Es mögen noch weitere 150 Schritte in den Wald hinein sein auf der Straße, die von Laschendorf westlich wegführt - vorbei an Kuhweiden, die von schmalen, Wasser führenden Gräben durchzogen werden. Vogelschwärme ziehen mit lautem Getöse über die noch grünen Böden. Dann - ein kleines blaues Schild im Forst weist den Weg zu einem „Archäologischen Denkmal“- biegt man links ab in den Fichtenwald.

Der Boden ist federnd weich. Vereinzelte umgestürzte Bäume scheinen ihrem Schicksal überlassen, hier und da hat sich ein Pilz den Weg aus dem weichen Moos gebahnt. Auf einmal sind die Fichten gewichen und ausschließlich Laubbäume bilden den Forst. „Zum Burgwall“ deutet die dunkle Schrift auf einem Holzbrett. Der Wind, der über den ganz nahen Fleesensee zieht, lässt die letzten Herbstblätter rauschen. Die eigenen Schritte durchmessen raschelnd das Herbstlaub. Ganz in der ächzt ein größer Baum. Es klingt wie ein wehklagendes Wimmern.

Kein Mensch weit und breit. Und plötzlich kann sich vorstellen, dass der Burgwall Heimstätte von „Ünnerierdschen“, von Unterirdischen gewesen sein soll. Sagenhaft. Der Wall aus der Slawenzeit wurde auch „Wiwerbarg“, Weiberbarg, oder genannt. Die Zwerge wurden auch als kleine hässliche Frauen gedacht, die nachts in Malchow in den Häuser gebraut und gebacken, aber auch gesungen und sich vergnügt haben sollen.


Eine Tafel an dem überwucherten Wall, der sich gut zehn Meter über dem flachen Laubwald erhebt, klärt auf: „...Aus Mitleid zu der Witwe des Pritzbuer ( Anm. d. Red.: den Heinrich im Jahr 1164 aufhängen ließ ) und der Kinder des Gamm soll Heinrich der Löwe Folgendes verfügt haben: 'Dit sall for dat Wif sein, un dit för de Gören'. Die Witwe bekam den Burgwall und die Kinder des Gamm den Ort Göhren als Eigentum zugesprochen. Nachweislich gehörte der Familie Gamm bins ins 17. Jahrhundert das Gut Göhren“, lässt das Landesamt für Bodendenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern den staunenden Spaziergänger wissen, der sich noch über bizarr geformten Äste wundert, die waagerecht von den alten Eichen und Buchen wachsen – Bäume so mächtig, dass sie wohl drei Mann mit ausgestreckten Armen kaum umfassen könnten.


Die Gamm-Kinder also nach Göhren. Rund 850 Jahre später befindet sich um den kleinen Ort Göhren-Lebbin mit etwa 630 Einwohnern nichts Geringeres als Deutschlands größte Ferien- und Freizeitanlage. Auf dem 550 Hektar großen „Land Fleesensee“ fühlen sich seit achteinhalb Jahren aber nicht nur „Gören“ wohl. Noch sind es drei völlig unterschiedliche Unterkunftsarten (Schlosshotel, Dorfhotel, Clubhotel) die mit einer Zwei-Drittel-Auslastung 320.000 Gästeübernachtungen im Jahr 2007 verzeichneten. Es kommen Familien, Paare, Singles, Alte und Junge, Radfahrer, Wanderer, Golfer, Reiter, Segler, Kanuten, Tennisspieler, Harleyfahrer oder auch Hobbyköche. Allesamt erholungsbedürftig. Aus nah und fern. Vorrangig sieht man auf den Parkplätzen aber Autos mit Berliner, Hamburger und Hannoveraner Kennzeichen (und jeweiligem Umland) stehen – für die lohnt sich bei der Kürze der Anreise auch ein Wochenende, eine kleine Flucht.


