Weltweite Krisen gibt es leider immer mehr. Doch was genau ist eine Krise, und wer kümmert sich darum, wenn Deutsche im Ausland davon betroffen sind? Der Krisenbeauftragte im Auswärtigen Amt, Markus Potzel, koordiniert die Maßnahmen der Bundesregierung und ist Bindeglied zu den deutschen Auslandsvertretungen und Regierungen im Ausland. Im Interview erklärt er seine Aufgaben – und was eine Krise überhaupt ist.
Markus Potzel arbeitet in einem Sicherheitsbereich, im Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amtes, im denkmalgeschützten Tresor des ehemaligen Reichsbank- und SED-Zentralkomitee-Gebäudes in Mitte. Er beschäftigt sich täglich mit weltweiten Ereignissen, unterstützt von einem rund 40-köpfigen Team, das sich aus Mitarbeitern des Auswärtigen Amtes, des Verteidigungsministeriums, des Bundeskriminalamtes, von Nachrichtendiensten und anderen Behörden zusammensetzt.
Aber was macht Ereignisse überhaupt zu einer Krise? Eine Krise ist „ein Zustand, der – hervorgerufen durch ein meist unvorhergesehenes Ereignis – von der Routine abweicht und Gefahr für Leib und Leben von Menschen mit sich bringt“, erklärt Markus Potzel. „Im Extremfall geht damit der Verlust von Stabilität in Ländern oder auch Regionen einher.“
In seinem Bereich „geht es darum, Menschenleben zu retten. Immer dann, wenn es gelingt, Deutschen in Not zu helfen und zum Beispiel die sichere Ausreise aus einem akuten Krisengebiet wie im Sommer aus dem Südsudan zu ermöglichen, dann ist das ein sehr schöner Moment.“ Das sind Höhepunkte einer anstrengenden und oft schwierigen Arbeit.
Markus Potzel hat Iranistik und Anglistik an der Berliner Humboldt-Universität studiert. Sein erster Auslandsposten war an der deutschen Botschaft in Singapur, später arbeitete er in Teheran und als deutscher Botschafter in Kabul. Im August wurde er Krisenbeauftragter hier in Berlin. Auch wenn nicht immer eine Krise ist, „muss man immer darauf vorbereitet sein, dass in jedem Augenblick eine Krise ausbrechen kann. Das ist wie bei der Feuerwehr.“ Entsprechend müssen viele Vorsorgemaßnahmen getroffen werden.
Was passiert, wenn eine Krise ausbricht?
Er liest deshalb auch sehr viel, damit er und sein Team vorbereitet sind, wenn sich Krisen anbahnen oder ausbrechen. Der Anschlag auf das deutsche Generalkonsulat in Masar-e Sharif am 10. November hat ihn persönlich besonders berührt. Auch wenn mit viel Glück keiner seiner Kollegen zu Schaden kam, sagt Markus Potzel: „Es hat mich sehr getroffen, da ich viele Mitarbeiter dort sehr gut kenne. Da habe ich lange keinen Schlaf gefunden.“
Zuletzt erklärt der Beauftragte, was passiert, wenn eine Krise ausbricht. „Zuerst gehen die Meldungen im Lagezentrum des Auswärtigen Amtes ein, das rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche besetzt ist. Dort wird eine Meldekette in Gang gesetzt, an der ich beteiligt bin. Je nach Schwere der Krise werden umgehend die Staatssekretäre und der Außenminister benachrichtigt.“ Sobald dies abgeschlossen ist, wird ein Krisenstab eingerichtet, „dem abhängig von der Art der Krise Vertreter weiterer Ministerien und Behörden angehören“. Von dort werden alle notwendigen Maßnahmen koordiniert, Aufgaben verteilt und notfalls Teams zur Unterstützung vor Ort entsandt.
Die Priorität des Krisenstabs ist es immer, das Leben deutscher Staatsangehöriger zu retten. Damit diese sich auch vor Reisen informieren können, werden Reise- und Sicherheitshinweise für alle Länder herausgegeben und laufend angepasst. In Krisenlagen, in denen deutsche Touristen betroffen sind, wird ein Telefon-Pool eingerichtet, „um besorgten Angehörigen Auskunft geben zu können“.
Tim Strieben, Klasse 8DN, Berlin International School, Dahlem



