Ausflugstipp

Alt-Tempelhof - Von der Spukvilla zur Dorfkirche

In Alt-Tempelhof reiht sich ein kleiner Park an den nächsten. Ein schönes Ausflugsziel, das nur wenige Touristen besuchen, obwohl es nur eine Viertelstunde von Berlins Mitte entfernt liegt.

Foto: x / Michael Brunner

Im Sommer, so schätzt man, kommen 50.000 Menschen pro Wochenende nach Tempelhof. Jogger, Radfahrer, Skater, Familien mit Kindern und jede Menge Berlin-Besucher treffen sich auf dem alten Flughafen, der zu einer riesigen Spielwiese geworden ist. Gleich nebenan liegt der Ortsteil Alt-Tempelhof, den nur wenige Touristen besuchen, obwohl er mit der U-Bahn lediglich eine Viertelstunde von Berlins Mitte entfernt liegt.

Wir starten am U-Bahnhof Kaiserin-Augusta-Straße, der am Tempelhofer Damm liegt. Wir folgen der Kaiserin-Augusta-Straße gen Westen bis zur Friedrich-Franz-Straße. An der Ecke befindet sich das Askanische Gymnasium, das 1875 in Kreuzberg gegründet wurde und 1929 nach Tempelhof zog. Zu den bekanntesten ehemaligen Schülern gehören Rudi Dutschke, der Maler Hans Baluschek und der große Feuilletonist Fritz J. Raddatz. In der Friedrich-Franz-Straße, gegenüber der Schule, ragt der Kirchturm der Glaubenskirche in die Luft.

An der nächsten Kreuzung biegen wir rechts in die Albrechtstraße ein und erreichen bald die „Spukvilla“ am Friedensplatz. Das Fachwerkhaus mit der Holzveranda sieht aus, als sei es direkt aus den Alpen nach Tempelhof geflogen worden. Um 1860 herum sollte in der Gegend eine Villen- und Landhauskolonie entstehen. Der Berliner Architekt Friedrich Hitzig plante eine bunte Mischung aus verschiedenen Baustilen. Das Projekt scheiterte. Übrig geblieben ist nur das Fachwerkhaus.

Im Jahr 1813 sollen fliehende napoleonische Grenadiere auf dem Grundstück ihre Kriegskasse vergraben haben. Bei späteren Bauarbeiten wurden Gebeine und Teile ihrer Uniformen entdeckt, die Kriegskasse aber wurde niemals gefunden. Der Legende nach spukten die Geister der toten Soldaten durch das Gebäude, das später auf dem Gelände errichtet wurde. Mittlerweile wird das Haus von der Arbeiterwohlfahrt hauptsächlich als Seniorentreff und als Veranstaltungsort für Lesungen genutzt. Von Gespenstern wird kaum noch berichtet.

Lehnepark mit dem Wilhelmsteich

Nachdem wir den Friedensplatz umrundet haben, folgen wir der Blumenthalstraße in nördliche Richtung und biegen nach rechts in die Parkstraße ein. Anschließend geht es gleich weiter links in die Schönburgstraße. Jetzt befinden wir uns am Lehnepark mit dem Wilhelmsteich. Namensgeber für den kleinen Park und sein seichtes Gewässer war der ehemalige Gutsbesitzer Wilhelm Lehne. Von fast jedem Flecken des Parks aus sieht man die 800 Jahre alte Dorfkirche, die auf einer kleinen Anhöhe liegt. Noch um das Jahr 1900 herum lebten in Tempelhof weniger als 10.000 Menschen. Nach dem Bau des Tempelhofer Hafens, des Ullsteinhauses und des Ufa-Filmgeländes wuchs die Einwohnerzahl rasant an. An dieser Stelle aber spürt man noch immer den alten dörflichen Charakter.

Den idyllischen Kirchhof betreten wir durch einen sehr niedrigen Eingang. Die Kirche wird von einem kleinen denkmalgeschützten Friedhof umgeben. Imposante Grabmale wie das Wandgrab der Familie Berlinicke sind dort zu sehen. Neu ist allein der Tsunami-Gedenkstein, den der ehemalige Pfarrer der Kirche Jörg Kluge für die 47 Opfer der Naturkatastrophe aus Berlin und Brandenburg errichten ließ.

Direkt an die Dorfkirche grenzt auch der Alte Park mit dem Klarensee, den wir als nächstes besuchen. Wir laufen über die Brücke und biegen in den letzten der schmalen Wege nach links und überqueren den Tempelhofer Damm.

Unser nächstes Ziel ist der Franckepark, den wir über die Theodor-Francke-Straße erreichen. Mittelpunkt ist ein Damwildgehege, das man am Besten von der Plattform im nördlichen Bereich aus der Ferne beobachten kann. Der Blick auf die Tiere ist zwar unverstellt, doch wer das Wild aus der Nähe sehen möchte, sollte unbedingt ein Fernglas mitbringen. Von hier aus lohnt noch ein Abstecher in die Kleingartenkolonie „Feldblume“, die im nächsten Jahr ihren 100. Geburtstag feiert, und in die dahinter liegenden Kolonie „Friede und Arbeit“. Die Albrechtstraße und die Wenckebachstraße führen uns anschließend zurück zum U-Bahnhof.

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