Neugierige, die schon immer mal „zwanglosen Cluburlaub“ ausprobieren wollten, „wagen“ sich in den einzigen Robinson Club auf deutschem Boden (auch, wenn der längst fest in der Hand von Stammgästen ist). Golfer, die mit dem Ergebnis der Trainerstunde in der Golfschule nicht zufrieden sind, erhalten die komplette Unterrichtsgebühr oder einen selbst festgelegten Teilbetrag zurück. Wellness-Anhänger nutzen das großzügige „FleesenseeSpa“ (Deutschlands größtes Day-Spa wird derzeit noch um eine russische Banja und eine Erdsauna erweitert), genießen die wohlige Wärme und die Behandlungen im „WellFit“Bereich des Robinson Clubs oder das „GoldenSpa“ im Radisson SAS Resort Schloss Fleesensee, das gerade auch zwei Wellness-Suiten neu errichtet.


Nur den Fleesensee selbst sieht man von dem großen Urlaubsareal eigentlich nie. Man muss schon einen der kostenlosen Shuttle-Busse nehmen um in wenigen Minuten am See, der der Freizeitwelt den Namen gab, zu sein. Da werden es die künftigen Gäste des im Sommer 2009 eröffnenden Iberotels besser haben, es wird derzeit in herrlicher Hanglage über dem See errichtet.


Man muss das „Land Fleesensee“ eigentlich gar nicht verlassen, so vielseitig sind die Angebote. Doch es gibt vieles zu erkunden (das wussten schließlich schon die Ünnerierdschen): Neben der eiszeitlich geprägten Seenlandschaft, der wiesen- und waldreichen Natur mit hübschen Alleen, alten Kirchen (wie etwa in Poppentin) oder Schlössern (nicht weit entfernt liegen etwa Schloss Klink und Schloss Ulrichshusen) kann man beispielsweise einen Anstecher ins nur sieben Kilometer entfernte Malchow unternehmen.


Wer Malchow, 1147 erstmals erwähnt und seit 1235 mit Stadtrechten ausgestattet, besucht, schaut sich streng genommen drei Orte an: Vom östlichen Teil mit der Klosteranlage aus dem 13. Jahrhundert geht es über den 1846 erbauten Erddamm zum romantischsten Teil des Ortes, auf die Altstadt-Insel im Malchower See. Auf ihrer Westseite ist sie mit einer Drehbrücke mit dem Festland und dem größten Teils Malchows verbunden, der Neustadt. Ein in einem ehemaligen Kino untergebrachtes DDR-Museum bedient die Nostalgie, das für ostdeutsche Kleinstädte fast obligatorische Sowjetische Ehrenmal gedenkt dem „unsterblichen Ruhm der Soldaten der Sowjetischen Armee“.


Spielerisch, aber ernsthaft können sich „Gören“ und Erwachsene mit der Natur der Müritzregion im erst 2007 eröffneten „Müritzeum“ auseinandersetzen: Das moderne, multimediale Natur-Erlebniszentrum am Rand der Altstadt von Waren liegt nicht nur 100 Meter von der Müritz entfernt, es ist mit Aquarien, Tafeln, Exponaten und Experimenten ein Schaufenster zu Deutschlands wasserreichster Landschaft.

Anreise: Mit dem Auto über die Autobahnen A 24 und A 19 bis Ausfahrt Waren, dann weiter auf der B 192 (Beschilderung folgen)


Unterkunft : Drei volle Tage „Romantik Weekend“ (am Nikolauswochenende vom 5. bis zum 7. Dezember und über den Valentinstag vom 13. bis 15. Februar) im Robinson Club mit zwei Übernachtungen, Vollpension (u.a. mit Tischgetränken zu den Hauptmahlzeiten), Cleopatrabad, Candlelight-Dinner und Fotoshooting ab 287 Euro pro Person im Doppelzimmer ( www.robinson-fleesensee.de ).
Eine Ferienwohnung in Untergöhren (in Seenähe) kostet ab 310 Euro pro Woche ( www.fewo-direkt.de ).

Buchtipp : "Reisen in Uwe Johnsons Mecklenburg" von Wolfgang Geisthövel (Hinstorff Verlag, Rostock 2001, ISBN-10 3356008900, gebunden, 139 Seiten, 13,75 Euro).


Auskunft: „Land Fleesensee“, kostenlose Hotline: 0800/180 61 11, www.fleesensee.de