Das erste, was man sieht, ist Berenika Zielinskas Lächeln. Sie hat eigentlich mal hinter der Rezeption angefangen, aber seit im „Hotel Zdrojowy Pro-Vita“ alles anders ist, versteckt sie sich nicht mehr. Berenika ist jetzt Costumer Experience Manager, oder, wie man auch sagen könnte, das Lächeln des Hotels.
Sie geht auf jeden zu, spricht mit den Gästen. Wie war der Tag, die Nacht, das Mittagessen? Mögen Sie unsere neuen Zimmer? Seit diesem Sommer kann sie auch eine Frage stellen, über die man nicht nur im „Hotel Zdrojowy Pro-Vita“, sondern in ganz Kolberg beglückt ist: Wie war es am Strand?
Direkt vor dem „ProVita“ beginnt Richtung Osten der Wald, in Richtung Westen fängt die breite Hafenpromenade an. Viel zu bewundern gibt es in Kolberg nicht gerade: Am Ende der Promenade noch ein kleiner Yachthafen, eine Seebrücke und ein Leuchtturm, von dem aus allerdings man einen herrlichen Blick über die Küste hat. Früher waren es 70 Meter vom „ProVita“ zum Meer, jetzt liegen 30 Meter Sand dazwischen. Überhaupt hat sich einiges geändert in Polens bekanntestem Kurort.
Polens bekanntester Kurort
Kolberg. Das war einmal Kur, Kohlroulade und Kittelschürze. Rentner fuhren die knapp 300 Kilometer aus Berlin Jahr für Jahr nach Hinterpommern, um sich etwa mit dem Ehepaar Herrmanns aus Spandau, die auch Stammgäste waren, daran zu erinnern, wie schön es mal Zuhause gewesen ist. Früher.
Aber solche Rentner gibt es kaum mehr, und Kolberg heißt heute Kolobrzeg, mit fast drei Millionen Übernachtungen pro Jahr besser besucht als Danzig oder Krakau. Jüngere Hoteliers haben ein neues Geschäftsgebiet für sich entdeckt: Spa und Wellness – gern auch für Familien.
Kolberg hat eine erstaunliche Entwicklung mitgemacht. 125 Millionen Euro sind investiert worden. Die gesamte Strandpromenade entlang reihen sich moderne Hotel-Komplexe, alle haben Schwimmbäder, Saunen, Whirlpools, und neben den Kur-Anwendungen wie Moor- und Solbäder, für die Kolberg berühmt geworden ist, bieten sie Kosmetik, Yoga und Kinderprogramm.
Im Sommer ist in Kolberg großer Rummel, außerhalb der Saison aber ist es ruhig, die bunten Buden an der Promenade sind fast alle geschlossen. Nur ein paar verkaufen noch Ketten und Anhänger aus Bernstein.
Ausflüge zur Steilküste
Man kann schöne Ausflüge machen von hier aus. Nach Hoff, zur Kirchenruine an der Steilküste, die Lyonel Feininger gemalt hat, oder die Gartenanlage „Hortulus“, oder nach Henkenhagen (Ustronie Morskie), einem Küstenort, in dem das „Hotel Lambert“ liegt, das den schönsten Wellness-Bereich der Gegend hat.
Angefangen hat die Kolberger Neuzeit im „Hotel Zdrojowy Pro-Vita“ mit Adam Hok. Eigentlich wollte der gar kein Hotelier werden, der Betriebswirt wünschte sich nach einigen Jahren Berufserfahrung im Grunde einfach nur zurück in seine Heimatstadt.
Und da man in Kolberg nicht viel anderes machen kann als Tourismus, hat er sich eben da eingebracht. Mit großem Erfolg: Der 34-Jährige ist einer der Pioniere der Spa-Idee in Kolberg, und sein Hotel hat mit der Kombination aus Kur und Wellness den Erholungsurlaub neu erfunden.
Wellness für die Seele
Das Konzept der Kur wird im „ProVita“ ganzheitlich und zeitgemäß umgesetzt. Es geht hier nicht nur um Wellness des Körpers, sondern auch um „Wellness der Beziehungen“ oder die „Wellness der Emotionen“ oder die „Wellness des Intellekts“.
Konkret bedeutet das, die Gäste des „Hotel Zdrojowy Pro-Vita“ bekommen zu Diätplänen, Ernährungsberatung, Aquafitness- und Pilates-Klassen auch Vorträge, Fortbildungen, Lebens-Coaching oder Musik-Abende geboten.
„Was macht man mit Kindern, die nicht essen wollen“, ist zum Beispiel so ein Thema, für das es im Hotel einen Informationsabend gibt, oder „Wie ernähre ich mich glutenfrei?“. Es gibt ein Programm „Willkommen in Polen“, bei dem die deutschen Gäste ein paar Worte Polnisch lernen können und etwas über die Küche.
Cocktails zur Regeneration der Leber
Auch die ist im „ProVita“ komplett umgekrempelt. Chefkoch Daniel Olas kocht glutenfreie Gerichte und mixt Reinigungscocktails zur Regeneration der Leber, er verwendet ungesättigte Fette, und er erklärt den Gästen gerne auch selbst die Vorteile des Backens und Bratens mit Niedrigtemperatur.
Wer nicht alles Tipps für das gesündere Leben versteht, der kann sie auch nachlesen. In der deutschen Ausgabe der eigenen Hotelzeitung befasst sich der erste Leitartikel mit dem Thema Nahrungsmittelintoleranz.
Bevor der Gast zu Daniels Restaurant geht, sollte er Marzena Rypina kennen lernen. Sie macht eine Reihe Analysen, über die Zusammensetzung von Proteinen und Mineralstoffen, das Verhältnis von Fett und Muskeln und empfiehlt einen Übungsplan.
Dabei kann es schon mal unangenehme Entdeckungen geben. So stellte sich heraus, dass ich einen Zentimeter kleiner bin als ich dachte, dafür über drei Kilo zu viel wiege. Die Werte auf dem Schaubild bilden ein C. „Da sollte aber ein D stehen“, sagt Marzena.
Hilfestellungen für ein gesünderes Leben
Sie testet auf Wunsch auch, welche Nahrungsmittel man nicht verträgt. Die anderen Hotelmitarbeiter schwören darauf, sie hätten durch Marzenas Ratschläge deutlich an Gewicht verloren. Für mich ergibt die Analyse: Nie wieder Müsli zum Frühstück. Ich vertrage keine Haferflocken. Wellness bedeutet im „ProVita“ nicht nur das schnelle Glück einer schönen Massage, sondern auch Hilfestellungen für ein gesünderes Leben in der Zukunft.
Hok selbst träumt fürs nächste Jahr von einem eigenen Fischrestaurant, es wäre immerhin das erste am Ort. Bislang gibt es nur die Fischbuden an der Promenade. Aber ein fettiger Bratfisch im Brötchen – folgt man der Philosophie des „Zdrojowy Pro-Vita“, dann ist das doch in Ausnahmefällen sicher auch eine Art Wellness. Besonders, wenn man gerade eine Nachricht von Marzena verkraften muss.
Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt vom Polnischen Fremdenverkehrsamt. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit




