Ausflugs-Tipp

Lichterfelde - Unter den Schwingen des Ikarus

Über Kopfsteinpflaster durch die Parks und Villengegenden von Lichterfelde: Unser Spaziergang beginnt am S-Bahnhof Botanischer Garten und verläuft vorbei am Lilienthal-Denkmal von Peter Breuer.

Foto: Kirsten Schiekiera

So viel Kopfsteinpflaster wie in den Villenvierteln von Lichterfelde gibt es vermutlich nicht noch einmal in Berlin. Asphaltiert scheinen hier nur die Hauptstraßen zu sein. Der alte Straßenbelag lässt die historischen Villen und Fachwerkhäuser noch verwunschener und romantischer aussehen. Unser Spaziergang beginnt am S-Bahnhof Botanischer Garten. Wer zusätzlich einen Abstecher zu den Gewächshäusern und Beetanlagen machen möchte, der sei an dieser Stelle gewarnt. Der Botanische Garten ist einen eigenen Ausflug wert und außerdem liegt sein Haupteingang einen kleinen Fußmarsch weit entfernt.

Wir spazieren in die andere Richtung in die Enzianstraße, die nach wenigen Minuten Fußweg in die Moltkestraße übergeht. Das ehemalige Dorf Lichterfelde wurde wahrscheinlich im 13. Jahrhundert von flämischen Siedlern gegründet. Im Jahre 1865 kaufte der Hamburger Johann Anton Wilhelm Carstenn die ehemals verschuldeten Landgüter Lichterfelde und Giesensdorf, um dort für wohlhabende Bürger eine Villenkolonie errichten. Auf der linken Seite der Moltkestraße liegt der Friedhof Lichterfelde mit seinem hübsch verzierten Eingangstor, der 1876 als Teil der Carstennschen Villenkolonie entstand.

Noch immer gehört die Gegend hier zu den begehrtesten Wohnlagen Berlins. Nach wenigen Minuten erreichen wir den Ludwig-Beck-Platz, auf dem dienstags, freitags und sonnabends Wochenmarkt ist. In der Mitte des Platzes befindet sich ein Brunnen, auf dessen Spitze die Wappen von Steglitz, Lichterfelde und Lankwitz angebracht sind. Rechts hinter dem Brunnen sieht man eine alte Bedürfnisanstalt aus dem Jahr 1908. Vor einigen Jahren wurde das historische Toilettenhäuschen restauriert, jetzt gehört es zu den letzten seiner Art in Berlin. Die Moltkestraße endet am Hindenburgdamm – und mit ihr auch kurzfristig die Idylle.

Gutshaus im Schlosspark

Wir überqueren die stark befahrene Straße an der Fußgängerampel und erreichen den Südeingang des Klinikums Benjamin Franklin, vor dem wir nach rechts einbiegen. Unser nächstes Ziel ist des Schlosspark Lichterfelde, durch den sich geschwungene Wege um das Gutshaus Lichterfelde winden. Der Park mit seinen hohen Bäumen ist ein Rest eines alten Auenwaldes. Vermutlich wurde das Gutshaus um 1780 herum erbaut, sicher ist nur, dass Anton Wilhelm Carstenn nach allerlei Umbauten um 1865 hier einzog. In dem Haus ist heute das Stadtteilzentrum Steglitz untergebracht.

Wer sich ein wenig links hält und den Stimmen der Fußgänger folgt, landet an der Paul-Schwarz-Promenade. Rechts hinter der ersten Brücke sieht man hinter einem Zaun ein düsteres Gebäude, das von seiner Form an einen gestrandetes Kreuzfahrtschiff erinnert. Es ist die Forschungseinrichtung für experimentelle Medizin der Charité. Wir überqueren den Krahmersteg und landen auf der anderen Seite des Kanals in einer länglichen Parkanlage, die uns zum Lilienthal-Denkmal von Peter Breuer aus dem Jahr 1914 führt. Eine Ikarus-Figur erinnert an Otto Lilienthal, der im Alter von 48 Jahren mit einer selbstkonstruierten Flugapparatur tödlich verunglückte. Der Flugpionier lebte bis zu seinem Tod in unmittelbarer Nähe, in der Boothstraße. Zurück geht es über die Bäkebrücke in Richtung Hindenburgdamm.

Unser nächstes Ziel ist die Ringstraße, mit dem Backsteinbau des Lilienthal-Gymnasiums auf der rechten Seite. Ansonsten wird das Bild dieser Straße hauptsächlich von alten Villen geprägt, die Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Viele von ihnen haben Türmchen, Erker und Holzschnitzereien. In der Holbeinstraße, in die wir nach rechts einbiegen, sieht man zwei Häuser mit Fachwerkfassaden. Über die Memlingstraße erreichen wir den runden Augustaplatz mit einem Ensemble aus mehrstöckigen Häusern, die zwischen 1891 und 1898 erbaut wurden. Hier liegt das Grundstück des Polizeiabschnitts 45, dahinter befindet sich das abgeschirmte Gelände des Bundesnachrichtendienstes. Die Manteuffelstraße, die vom Platz abgeht, führt uns zurück zur Moltkestraße und zu unserem Ausgangspunkt.