Zur Weihnachtszeit öffnen zahlreiche Forstämter und private Waldbesitzer ihre Ländereien für Besucher, die sich selbst einen Baum absägen möchten. Das steigert nicht nur die Vorfreude, das gute Stück ist auch frischer. Wo das Schlagen besonders viel Spaß macht – und was man beachten sollte, verrät Morgenpost-Autorin Katrin Starke.
Tanne, Kiefer oder Fichte?
Wer einen Weihnachtsbaum kaufen will, hat die Qual der Wahl. Am günstigsten sind Rotfichten, die es auch in Bau- und Supermärkten gibt. Die Äste sind sehr stark, tragen auch schweres Gewicht. Nachteil: Diese Bäume halten in der Wohnung meist nur etwa eine Woche, dann fangen sie an zu nadeln. Zudem sind die Nadeln sehr spitz und hart. Wegen ihres ungleichmäßigen Wuchses macht die Schwarzkiefer optisch oft wenig her. Allerdings halten die Nadeln immerhin bis zu drei Wochen.
Teurer, aber dafür edler sind Blaufichten. Sie bleiben in der Wohnung mindestens zwei Wochen frisch und verströmen einen intensiven, angenehmen Duft. Außerdem haben diese Bäume besonders starke Zweige.
Der in Deutschland beliebteste Weihnachtsbaum ist die Nordmanntanne. Sie bleibt im Raum zwei bis vier Wochen frisch. Eltern von kleinen Kindern schätzen die Nordmanntanne vor allem, weil ihre Nadeln wenig piksen. Allerdings duftet sie nicht so intensiv wie die Blaufichte.
Was darf ein Baum kosten?
Die Preise schwanken je nach Baumart, Größe und Region. Der Landesbetrieb Forst Brandenburg nennt Richtwerte. Danach dürften Kiefer oder Schwarzkiefer pro laufendem Meter mit elf bis 13 Euro zu Buche schlagen, Fichte oder Douglasie mit 12,50 bis 14 Euro sowie Stechfichte oder Küstentanne mit 13,50 bis 14,50 Euro. Bei Schmuckreisig geht der Landesbetrieb pro Bund (etwa 2,5 Kilogramm) von sieben Euro bei Weymouthskiefer und Douglasie sowie 6,50 Euro bei der Kiefer aus.
Darf ich meinen Baum einfach im Wald schlagen?
Wer das Geld sparen will und einfach mit der Säge in den Wald spaziert, sei gewarnt: „Das eigenmächtige Einschlagen von Weihnachtsbäumen ohne Erlaubnis des Waldbesitzers – egal ob staatlich oder privat – ist kein Kavaliersdelikt, sondern Diebstahl – und damit strafbar“, mahnt die Forstbehörde.
Wie transportiert man den Baum sicher?
Wer seinen Baum auf dem Autodach transportieren will, sollte ihn keinesfalls mit Schnüren und Gummiexpandern fixieren. Die könnten schon bei einem Unfall mit niedrigem Tempo reißen, warnt der ADAC. Der rät stattdessen zu Spanngurten. Der eisige Wind kann dem Baum blitzschnell Feuchtigkeit entziehen. Es empfiehlt sich, den Baum in Folie einzupacken. Ragt das Bäumchen mehr als einen Meter über das Heck des Autos hinaus, muss die Baumspitze mit einer roten Fahne, bei Dunkelheit mit einer roten Lampe gekennzeichnet werden. Ansonsten drohen 25 Euro Bußgeld. Nach vorn darf der Baum nur 50 Zentimeter überstehen. Noch teurer wird es für diejenigen, die den Baum insgesamt nicht ordnungsgemäß gesichert haben. Dann drohen ein Bußgeld von 60 Euro und ein Punkt in Flensburg.
Wie bleibt der Baum lange frisch?
Wer seinen Baum nicht sofort im Wohnzimmer aufstellen möchte, sollte ihn kühl lagern. Sonneneinstrahlung lässt Tanne, Fichte oder Kiefer frühzeitig austrocknen. Der Baum sollte daher nicht auf sonnigen, windigen Balkonen zwischengelagert werden. Stattdessen eignen sich unbeheizte Kellerräume, Wintergärten oder Treppenhäuser. Der Baum sollte in ein mit Wasser gefülltes großes Gefäß gestellt werden, das regelmäßig nachgefüllt werden muss. Der Baum kann bis zu einem Liter Wasser täglich verbrauchen. Ein Löffel Zucker im Wasser verzögert das Vertrocknen. Manche Experten schwören auch auf eine Prise Salz oder eine Kopfschmerztablette.
Wie stelle ich den Baum richtig auf?
