebrochen und mit 2:0 für Gladbach gewertet.

Union Berlin brauchte ein Erfolgserlebnis gegen Kiel

Was von Hecking dabei übersehen wurde: Unions Duell gegen Bochum wurde nach dem Feuerzeugwurf und einer gut 25 Minuten langen Unterbrechung ordnungsgemäß beendet. Ein Fakt, den auch die Sportgerichte des DFB bei der Auslegung der Rechts- und Verfahrensordnung nicht berücksichtigten.

Allein die Gemengelage zum Skandalspiel gegen Bochum zeigt, wie wichtig für Union ein Erfolgserlebnis gegen Kiel gewesen wäre – für die Stimmung im Verein, für den Glauben an den Klassenerhalt und für das Klima zwischen Trainer Baumgart und der Mannschaft.

Schon vor dem Spiel, beim Warmmachen rund 40 Minuten vor dem Anpfiff, skandierten die Fans „Kämpfen und Siegen“. Es galt, nach dem 0:6-Debakel vor einer Woche in Dortmund wieder aufzustehen.

Ljubicic gibt sein Startelf-Debüt für Union Berlin

Baumgart brachte dafür Leopold Querfeld und stellte für mehr Stabilität defensiv auf Dreierkette um. Das gelang bis zum 0:1 durch Armin Gigovic, der den großzügigen Raum im Union-Strafraum nach 43 Minuten zu nutzen wusste. Welch eine Nachlässigkeit in den Reihen der Köpenicker.

Außerdem gab Marin Ljubicic sein Startelfdebüt. Der Stürmer sollte für mehr Torgefahr sorgen. Das wiederum gelang auch nach dem Rückstand nicht. Ja, Union investierte einiges, vor allem über die Außenbahnen mit Benedict Hollerbach und Wooyeong Jeong lief viel, allerdings auch viel ins Leere.

Weil dann auch noch eine Flanke nach der nächsten vor das Holstein-Tor wirkungslos verpuffte, brauchte es ein Fast-Eigentor, um Unions größte Torchance vor der Pause zu dokumentieren. Max Geschwill prüfte seinen eigenen Torwart Timon Weiner (12.).

Union Berlin nach der Pause mit Ilic statt Ljubicic

Nach der Pause ersetzte Andrej Ilic den wirkungslosen Ljubicic. Später kamen mit Laszlo Benes (für Jeong), Tim Skarke (für Hollerbach) und Kevin Volland (für Tousart) frische Offensivkräfte. Bemerkenswert war, dass Kiel dennoch torgefährlicher blieb – und am Ende verdient gewann.

Nach dem Abpfiff feierten die Kieler Fans ihre Mannschaft ausgelassen. Bei den Union-Anhängern unter den 22.012 Zuschauern herrschte für einige Minuten komplette Leere. Erst langsam war ein fast trotziges „Eisern Union“ zu vernehmen. Als die Profis von Union Berlin nach ihrer obligatorischen Ehrenrunde vor dem eigenen Fanblock auf der Waldseite ankamen, schallte ihnen ein lautes „Mit aller Gewalt – Klassenerhalt“ entgegen.

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Es folgte ein nicht weniger lautes „Aufwachen“ aus dem Fanblock. Deutlicher lässt sich nicht dokumentieren, wie es um Union Berlin Anfang März 2025 in der Bundesliga bestellt ist.