Ausflugs-Tipp

Neuruppin – Einmal in die Heimat Theodor Fontanes und zurück

Ein Besuch von Neuruppin lohnt zu jeder Jahreszeit: Alle Wege scheinen ans Wasser zu führen und auch ein Besuch der geschichtsträchtigen Altstadt mit seinem einzigartigen Stadtbild hat seinen Reiz.

Foto: v / TMB Fotoarchi

Es ist heute der Tag, an dem in Berlin wegen des Marathons viele Straßen gesperrt sind. Deswegen befasst sich der Ausflugstipp mit Brandenburg, genauer mit der Heimat Theodor Fontanes.

Alle Wege scheinen ans Wasser zu führen. Überall im Stadtkern von Neuruppin sieht man Schilder, die Fußgänger und Autofahrer an die Seepromenade lotsen wollen. Doch bei unserem Ausflug in die alte Garnisonsstadt zieht es uns zunächst einmal in die Innenstadt. Wir starten am Hauptbahnhof „Rheinsberger Tor“. Die Regionalzüge, die zwischen Berlin-Henningsdorf und Wittenberge verkehren, kommen meist zeitgleich zur halben Stunde an. Abgesehen von den Stoßzeiten wochentags, wenn viele Pendler unterwegs sind, geht es auf dem kleinen Hauptbahnhof sehr ruhig zu. Wir verlassen den Bahnsteig und biegen nach rechts in die Karl-Marx-Straße.

In Neuruppin sind Straßen und Bürgersteige außergewöhnlich breit, kaum ein Haus hat mehr als zwei Stockwerke. So wirkt das Straßenbild heller als andernorts. Die Stadt, deren Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht, brannte 1787 nach einem Feuer in einer Scheune fast vollständig ab. Hunderte von Häusern und Ställen, aber auch Kirchen und das prinzliche Palais wurden zerstört. Beim Wiederaufbau, der bis 1803 dauerte, wurde ein Straßensystem mit großen Plätzen geschaffen: Ordentlich, rechtwinklig und übersichtlich.

Doch nicht jedem gefiel das außergewöhnliche Stadtbild. Theodor Fontane, der in Neuruppin geboren wurde, schrieb einmal, dass die Stadt wie ein zu groß geratener Anzug wirke, in den der Träger wohl niemals hineinwachsen werde. Auch wenn Fontane mit seiner Geburtsstadt oft haderte: Er und Karl Friedrich Schinkel sind die wichtigsten Söhne der Stadt und werden bis heute verehrt. Seit 2002 trägt Neuruppin den offiziellen Beinamen Fontanestadt.

Der schiefe Turm der Kulturkirche

Wir folgen der Karl-Marx-Straße und passieren kleine Seitenstraßen. Wenn man in sie hineinschaut, erkennt man immer wieder Reste des alten Stadtwalls, der im Mittelalter die Stadt umschloss und vor Angreifern schützte. Hinter der Virchowstraße erreichen wir das Amtsgericht, das eines der größten im Land Brandenburg ist. Direkt gegenüber liegt die Pfarrkirche, die zwischen 1801 bis 1806 nach Plänen von Philipp Bernard Francois Berson erbaut wurde. Mit ihrer Weihe am 23. März 1806 war der Wiederaufbau Neuruppins abgeschlossen. Wenn man ganz genau hinschaut, erkennt man, dass der Turm ein wenig schief ist.

Der Grund dafür ist eine fehlerhafte Dachkonstruktion. Heute wird die Pfarrkirche meist Kulturkirche genannt. Sie ist der wichtigste Veranstaltungsort der Stadt. Auf dem Platz hinter der Kirche befindet sich das Schinkel-Denkmal. Beim Blick in die Schinkelstraße, die kurz darauf die Karl-Marx-Straße kreuzt, sieht man außerdem das Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr. Es wirkt, als sei hier die Zeit zumindest seit einem halben Jahrhundert stehen geblieben. Die Löschwagen sind hinter altmodischen roten Kassettentüren aus Holz verborgen. Nach etwa zehn Minuten, gleich hinter der Schinkelstraße, erreichen wir Theodor Fontanes Geburtshaus an der Karl-Marx-Straße 84. Heute befindet sich die Löwen-Apotheke in dem Gebäude. Besucher können es nur von außen besichtigen.

In die Präsidentenstraße biegen wir rechts ab und erreichen nach etwa 100 Metern den Tempelgarten, einen der schönsten und ruhigsten Plätze Neuruppins. Um 1735 wurde die Anlage mit dem Apollotempel und vielen Putten und mythischen Statuen für Friedrich den Großen angelegt.

Danach gehen wir zurück zur Karl-Marx-Straße und kommen am Bernhard-Brasch-Platz vorbei, der zu den größten Plätzen Europas gehört. In die Fehrbelliner Straße biegen wir links ab, danach geht es sofort wieder nach links in die Karl-Liebknecht-Straße. Der lange schmale Platz an der linken Seite der Straße ist der Fontaneplatz. In seiner Mitte befindet sich das Denkmal des Dichters.

Pause am Ruppiner See

Nun geht es wieder nach links in die Schifferstraße. Wir laufen auf das Wahrzeichen der Stadt, die Klosterkirche St. Trinitatis, zu. Bei fast allen Abbildungen, die von der Kirche existieren, wurde sie vom Wasser aus fotografiert. Diese Lage nah am Ufer ist einzigartig.

Es lohnt sich, am Ruppiner See eine Pause einzulegen. Wer mag, besucht eines der kleinen Cafés oder die Restaurants des Hotels Resort Mark Brandenburg. Anschließend laufen wir die Uferpromenade weiter, links am Hotel vorbei, bis wir zu dem grünen Glasdurchgang kommen, der das Hotel und die Fontane-Therme miteinander verbinden.

Unter dem Gang gehen wir hindurch und erreichen jetzt die Seestraße. Unmittelbar vor den ersten Wohnhäusern der Straße kreuzt ein schmaler Pfad die Straße. Wir biegen nach rechts ab und laufen neben den Resten des alten Stadtwalls ungefähr eine Viertelstunde, bis wir wieder den Bahnhof erreichen.