Das Verpackungsnetz sollte ein bis zwei Tage vor dem Aufstellen entfernt werden, damit sich die Zweige wieder entfalten können. Das Verpackungsnetz dabei von unten nach oben entfernen, damit die Zweige und Nadeln nicht beschädigt werden. Vor dem Aufstellen sollte man den Baum einige Male kräftig mit dem Stamm nach unten aufschlagen, so können sich die Zweige besser entfalten. Dann erneut den Stamm anschneiden. Wird der Baum in die Wohnung geholt, sollte ein „Wärmeschock“ vermieden werden. Empfehlenswert sind zudem kalte Fliesen als Untergrund.
Kann man einen Baum im Topf nach dem Fest wieder im Garten einpflanzen?
Die Chance, dass der Baum anwächst, ist gering, sagt Karin Lorenz, Chefin des Werderaner Tannenhofes. Meist sind die Wurzelballen, die dem Baum beim Auspflanzen gelassen wurden, zu stark reduziert. Noch geringer seien die Überlebensaussichten eines im Topf gehaltenen Baumes, wenn er übers Fest für mehrere Tage im warmen Haus aufgestellt wurde, anschließend aber in den gefrorenen Boden komme. Vor allem Nordmanntannen und Blaufichten reagieren auf den Wechsel extrem empfindlich. Die Fichte erweist sich dagegen als ein wenig robuster. Laut Karin Lorenz gilt: Je kleiner die Pflanze, desto größer die Chancen auf ein erfolgreiches Umpflanzen.
Verkaufsstellen und Plätze zum Selberfällen
Verkaufsstellen in Berlin
Der „Tannenmann“ Jan Kossack ist einer der Hauptanbieter von Christbäumen in Berlin. Hauptverkaufsplatz ist gegenüber dem Alten Schlachthof vor dem Velodrom (Montag bis Sonntag von 9 bis 16 Uhr), ein weiterer zentraler Verkaufsplatz ist am Alexanderplatz (Montag bis Sonnabend von 9 bis 20 Uhr, Sonntag 9 bis 17 Uhr). Infos unter www.tannenmann.de. Auch der Werderaner Tannenhof verkauft in Berlin. Infos unter www.werderaner.tannenhof.de.
Weihnachtsbaumwald Mellensee
Das Blöken der wollig-weißen Shropshires mit den schwarzen Köpfen ist schon von Weitem zu hören. „Unter 500 Schafsorten gibt es nur diese eine, die Unkraut frisst, aber keine Rinde annagt.“ Für Jörg Martin, 47, entscheidend, denn mit Bäumen macht er sein Geschäft. 30.000 Stück wachsen auf dem seit 1994 bewirtschafteten Areal entlang des Nottekanals im Fischerdorf Mellensee. Man kann auch mit der Draisine bis in die Schonung fahren – und mit Baum wieder zurück. Es warten das täglich angefachte Lagerfeuer, heiße Getränke und Stockbrot, und am Wochenende gibt es sogar Ponyreiten. Da schaut selbst der Weihnachtsmann vorbei.
Weihnachtsbaumschonung am Mokeweg in Mellensee bei Zossen. Weihnachtsbaumschlagen täglich bis 24. Dezember von 8 bis 16 Uhr, am vierten Advent von 8 bis 12 Uhr. www.weihnachtsbaum-selbst-schlagen.de
Oberförsterei Hammer
Wie weit fliegt ein Baum? Das lässt sich am 13. Dezember von zwölf bis 18 Uhr in der Landeswaldoberförsterei Hammer (Dahme-Spreewald) ermitteln. Baumweitwurf ist eine der Disziplinen beim „Weihnachtsmannfünfkampf“. Kinder können im Heu toben und im Märchenzelt Märchen vom Band lauschen. Am Sonnabend vor dem dritten Advent wird die Waldweihnacht gefeiert. Wer seinen Weihnachtsbaum selbst schlagen will, hat die Wahl zwischen Fichten und Kiefern. Zu kaufen gibt es außerdem Küstentannen und Schwarzkiefern. Auch die stammen aus Brandenburg. „Es sind alles Bäume der kurzen Wege“, sagt Leiter Tim Ness.
Oberförsterei Hammer, Autobahn 13, Abfahrt Groß Köris, Landstraße in östlicher Richtung über Klein Köris auf die B 179, dann rechts in Richtung Lübben (südlich) drei Kilometer bis zur Landeswaldoberförsterei. Internetseite unter: http://bit.ly/1s2afQg
Krämerwaldhof
Auf dem Krämerwaldhof in Neu-Vehlefanz wachsen Kiefern neben Nordmanntannen, große neben kleinen Bäumen. „Bei uns steht alles durcheinander“, sagt Günther Köhler. Zur Auswahl stehen Minibäume von 80 Zentimetern ebenso wie 4,5 Meter hohe Baumriesen. „Besucher, die ihren Baum selbst schlagen, verschätzen sich oft bei der Größe“, weiß Köhler. Sein Tipp: „Fragen Sie einen unserer Mitarbeiter. Die kennen sich aus mit den Größen – und legen auch gern Hand an, wenn’s mit dem Sägen nicht so klappt.“ An den kommenden beiden Wochenenden mit Lagerfeuer und Glühwein.
Krämerwaldhof, Neu-Vehlefanz, Am Krämerwald 13, erreichbar über den Berliner Ring, Ausfahrt Oberkrämer. Weihnachtsbaumschlagen am 11., 12., 18. und 19. Dezember, jeweils von 10 bis 15 Uhr. www.kraemerwaldhof.de
Werderaner Tannenhof
Die Lehminsel in der Märkischen Streubüchse hat Karin Lorenz Glück gebracht. Auf ihr gedeiht die Nordmanntanne – noch immer der beliebteste Weihnachtsbaum. Auf dem Boden des Werderaner Tannenhofs, den Karin Lorenz und Gerald Mai gemeinsam führen, wachsen auf 50 Hektar aber auch Blaufichten, Coloradotannen, Serbische Fichten und Rotfichten. Im Hofladen gibt es selbst gemachte Tannennektare und -liköre, draußen Lagerfeuer, Glühwein und Gegrilltes sowie einen Märchenerzähler. Am vierten Advent sind Besucher mittags sogar zum Singen eingeladen, unterstützt von Chören aus der Region.
Weitere Verkaufsstellen
Werderaner Tannenhof
Lehniner Chaussee 19 im Ortsteil Plessow. Schlagen montags bis sonntags bis 23. Dezember von 9 bis 17 Uhr. Am 24. Dezember 9 bis 12 Uhr – nur geschlagene Bäume. www.werderaner-tannenhof.de
Danewitz bei Biesenthal (Landkreis Barnim)
Weihnachtsbaumfeld an der Dorfstraße 48. Hier werden bis 23. Dezember täglich von 9 bis 16 Uhr (an Heiligabend von 9 bis 12 Uhr) Weihnachtsbäume diverser Arten angeboten. Außerdem kleiner Weihnachtsmarkt. Telefon 03337 3346.
Dyrotz bei Wustermark (Landkreis Havelland)
Wer hier seine Blaufichte fällen will, sollte Säge, Handschuhe und Packschnur mitbringen. 13. und 14. Dezember, jeweils 10 bis 16 Uhr. Hinweisschilder ab Outlet-Center B 5, Kontakt: Telefon 0170 180 1818.
Groß Marzehns (Landkreis Potsdam-Mittelmark)
Auf der Plantage von Matthias Räbiger kann man sich länger aufhalten, denn ein Lagerfeuer sorgt für Wärme. Als Weihnachtsbäume stehen Blaufichten und Nordmanntannen zur Wahl. 13./14. und 20./21. Dezember, jeweils 10 bis 15 Uhr. Rabener Weg, Groß Marzehns (Potsdam-Mittelmark), Autobahnabfahrt A9 Klein Marzehns, der Weg ist ausgeschildert, Telefon 033848 600 05.
Melchow bei Eberswalde (Landkreis Barnim)
Vom Bahnhof aus geht es auf den Adventsmarkt und ab 13.30 Uhr in den Wald zu den Weihnachtsbäumen. 14. Dezember, 13 bis 18 Uhr, Bahnhof Melchow, Telefon 0172 314 3871. www.naturparkbahnhof-melchow.de.
Neuzelle (Landkreis Oder-Spree)
Blaufichten selber schlagen, Waldweihnacht mit Lagerfeuer, Glühwein und Imbiss am 13. Dezember von 10 bis 14 Uhr. Ort: am Treppelpflaster, in der Nähe der Straßenverbindung zwischen Kummerow und Treppeln. Ab Feuerwehrgerätehaus in Neuzelle ausgeschildert. Kontakt: Stiftung Stift Neuzelle, Telefon 033652 81414. www.stift-neuzelle.de.
Schwedt, Ortsteil Kunow (Landkreis Uckermark)
Privatwald, zum Selberschlagen gibt es Nordmanntannen, Fichten, Kiefern, Blaufichten, außerdem gastronomisches Angebot von Bratwurst über Kesselgulasch bis Zwiebelkuchen, 10. bis 24. Dezember, 8 bis 16 Uhr, Telefon 0172 600 6838.
Werneuchen, Ortsteil Tiefensee (Landkreis Barnim)
Bauer Nietsch lädt an den Adventswochenenden jeweils 10 bis 16 Uhr zum Christbaumschlagen Der Hofladen hält Weihnachtliches bereit. Adolf-Reichwein-Straße 23A, 16356 Werneuchen, Telefon 033398 949 48. www.bauer-nietsch.de.
Grüntal (Landkreis Barnim)
Die Gärtnerei im Sydower Fließ ist täglich bis 23. Dezember bis Einbruch der Dunkelheit geöffnet.
Telefon 03337 46 101.


